Daniel Spoerri über Kuttelwurst und Schoko-Bienen

Daniel Spoerri

© Ivo Saglietti

Daniel Spoerri

Daniel Spoerri

© Ivo Saglietti

FALSTAFF: Sie haben als Kind im rumänischen Galati gelebt, bevor Sie in die Schweiz kamen, waren lange in Frankreich und Deutschland, haben einen Skulpturenpark in der Toskana und leben seit über zehn Jahren in Wien. Verbinden Sie Ihre zentralen Lebensorte mit bestimmten Speisen?
Daniel Spoerri: Es gibt ein paar Spezialitäten, die mich interessieren. Zum Beispiel die französische Andouille, eine Kuttel- und Innereienwurst, die man kalt in Scheiben geschnitten isst wie Salami. Die kleineren Andouillettes werden gebraten, meist mit etwas Sahne. Die habe ich sehr gern, und immer wenn ich in Paris bin, suche ich ein Lokal, wo ich sie essen kann. Leider gibt es sie immer seltener. 

Eine Frage an den Begründer der »Eat Art«: Wo steht denn die Ess-Kunst heute?
In den 1970er-Jahren war die »Eat Art« fast schon eine Opposition zu den vielen nackten Körpern, die es in der Kunst zu sehen gab. Damals war ich einer der Ersten, heute gibt es viele, die Essen und Schmecken in ihre Kunst miteinbeziehen. Ich war anfangs eher überrascht, dass meine Bankette als Performances aufgefasst wurden. Ich 
hatte sie nur als Festlichkeiten unter einem bestimmten Aspekt gedacht – im Dunklen essen, von hinten nach vorne essen etc. Ich wollte Essen auf eine andere Ebene bringen, um es neu zu erleben und neue Geschmackserlebnisse 
zu haben.

Sie sind ein leidenschaftlicher Sammler, auch von Kochbüchern. Was ist es, was Sie so am Kochen und Essen fesselt?
Die philosophisch-kulturhistorischen Aspekte. Kochbücher, die keine klassischen Rezeptsammlungen sind wie Carl Friedrich von Rumohrs »Geist der Kochkunst«. Das ist ein tolles Buch, das zwar immer wieder aufgelegt wird, aber längst nicht so erfolgreich ist, wie 
es sein sollte.

Ihre berühmten »Fallenbilder«, die »tableaux pièges«, die zu den Klassikern der Kunstgeschichte zählen, sind dreidimensionale Stillleben, die die Überreste von beendeten Mahlzeiten festhalten. Welche Momente werden da in die Falle gelockt?
Es geht just darum, dass es keine beendeten Mahlzeiten sind, sondern x-beliebige Momente während des Essens. Durchs Einfangen wird es einem bewusster. Wie ein Schnappschuss. L’art de manger, die Kunst des Essens, sagt man in Frankreich. Das heißt, man macht sie sich bewusst und hebt sie heraus.

Sie waren Restaurantbesitzer, haben große Bankette initiiert, zu Ihren beiden Ausstellungshäusern im ­niederösterreichischen Hadersdorf gehört auch 
ein Esslokal.
Das Esslokal in Hadersdorf gibt es, aber es ist ausge­lagert. Das »Restaurant Spoerri« in Düsseldorf hingegen war mein Konzept-Lokal. Vor 30 Jahren gab es in Deutschland noch keine Dinge wie Polenta. Bei uns stand das auf der Tageskarte. Es gab auch eine Karte mit besonders gutem Fleisch, von einem Fleischer, der zugleich Sammler war und uns immer die besten Stücke gegeben hat. Außerdem gab es Spezialitäten: buchstäblich alles, was man essen kann, zum Beispiel geröstete Bienen in Schokolade.

Welche Art von Lokal sagt Ihnen als Gast zu?
Auch Drei-Sterne-Köche wollen nicht immer Drei-Sterne-Küche essen. Man hat nicht immer Lust, dem Essen die ganze Aufmerksamkeit zu widmen. Manchmal will man einfach ein Gespräch führen und en passant essen. Ich ernähre mich gerne normal gut und gehe gern in Lokale, wo man einfach gut essen kann.


Daniel Spoerri

1930 in Galati/ Rumänien geboren, wuchs in der Schweiz auf. Seine künstlerische Karriere begann er in den 1950ern als Tänzer in Bern. Als bildender Künstler wurde der Mitbegründer des »Nouveau Réalisme« ab den 1960ern vor allem mit seinen »Tableaux pièges« bekannt. Später machte er sich als Restaurantchef und Begründer der Eat Art einen ­Namen. 1997 begann Spoerri in der Toskana einen großen Skulpturenpark zu inszenieren, der neben eigenen Arbeiten auch Skulpturen befreundeter Künstler beherbergt. Seit 2007 lebt Spoerri, dessen Werk weltweit in allen wesentlichen Museen für moderne Kunst vertreten ist, in Wien und hat in Hadersdorf (NÖ) zwei Ausstellungshäuser. www.spoerri.at


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Falstaff Nr. 04/2019
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