Ein seltenes Bild: Herr mit Hund zu ­Hause. Meistens ist Ernst Loosen unterwegs
Ein seltenes Bild: Herr mit Hund zu ­Hause. Meistens ist Ernst Loosen unterwegs / Foto: Paul Schirnhofer

Seit 25 Jahren ist Ernst Loosen im Geschäft. 1987 war seine erste eigene Ernte im heimischen Bernkastel-Kues an der Mosel, wo seine Familie inmitten von blauem und rotem Schiefer seit 200 Jahren sesshaft ist. 1988 übernahm er das Weingut von seinem Vater und brachte es kompromisslos auf Kurs: Er achtet auf die Qualität der wurzelechten Reben, die zwischen 60 und 100 Jahre alt sind, und kümmert sich um die 18 Hektar mit erstklassigen Lagen aus der Königlich Preußischen Weinlagenklassifizierung von 1868, zu 98 Prozent mit Riesling bestockt.

 

Eine der Steillagen von Dr. Loosen an der Mosel – Neigung bis 75 Prozent
Eine der Steillagen von Dr. Loosen an der Mosel – Neigung bis 75 Prozent

Ernst Loosen ist sechs bis acht Monate im Jahr unterwegs auf seiner Mission, den Riesling weltweit voranzutreiben. 80 Prozent der Produktion von Dr. Loosen gehen in den Export – 40 Prozent davon in die USA und Kanada, 30 Prozent nach Europa und 30 Prozent nach Asien. »In Island sind wir die Nummer eins«, schmunzelt Ernst Loosen mit seinem breiten Lausbubenlächeln, »bei den Staatsempfängen werden unsere Rieslinge gereicht.« Im interna­tionalen Marketing-Slang heißt das: »Think ­global.« Loosen etabliert mit seinem Weingut eine internationale Marke, wie es sonst in Deutschland nur noch Wilhelm Weil schafft.

Mit ­seinen inzwischen vier Engagements auf verschiedenen Weingütern kommt er auf eine Produktion von bald einer Million Flaschen pro Jahr, auf denen sein Name steht. Von Dr. Loosen sind es 240.000, von J. L. Wolf rund 120.000 Flaschen – den Rest macht er in den USA. Der Großteil – rund 360.000 Flaschen – stammt von einem einzigen Wein, Eroica, ­benannt nach Beethovens dritter Sinfonie. »Think big« ist die zwangsläufige Folge von »think global«. Eroica – ein für den deutschen Gaumen untypischer Riesling mit der Aromenwucht eines Sauvignon Blanc – ist einer der erfolgreichsten und am höchsten bewerteten Rieslinge Amerikas.

Das mit Schiefer gedeckte Stammhaus Dr. Loosen in Bernkastel-Kues
Das mit Schiefer gedeckte Stammhaus Dr. Loosen in Bernkastel-Kues

 

Mit Chateau Ste. Michelle hat Loosen das »Riesling Rendezvous« in Seattle ins Leben gerufen. Quasi die Keimzelle einer interna­tionalen Riesling-Connection, deren uner­müdliche Triebfeder Ernie Loosen ist – in Übersee kennt man ihn seit Langem nur unter diesem Namen, der dort einfacher über die Lippen geht. 2010 fand das Rendezvous mit 70 Wein­gütern aus Deutschland, dem Elsass, Österreich, Australien, Neuseeland, Kanada und den USA statt. Die Veranstaltungen der internationalen Riesling-Bewegung sollen künftig im ­Wechsel alle drei Jahre stattfinden. Alles Gelegenheiten für Ernie Loosen, um weiter fleißig Meilen zu sammeln.

»Think global, think big, think Riesling«, so umreißt Ernie Loosen seinen »Gesamtheitsanspruch in Sachen Riesling«.

Eine seltene Freude: die Verkostung der Weine in der eigenen Bibliothek
Eine seltene Freude: die Verkostung der Weine in der eigenen Bibliothek

Riesling hat inzwischen jährlich als Rebsorte weltweit 20 bis 30 Prozent Zuwachs – gemessen allerdings an geringen vier Prozent der gesamten Rebfläche. Trotzdem versteht sich Ernie Loosen immer noch als Winzer, nicht als »flying winemaker«. Getrieben nicht von einem Plan, sondern vielmehr von einem tiefen Bauchgefühl, von Leidenschaft: »Ohne Spaß, ohne Passion hast du keinen Erfolg in diesem Geschäft«, sagt er, »das springt auf andere über, ohne diese Liebe geht nichts.«

Text von Nikolas Rechenberg

Den vollständigen Artikel mit weiteren Einblicken in den Global Player Weingut Dr. Loosen sowie zm Chef privat finden Sie im aktuellen Falstaff 01/12.

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