Henke Kelner ist so etwas wie der Godfather of tobacco - er leitet in der Dominikanischen Republik die Produktion für Davidoff
Henke Kelner ist so etwas wie der Godfather of tobacco - er leitet in der Dominikanischen Republik die Produktion für Davidoff / Foto: Karine Bauzin

Viaje al origen – Reise zum Ursprung – so betitelt die Schweizer Davidoff-Führung die organisierten ­Recherche-Trips zu den ­Tabakfeldern in der Dominikanischen Republik. Seit Kurzem können auch private Zigarrenliebhaber die Hintergründe der Entstehung von Edeltabak ergründen. »Eine Zigarre ist wie eine Frau – wenn du vergisst, sie zu liebkosen, wird das Feuer erlöschen.« So hat der legendäre Namens­geber Zino Davidoff seinerzeit die emotionale Ebene des Tabakgenusses treffend beschrieben. Die Zigarren-Ikone hat die Dominikanische Republik als idealen Produktionsort für seine High-End-Produkte auserkoren.

Über Umwege nach Kuba
Die Familie Davidoff musste 1911 vor ­antisemitisch motivierten Pogromen aus der Ukraine fliehen. Das ursprüngliche Ziel – die USA – musste aus Geldmangel aufgegeben werden, und aus dem Zwischenstopp in der Schweiz erwuchs eine neue Existenz. Der junge Zino Davidoff erlernte im elterlichen Tabakladen das Mischen von Zigaretten- und Pfeifentabak, aber schon bald zog es ihn in die weite Welt

Der legendäre Firmengründer Zino Davidoff
Der legendäre Firmengründer Zino Davidoff

hinaus, und er bereiste die ­Herkunftsländer der besten Tabak­lieferanten. Besonders die Zeit auf Kuba genoss der junge Lebemann offenbar in vollen Zügen: »Ich hatte alles. Ich habe viel getrunken, viel geraucht, und ich hatte viele Frauen.« Diese Rahmen­bedingungen wirkten auf den abenteuerlus­tigen Genießer offenbar sehr inspirierend, denn auf Kuba adaptierte Davidoff das aus der Weinszene bekannte Terroirkonzept für die Zigarrenwelt und ersann eine Grand Cru von Havanna. Er trug damit maßgeblich dazu bei, dass kubanische Zigarren Objekte der Begierde von Fine-Smoke-­Aficionados auf der ganzen Welt wurden. Allerdings war das Verhältnis zu den kubanischen Behörden nicht ungetrübt, und der Kosmopolit erkannte rasch, dass man sich vom breiten kubanischen Angebot unterscheidbar machen muss, und brachte die Davidoff No. 1, die Davidoff No. 2 und die Ambassadrice mit weißer Bauchbinde auf den Markt. Um perfekte Zigarren dieser Art zu kreieren, müssen Hunderte Einzelfaktoren optimiert werden. Von der Pflanzung bis zur Auslieferung vergehen in etwa fünf Jahre!

Lagerräume wie Schweizer Banken
Ähnlich wie beim Wein wird für die Tabakpflanzen die beste Lage gesucht, werden geeignete Sorten und Klone ausgewählt und der ideale Zeitpunkt für die Ernte genau geprüft. Die Blätter werden in mehreren Lesedurchgängen geerntet, von unten nach oben, wobei die obersten geschmacksintensiver geraten. ­Eigentlich kann man die Produktion von Zigarren mit der von Champagner vergleichen, denn

Davidoff-CEO Hans-Kristian Hoejsgaard
Davidoff-CEO Hans-Kristian Hoejsgaard

beiden Prozessen liegt eine zweifache Fermentation zugrunde. Zuerst werden die Blätter getrocknet, danach fermentiert, später wird der Strunk entfernt, und es wird ein zweiter Gärprozess in Gang gesetzt. Dazu kommen bestimmte Reifephasen, die einge­halten werden müssen. Das hat zur Folge, dass gewaltige Summen in der Lagerhaltung gebunden sind: Bei Davidoff schlummern 43 Millionen Dollar in Form von Rohtabak. CEO Hans-Kristian Hoejsgaard vergleicht seine Lagerräume in der Dominikanischen Republik gerne mit einer Schweizer Bank. Seit einem Jahr zieht der Däne die Fäden im weltweit größten Zigarrenkonzern. Der Top-Manager stammt aus einer Tabakfamilie, die über Generationen ein Fachgeschäft betrieben hat. So kam Hoejsgaard schon früh mit der Marke Davidoff in Kontakt. Im Gespräch mit Falstaff erzählt er, dass er sich noch gut an seine erste Zigarre erinnern kann, die er mit 16 geraucht hat, es war allerdings ein eher rustikales dänisches Produkt. Mittlerweile kann Hoejsgaard auf jahrelange Erfahrung als CEO für Luxusmarken zurückblicken, zu seinen früheren Arbeitgebern zählen Timex, Georg Jensen, Lancaster, Louis Vuitton und Seagram.

»Rauchen Sie weniger! Aber besser und länger!«
Hoejsgaard erklärt, dass nach der Reifung dem Blending besondere Bedeutung zukommt. Verschiedene Tabakblätter und -sorten mit unterschiedlichen Eigenschaften werden so kombiniert, dass ein harmonisches Gesamtkunstwerk entsteht. Es ist ein sinnlicher und künstlerischer Akt, der die Produktion abschließt: das Rollen der Zigarre. Hier sind höchste Perfektion und Erfahrung gefragt, nur die talentiertesten Arbeiter dürfen Davidoff-Zigarren herstellen. So gut wie jedes Land der Welt wird von der Schweiz aus mit Davidoff-Zigarren versorgt. Neben der hohen Kunst der Zigarrenproduktion ist es vor allem das Charisma von Zino Davidoff, das die Marke beseelt hat. »Rauchen Sie weniger! Aber besser und länger! Machen Sie einen Kult, eine Philosophie daraus!« Seine hedonistische Einstellung ist Sinnbild für den Stellenwert der Marke Davidoff, die international für Charme und subtilen Luxus steht. Was aber den Unterschied zwischen einer Davidoff und einer anderen Premiumzigarre ausmacht, versteht man, wenn man die vollständige Produktion in der Dominikanischen Republik begleitet. Von der Auswahl der Sorten über die Auspflanzung, die Reifung und die Produktion wird nichts dem Zufall überlassen. Jeder Arbeitsschritt wird von umfassenden Qualitätskontrollen begleitet. Über all dem wacht Henke Kelner, der Großmeister der Zigarrenproduktion von Davidoff. Er gilt als einer der fundiertesten Zigarrenexperten der Welt und hat sein ganzes Leben der Produktion von Fine Smoke gewidmet. Kein anderer hat so viel Erfahrung beim Komponieren von Premiumzigarren, wie ein Starkoch findet er die besten Zutaten und vermählt
sie im idealen Verhältnis.

Hintergrundinformationen:

Best of Tobacco: Highlights aus der Davidoff-Familie

Von der Bepflanzung bis zur Auslieferung


Text von Bernhard Degen
Aus Falstaff Nr. 04/2012



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