Das schmale Land der besten Weine

© Peter Burgstaller

© Peter Burgstaller

Wussten Sie, dass ein Glas Ruster Ausbruch vor hundert Jahren in den besten Restaurants der Welt genauso viel kostete wie ein Glas Château Yquem – der heute teuerste Süßwein der Welt? Und wussten Sie, dass Rust damals in Sachen Weinqualität der Region Tokaj gleichgestellt wurde, obwohl es gut 400 Kilometer weiter westlich liegt? Das wiederum liegt daran, dass das Burgenland in der Doppelmonarchie zu Ungarn gehörte. Eine bedeutende Weinregion war das Burgenland damals schon. Eine bedeutendere sollte es noch werden. Aber bis dahin vergingen viele Jahre. Das Burgenland gilt in Österreich als die Top-Rotweinregion schlechthin. Diesen Titel haben  sich das Land und seine Weinbaugebiete erst Anfang der Achtzigerjahre des letzten  Jahrhunderts geholt. Und so richtig die Zuschreibung ist, so richtig ist auch, dass das Burgenland einst eine Heimat des Grünen Veltliners war. Was es jetzt, als Nische, wieder wird.

Deswegen führt uns der erste Halt auf der Reise durch dieses lang gezogene Bundesland auch gleich nach Illmitz im Seewinkel, zum Weinlaubenhof von Gerhard Kracher – Österreichs berühmtestem Süßweinwinzer. Kracher ist der im Ausland bekannteste Weinmacher, seine Beeren- und Trockenbeerenauslesen sind Fixstarter in den Weinkarten der besten Restaurants im angelsächsischen und asiatischen Raum. Man darf sagen, dass es die Krachers waren, die den Süßwein aus dem Verstaubten holten und ihm eine neue Moderne gaben. Das auch mit einer durchdachten Preispolitik, die es den Konsumenten möglich macht, einen »echten Kracher« auch für vergleichbar wenig Geld zu trinken.

Gerhard Krachers Vater, der viel zu früh verstorbene Alois Kracher, war es, der nach dem Weinskandal unerbittlich für den Wiederaufstieg aller österreichischen Weine focht. Und das mit einer nicht geringen Dosis Populismus – mit bestimmter Herzlichkeit. Alois Kracher arbeitete als einer der ersten burgenländischen Süßweinwinzer seine Sorten und Parzellen punktgenau aus und cuvéetierte die Weine derart wohlschmeckend, dass Robert Parker nicht umhin kam, den Kreationen des Weinguts schon vor der Jahrtausendwende bis zu 97 Punkte zu geben.

Alois Kracher (l.) verdankt nicht nur das Burgen-, sondern das ganze Weinland Österreich eine Menge. Sein Sohn Gerhard (m.) führt sein Erbe weiter.

Alois Kracher (l.) verdankt nicht nur das Burgen-, sondern das ganze Weinland Österreich eine Menge. Sein Sohn Gerhard (m.) führt sein Erbe weiter.

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Metamorphose am See

Wer sich noch an den verschlafenen und auch rückständigen Seewinkel von vor vierzig Jahren erinnert, der vor dem Fall des Eisernen Vorhangs von der pulsierenden Welt abgeschnitten im weit östlichen Nirgendwo Westeuropas lag, der weiß, welche Metamorphose dieses Flachland am Neusiedler See durchmachte. Zu aller Vorteil. Das Burgenland ist natürlich nicht als eine einzige, übergangslose Weingegend zu betrachten – obwohl es im Volksmund immer noch als solche beschrieben wird. Dass man das Burgenland nun vermehrt auch als Land einzelner Regionen wahrnimmt, verdankt es seiner südlichen Region Eisenberg. Die einstige Gegend billiger Schankweine mutierte als letzte Kulturlandschaft zur Qualitätsweinregion. Das aber mit einem Tempo, einer Avantgarde und einer Bestimmtheit, die ihresgleichen sucht. Das Bemerktwerden verdankt der Eisenberg vor allem Hermann, Erich und Reinhold Krutzler, die schon 1992 mit ihrer Kreation Perwolff (Blaufränkisch) Maßstäbe setzten.

