»So kann es nicht weitergehen« - mit diesen Worten nimmt der WienWein Winzer Fritz Wieninger zur aktuellen Entwicklung Stellung. Eine Entwicklung, der Einhalt geboten werden muss, geht man nach den Forderungen der ambitionierten Winzergruppe. Der Wiener Wein ist bedroht – so knapp und drastisch könne man die Situation zusammenfassen, mit der die sechs Winzer – Fritz Wieninger (Weingut Wieninger), Thomas Podsednik (Weingut Cobenzl), Gerhard Lobner (Weingut Mayer am Pfarrplatz), Rainer Christ (Weingut Christ), Michael Edlmoser (Weingut Edlmoser) und Alex Skoff (Weingut Zahel) – aber auch die gesamte Wiener Winzerschaft konfrontiert sind. 



»Was wäre Wien ohne Wein?«


Die »Bedrohung« sehen die Winzer in den Spekulationen, die mit Weingartenflächen betrieben werden. Nicht nur, dass die »Nachbarn« der Weingärten mit zunehmender Bepflanzung und dem Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln eine Bewirtschaftung der Flächen erschweren und teilweise unmöglich machen. Auch was die Grundstückspreise betrifft, gibt es für die Winzer Anlass zur Sorge. Weingartengrundstücke seien in Wien mit zehn bis 15 Euro pro Quadratmeter mittlerweile rund zehnmal so teuer wie etwa im Carnuntum, wo der Quadratmeter auf 1,50 Euro kommt, führt Rainer Christ aus. »Die jüngste Entwicklung ist beunruhigend«, sagt Fritz Wieninger, denn der Weinbau werde, sollte es so weiter gehen, auf Generationen nicht mehr wirtschaftlich sein. Die Winzer könnten es sich schlichtweg nicht mehr leisten Wein anzubauen. Die Folge daraus sei, dass immer mehr Weingärten verschwinden.

Blick vom Nussberg auf Wien/Foto: Wine & Partners
Blick vom Nussberg auf Wien/Foto: Wine & Partners



»Uns geht es um den Schutz des Wiener Weins«
Aus diesem Grund hat man sich vier Forderungen überlegt, sie man als »Spielregeln« für die gesamte Branche durchsetzen möchte – man wolle sich als Winzergruppe hier keineswegs in den Vordergrund spielen. »Den Leuten, die glauben, sie machen aus unseren Weingärten Golfplätze, denen werden wir’s zeigen«, bringt Fritz Wieninger die Bestrebungen auf den Punkt.

Die WienWein-Forderungen:

  1. Jeder Quadratmeter, der heute in Wien ein Weingarten ist, muss ein Weingarten bleiben. Es darf keine Rodung und Nutzung als Ziergarten oder Wiese geben.
  2. Bei Rodung von alten und unproduktiven Reben muss innerhalb von spätestens drei Jahren wieder ein Weinberg ausgepflanzt werden.
  3. Alle Flächen, die im Weinbaugesetz und in der Weinbauflur als Weinberge eingetragen sind, auch wenn es verwilderte oder aufgelassene Weingärten sind, müssen verpflichtend mit Reben bepflanzt werden (das sind rund 100 Hektar mehr als derzeit).
  4. Eine fachkundige und unabhängige Kommission bestimmt, welche Grundstücks- bzw. Pachtpreise wirtschaftlich verträglich sind. Wird ein Grundstück zu einem höhere Preis veräußert bzw. verpachtet, so ist eine jährliche massive »Liebhaberei-Abgabe« sowohl vom Verkäufer als auch vom Käufer zu entrichten. Diese Abgabe ist zweckgebunden wieder einzusetzen. Zum Beispiel zur Förderung für die verpflichtete Auspflanzung.

 

WienWein-Winzer / Foto: Herbert Lehmann
WienWein-Winzer / Foto: Herbert Lehmann


Trotz aller »Probleme« gab es auch Positives zu berichten: Der 2010'er Jahrgang sei ein guter geworden, so die WienWein Winzer.

Zwar seien die Forderungen sehr plakativ, aber für die Wiener Winzer von großer Wichtigkeit. Mit der Stadt Wien habe man zwar noch nicht konkret über die Umsetzung gesprochen, »wir werden aber nicht auf taube Ohren stoßen«, so Wieninger. Generell unternehme die Stadt Wien sehr viel für den Wiener Weinbau, die Entwicklungen in letzter Zeit hätten allerdings gezeigt, dass diese Maßnahmen offenbar nicht ausreichen.

www.wienwein.net


(Marion Topitschnig)


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