Der Gast von heute

Der Name Toni Mörwald steht für beste Gastlichkeit.

© Stephan Rauch

Der Name Toni Mörwald steht für beste Gastlichkeit.

© Stephan Rauch

Wir Wirte müssen unsere Gäste nehmen, wie sie sind, denn – andere haben wir eben nicht. Und ich bin auch fest davon überzeugt, dass jeder von uns die Gäste hat, die er verdient (an manchen Tagen stelle ich aber dann doch fest, dass ich die von einem anderen haben muss, nachdem mir Selbstkritik ja fremd ist, wie meine Frau immer betont). In jedem Fall ist mein Gast von heute fachlich kompetent, erfahren und selbstbewusst. So weit, so gut – da passt er ja zu mir.

Gerade im Hotelbereich ist der internationale Standard in den letzten Jahren sehr hoch geworden, natürlich auch dadurch, dass ehemalige Luxusdestinationen massentauglich geworden sind, wenn wir nur die asiatischen Fernziele hernehmen. ­Diesen gewohnten Standard erwartet der Gast natürlich zu Recht auch in unseren Häusern. Das hohe Niveau können wir nur durch laufende Investitionen halten. Nur, dass wir, im Gegensatz zu manch asiatischem Mitbewerb, einen Gutteil des Erlöses in die Dienstleistung ­stecken müssen, aufgrund unserer extrem hohen Besteuerung der Mitarbeiterkosten. Hier ­stehen wir vor der größten Herausforderung der nächsten Jahre und unserer größten Aufforderung an die zuständige Politik. Wir werden den vom Markt geforderten Standard nur halten bzw. anpassen können, wenn der Faktor Arbeit entlastet wird. Sonst ­drehen wir auf der Spirale nach unten.
Natürlich hat der österrei­chische Tourismusmarkt einige Alleinstellungsmerkmale, die ­viele unserer Kollegen ja auch hervorragend zu nutzen wissen, und die es unter allen Umständen zu bewahren gilt. Ich denke da an unsere angenehmen klimatischen Verhältnisse, unsere Natur und die einzigartige Kultur. Ein Vorteil unseres Tourismuslandes, der sich besonders in der guten Sommersaison 2016 gezeigt hat und der in den nächsten Jahren noch mehr an Bedeutung gewinnen wird, ist der ­Faktor Sicherheit. Egal ob im urbanen Bereich oder am Land, die relative Sicherheit für unsere Gäste und unsere Mitarbeiter ist mit allen Mitteln zu verteidigen. Touristisch gesehen dürfen wir diesen Wettbewerbsvorteil auf keinen Fall aufgeben.
Vieles, das wir im Alltag erleben ist für uns ganz selbstverständlich, für die Gäste jedoch etwas Außergewöhnliches. So wird mir die nächtliche Ruhe in Feuersbrunn immer erst wieder bewusst, wenn Gäste, meist Großstädter, erzählen, wie gut und absolut ruhig sie geschlafen haben. So ist es auch mit der Sicherheit. Für uns ist es (noch) ganz normal, die Kinder mit dem Rad oder dem Bus zur Schule zu schicken und die Gäste zu Fuß zum nächsten Heurigen. So verlassen kann die Gegend gar nicht sein. In vielen Ländern wäre es fahrlässig, auch nur einen Fuß vor das bewachte Hotelresort zu stellen.

Der Gast von heute ist auf jeden Fall schlau, schlau genug, die Vorteile Österreichs zu ­erkennen. Und die Hoteliers sind schlau genug, den Gast mit ihrer authentischen Gastlichkeit einzuladen und abzuholen. Wenn uns unsere Rahmenbedingungen diese Möglichkeiten auch in Zukunft bieten, dann sehe ich gute Chancen auch den Gast von Morgen zufriedenstellen zu können.

Kolumne »Der Gast von heute« aus Falstaff KARRIERE 01/17.

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