Nach den Krutzlers kam am Eisenberg lange nichts. Doch dann, vor zwanzig Jahren, explodierte förmlich die Kreativität der Winzer dieser Region, die heute, in dieser Dichte und auf so kleinem Raum, die wohl größte Anzahl an Spitzenwinzern neben der Wachau  vorweisen kann. Und schön ist es auch hier. Sehr schön sogar. Der Weinbau des Burgenlands beginnt im Norden, dort, wo die niederösterreichische Weinregion Carnuntum, die auch vom  pannonischen Klima profitiert, aufhört. Hier, gleich hinter und zwischen den Ortschaften Mönchhof, Weiden und Gols, nahm die Legende vom burgenländischen Rotwein ihren Anfang. Hier kelterten (und keltern) beispielsweise Josef Pöckl, Gernot Heinrich oder John Nittnaus Rotweincuvées wie Rêve de Jeunesse, Salzberg oder Comondor: Weine, die vor dreißig Jahren einen völlig neuen Stil österreichischer Rotweine einläuteten; Weine, die heute ihr enormes Reifepotenzial unter Beweis stellen. All diese Weine sind aber auch Kinder der schweren Wiedergeburt nach dem nationalen Weinskandal 1985, der den österreichischen Weinbau beinahe unter sich begrub. In keiner anderen Region warf man das Alte derart auf den Müllberg der Geschichte. Und dachte alles radikal neu.

Dem legendären Hans Igler verdankt das Burgenland auch seinen Rotwein-Boom.

Dem legendären Hans Igler verdankt das Burgenland auch seinen Rotwein-Boom.

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Dieses radikale Neudenken, das Entwerfen neuer Rotweine, ging nicht kritiklos vonstatten: Traditionalisten, die den Blaufränkischen der legendären Oggauer Winzerin Mechthild Wimmer nachhingen, sahen in den damals oft noch zu hundert Prozent in neuen Barriques ausgebauten Rotweinen eine fantasielose Imitation französischer und amerikanischer Vorbilder. Das mag einen wahren Kern gehabt haben, doch die burgenländischen Winzer verfeinerten ihre Kreationen rasch, setzten binnen weniger Jahre mehr auf Eleganz als auf plumpe Kraft und zogen gebrauchte Fässer mit geringem Toasting neuen Fässern vor. Es muss auch gesagt werden, dass die »Rotweinbomben« der ersten Jahre heute, gereift, beweisen, dass diese Versuche keine Versuche ins Blaue waren, sondern bereits das neue Können anzeigten. Leider gibt es von diesen Flaschen alter Jahrgänge nicht mehr viele in den Kellern: Man hat nicht geahnt, dass diese Weine zu einer nationalen Weingeschichte gehören, die man über Jahrzehnte nachkosten will.

Heimat der großen Roten

Westlich des Neusiedler Sees erstrecken sich die Weinhänge des Leithagebirges, und in der Höhe von Eisenstadt biegt man, den See entlang und den Goldberg rechterhand passierend, nach Rust ab, wo wieder hervorragende Süßweine gekeltert werden. Etwa vom Weingut Feiler-Artinger, das eines der wenigen Weingüter ist, das seine Schwerpunkte auf alle Arten von Weinen legt. Aus Rust kommt auch der allererste legendäre burgenländische Rotwein, der Blaufränkisch Ried Marienthal von Ernst Triebaumer, ein Wein, der zu Beginn der Neunzigerjahre bei Blindverkostungen so manchen Spitzenbordeaux auf die Plätze verwies und das internationale Fachpublikum verblüffte. Kann denn so ein großer Rotwein aus dem Burgenland kommen? Ja, er kann.

Zurück in Richtung Eisenstadt, in Großhöflein, keltert Andreas Kollwentz neben seiner legendären Rotweincuvée Steinzeiler auch die besten der internationalen Weißweine des Burgenlands. Die Chardonnays Tatschler und Gloria, ausgebaut in neuen und gebrauchten Barriques, sind eine Weißwein-Klasse, die sich hinter keinen Mersaults verstecken muss. Und Kollwentz gibt uns auch den mit Abstand besten Sauvignon des Burgenlands mit auf den Weg, den Sauvignon-Blanc Steinmühle »Methusalemreben«, der einen vergleichbaren Sauvignon weder in Frankreich noch in der Neuen Welt findet – eine sicher singuläre Kreation.

