Der Heurige: Eine Wiener Institution

Traumhafte Kulisse, herzhafte Schmankerln: Der »Wieninger am Nussberg« bietet einen herrlichen Blick über die Stadt.

© WienTourismus | Peter Rigaud

Traumhafte Kulisse, herzhafte Schmankerln: Der »Wieninger am Nussberg« bietet einen herrlichen Blick über die Stadt.

© WienTourismus | Peter Rigaud

Der Heurige hat in Österreich eine jahrhundertealte Tradition, die eng mit seiner Weinbau-Geschichte verbunden ist. Schon im Mittelalter hängten Weinhauer einen Föhrenbusch an ihre Tür, um Gästen zu signalisieren, dass sie ihren neuen Wein im Keller ausschenkten. Damals wurden sie noch Leutgeb genannt, ab Ende des 19. Jahrhunderts Heurige. Und zu unserem Glück zog es die Menschen vom düsteren Weinkeller ins Freie. Ein Blick zurück.

Mit Tannenreisig in der Hand verkündete der Weinausrufer in der Stadt, dass es frischen Wein zu trinken gab: Unter Karl dem Großen (742–814) war den Weinhauern das Ausschenken drei Monate im Jahr gestattet. 1784 regte sich Widerstand in einem kleinen Ort der Grafschaft Görz; Graf Delmetri ließ die Wirte nur seinen eigenen Wein ausschenken. Kaiser Joseph II. regelte den Tumult mit einer Zirkularverordnung – der Ausschank von selbst erzeugtem Wein und Most war fortan »zu allen Zeiten des Jahres« erlaubt.

Seine erste Glanzzeit erlebte der Heurige im 19. Jahrhundert, als auch das gehobene Bürgertum und der Adel seine Vorzüge entdeckten. In Wien ließen sie sich mit einer Pferdekutsche in die umliegenden Weinberge chauffieren. Der Heurige entwickelte sich ab nun zum geselligen Ort ganz ohne Schranken von Etikette. Sinnbildlich für den Heurigen als Ort des geselligen Beisammenseins war in dieser Zeit auch die Schrammelmusik. Der Name geht auf die Waldviertler Brüder Schrammel zurück, die 1878 das erste Quartett gründeten – und später viele Nachahmer fanden. Lange Zeit galt ein Wiener Heuriger nur dann als echt und typisch, wenn darin Schrammelmusik ertönte.

Die Weine von Michael Edlmoser zählen zu den besten Wiens. Aber auch die Küchenleistung im Heurigen überzeugt.

Die Weine von Michael Edlmoser zählen zu den besten Wiens. Aber auch die Küchenleistung im Heurigen überzeugt.

Foto beigestellt

Bis in die 1970er war es noch üblich, dass die Gäste ihre Jause selbst zum Heurigen mitbrachten. Viele Betriebe boten Brot und Nüsse an. Erst danach entwickelte sich die typische Heurigenküche mit Klassikern wie Liptauer und Grammelschmalz. Später kamen auch warme Gerichte hinzu.

In den letzten Jahrzehnten erlebte der Heurige in allen Bereichen einen neuerlichen Qualitätssprung. Die Weine mancher Wiener Winzer sorgen inzwischen weltweit für Furore, sie sind in Japan genauso begehrt, wie in den Spitzenrestaurants Kaliforniens. Besonders der »Gemischte Satz« ist zu einem weltweit begehrten Wiener Unikat geworden. Es sind Weine, die aus verschiedenen Rebsorten aus einem gemeinsamen Weingarten stammen.

Auch die Küchenleistung mancher Heuriger hat inzwischen ein erstaunliches Niveau erreicht. Es sind Küchen, wie man sie sonst nur in der Liga der Top-Gastronomie findet. Damit ist der Wiener Heurige nach wie vor eine Institution. Heute sogar mehr denn je.

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