Der älteste Single Malt der Welt: Gordon & MacPhails »80 years«

© Julia Bier (Kirsch Import e.K.)

Der älteste Single Malt der Welt: Gordon & MacPhails »80 years«

© Julia Bier (Kirsch Import e.K.)

Es war mucksmäuschenstill im »Le Panther«. Denn in der Frankfurter Event-Location präsentierten Christoph Kirsch (Kirsch Whisky) und Stephen Rankin (Gordon & MacPhail) einen in jeder Hinsicht einmaligen Whisky. »Er ist älter als jeder hier im Raum«, unterstrich Rankin die außergewöhnliche Verkostungsmöglichkeit noch zusätzlich. Denn der unabhängige Abfüller aus Schottland und sein langjähriger deutscher Importeur verteilten zuvor Kostgläser, auf denen eine magische Zahl eingraviert war: 80. So viele Jahre reifte der Single Malt der Glenlivet Destillery in den Lagerhäusern in Elgin! Der 80-jährige Whisky ist nicht nur der älteste bislang gefüllte schottische Single Malt, sondern auch der Höhepunkt der »Generations«-Serie, die bislang zwei 70-jährige Abfüllungen und eine 75-jährige zählte. Der »80 years« setzt hier einen neuen Maßstab.

Wettlauf gegen die Zeit und den Schwund

Ein halbes Jahr nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, am 3. Februar 1940, hatte Rankins Großvater George Urquhart (»exzentrisch bis an die Grenze des Wahnsinns«) das Fass 340 mit dem Whisky belegt, wie Rankin aus den Unterlagen zitierte. »Der Baum für dieses Fass wurde gefällt, als Queen Victoria heiratete und Abraham Lincoln noch ein kleiner Anwalt in Illinois war«, stellte er noch tiefere Bezüge zur Geschichte her. Denn ursprünglich hatte das Fass bei Williams & Humbert bereits Most, jungen Sherry und später auch reifen Oloroso-Sherry beinhaltet. Der Bezug zum Eichenholz wurde auch in der Schutzverpackung des Dekanters widergespiegelt. Architekt Sir David Adjaye wählte einen Kasten aus Eiche, dessen Lamellen an die Dauben eines Whiskyfasses erinnern. Für die Premierengäste gab es als Symbol hingegen eine Eichel als Geschenk, die aus dem Holz des originalen Fasses No. 340 gedrechselt worden war.

Ein so alter »dram«, wie die Schotten ihren Schluck Whisky nennen, stellt schließlich auch ein kleines physikalisches Wunder dar. Ohne skrupulöses Fassmanagement wäre etwas wie der »Generations« nicht möglich. Denn rund 2% jährliche Verdunstung – der berühmte »Angels‘ share« – lassen nach so vielen Jahren einen Bruchteil der ursprünglichen Füllmenge zurück. Weiters ist darauf zu achten, dass auch der Alkohol nicht unter die magische Grenze von 40% vol. fallen darf. Sonst dürfte der Methusalem nämlich nicht mehr Whisky heißen und wäre einfach ein sehr altes Destillat. »Ein volles Warehouse fungiert wie eine Abdichtung«, erklärte Stephen Rankin die Vorkehrungen, die für dieses rare Fass getroffen wurden. Denn immerhin beträgt die aktuelle Stärke des »80 years« noch 44,9% vol. Neben dem möglichst geringen Luftraum im Lager sorgte auch die Platzierung der Rarität am Boden für weniger Schwund. Der wichtigste Punkt dürften aber die Fassdauben gewesen sein: »Sie waren doppelt so stark wie heute üblich«. Dazu kommt die große Erfahrung von Gordon & Mac Phail mit uralten Fässern. Der nach 60 Jahren abgefüllte Glen Grant des Brennjahrgangs 1953 etwa wies noch 59% vol. auf, erinnert sich Rankin.

So schmeckt Geschichte: Die Tasting Notes

Für Whisky-Freunde stellt aber auch der Brennstil des »Generations 80 years« eine Art Zeitkapsel dar. Vor 1960 wurden die Brennblasen noch direkt befeuert, auch gemälzt wurde damals noch vor Ort. »In der rauchigen Atmosphäre der Brennereien wurden die Destillate reichhaltiger, öliger und kantiger«. Diesen Eindruck vermittelte der 80-jährige Single Malt auch, kaum dass er ins Glas kam. Extrem intensiv riecht der Whisky, dessen Bernstein-Farbe mit rotgoldenen Reflexen auch optisch ansprechend wirkt. Die Süße von Kirschen, verloschenes Lagerfeuer, aber auch gesalzene Nüsse und dezente Kokos-Töne sind zu riechen. Vor allem überrascht die Frische dieser Kostbarkeit. Wagt man das Sakrileg, einen Tropfen Wasser zur Aromen-Aufschließung beizugeben, entwickelt sich sogar Pfirsich-Duft. Lässt man den »80 years« einfach im Glas »atmen«, erinnert der Duft an Tiramisu – cremige Noten und Kakao ergänzen dann das Duftbild. Wie bei derart komplexen Whiskys üblich, lässt er sich aber im Grunde gar nicht »ausriechen« – jede Nase lang entdeckt man neue Facetten. »Wie ein Buch, das man nicht weglegen kann«, kommentierte Stephen Rankin seinen eigenen Versuch, Kostnotizen anzufertigen. Zwei Stunden widmete er sich dem »80 years«.

Der erste Schluck überrascht dann mit rauchigen Noten. Dem lebhaften Auftakt folgt ein cremiger Mittelteil, der die Patisserie-Assoziationen wieder aufnimmt. Datteln und kandierte Walnüsse sind zu schmecken, die allmählich in medizinal-würzige Töne (z. B. Asafoetida und Fenchelsaat) übergehen. Das Finale bringt eine Abwandlung des »smoky« Auftakt in Form fast speckiger Anklänge. Auch hier macht ein wenig Wasser den Whisky geschmeidiger und fruchtiger; dann zeigen sich Apfelringe und ein noch eleganteres Rauch-Tönchen. Die trockenen Noten im Abgang verraten die lange Holzfass-Lagerung. Doch wie viele der lediglich 250 Flaschen tatsächlich getrunken und nicht einfach gesammelt werden, war ein Diskussionspunkt der Frankfurter Runde. Das zweite Gesprächsthema lieferte den Single Malt-Kennern der Preis. Der steht erst fest, wenn die erste Flasche, ergänzt um die Originalentwürfe des Dekanters und das Kopfstück des originalen Fasses, verkauft wurde. Die Auktion erfolgt am 7. Oktober in Hongkong und wird den Preis für die in Deutschland erhältlichen Flaschen definieren. Selbst nach 81 Jahren ist die Geschichte des Fasses No. 340 also noch nicht ganz fertig geschrieben…

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