Engelbert Gesellmann legte in den Achtzigern mit der Auspflanzung internationaler Sorten und deren Ausbau in französischen Barriques einen Meilenstein.

Engelbert Gesellmann legte in den Achtzigern mit der Auspflanzung internationaler Sorten und deren Ausbau in französischen Barriques einen Meilenstein.

© Luzia Strohmayer

Nach dem Knick, den die in Ungarn liegende Stadt Sopron in die Landschaft macht, beginnt, sich in den westungarischen Raum stark ausdehnend, das Weinbaugebiet Mittelburgenland. Hier startete, knapp nach Gols & Co, die zweite Rakete des burgenländischen Rotweinbooms. Etwa mit der berühmten Cuvée Vulcano vom Weingut Hans Igler aus Deutschkreutz, in der man, unbestätigt, zuallererst im Burgenland die nationalen Sorten Blaufränkisch und Zweigelt mit den internationalen Sorten Merlot und Cabernet Sauvignon verschnitt. Ganz dem Blaufränkischen sieht sich Paul Kerschbaum aus Horitschon verpflichtet, der mit seinem Sohn Michael in den Hängen und im Keller steht. Und wenn unsere Reise durch die Weinregionen des Burgenlands im Mittelburgenland zu Ende geht, dann sehr gerne im Keller von Albert Gesellmann, der seit Jahren für die legendären Rotweine »Bela Rex« und »Opus Eximium« verantwortlich zeichnet. Wenn wir Glück haben, liegt hier noch so manche Flasche herum, die zwanzig und mehr Jahre alt ist. Ob Herr Gesellmann die rausrückt, hängt von seiner Laune ab. Und von unserem Benehmen.


Burgenlands Weinregionen

Neusiedlersee
Das Weinbaugebiet reicht von den Hügeln der großen Weinstadt Gols über den flachen Heideboden bis hinunter in den Seewinkel. Auf 6675 Hektar reift hier an den Ufern des flachen Steppensees eine große Sortenvielfalt heran. Seit März 2012 steht Neusiedlersee DAC für vom Klima und Boden geprägte fruchtige und harmonische Rotweine der Sorte Zweigelt.

Leithaberg
Kaum ein anderes Weinbaugebiet erlaubt eine solche Vielfalt an Weintypen wie die 3097 Hektar am Leithaberg am Westufer des Neusiedler Sees. DAC-Weine können sowohl rot als auch weiß sein. Ein Leithaberg DAC Weiß kann aus Grünem Veltliner, Weißburgunder/Pinot Blanc, Chardonnay oder Neuburger gekeltert werden. Ein Leithaberg DAC Rot wird aus der Sorte Blaufränkisch gewonnen.

Rosalia
Am Osthang des Rosaliengebirges, das sich entlang der niederösterreichisch-burgenländischen Grenze erstreckt, liegt das rund 300 Hektar kleine Weinbaugebiet Rosalia. Es ist das jüngste des Burgenlands und bietet perfekte Voraussetzungen für den Anbau von Blaufränkisch und Zweigelt, den beiden prominentesten Rebsorten des Gebiets.

Mittelburgenland
Eine Rotweinsorte spielt auf den 2104 Hektar Rebfläche des Mittelburgenlands die Hauptrolle: der Blaufränkisch, der in Form von DAC-Weinen seine Herkunft idealtypisch repräsentiert. Vier Gemeinden geben den Ton an: Deutschkreutz, Horitschon, Lutzmannsburg und Neckenmarkt.
Zwei moderne Genossenschaften beweisen, dass Betriebsgröße sehr wohl mit höchster Qualität konform gehen kann.

Eisenberg
Die ursprünglichste Weinlandschaft des Burgenlands erstreckt sich von Rechnitz bis nahe Güssing (ca. 515 Hektar). Die authentischen Rotweine, speziell vom Blaufränkisch, sind von einer besonders mineralischen Würze geprägt. Elegante, pikante Weißweine setzen Akzente, ebenso die urtümliche Spezialität des Uhudlers.


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