Corona: Test-Experte Daniel Wallerstorfer im Interview

Dr. Daniel Wallerstorfer

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Er ist eine der Schlüsselfiguren im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus: Molekularbiologe und Biotechnologe Dr. Daniel Wallerstorfer ist Geschäftsführer der Novogenia GmbH, also jenem Labor, das die meisten Corona-Tests in Österreich durchführt. Das Unternehmen führt regelmäßige Gratis-Testungen in Hotellerie und Gastronomie durch, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Online können Termine für die regelmäßigen Tests vereinbart werden. Vorgesehen ist ein wöchentliches Intervall, da es bei längeren Abständen zu signifikanten Ausbreitungen kommen kann. Auch Teams der österreichischen Fußball-Bundesliga lassen sich durch Novogenia (auf eigene Kosten) testen, manche davon sogar täglich. Falstaff traf Wallerstorfer zum Gespräch und erfuhr spannende Hintergründe. 

Test-Teams kommen in Betriebe

Falstaff: Die Corona-Pandemie ist die fundamentalste weltweite Krise seit Jahrzehnten. Sie sind mit der Bekämpfung der Auswirkungen beschäftigt, wie sieht eine Arbeitswoche aktuell bei Ihnen aus?
Daniel Wallerstorfer: Meine Arbeitswoche ist sieben Tage lang, ich beginne um 6.30 Uhr und arbeite bis in die Nacht. Das Virus macht auch am Wochenende und an den Feiertagen keine Pause, deshalb ist auch unser Labor jeden Tag besetzt. Wir haben auf Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt, um die Nachfrage bewältigen zu können.

Gastronomie und Hotellerie sind massiv von den Auswirkungen der Coronavirus-Krise betroffen. Mit welchem Angebot unterstützt Ihr Labor die Betriebe?
Wir haben mobile Abnahmeteams ins Leben gerufen, um die Testungen so komfortabel wie möglich direkt im Betrieb zu machen und den Mitarbeitern lange Anfahrtswege und Wartezeiten zu ersparen. Zusammen mit einem Partnerunternehmen haben wir aktuell rund 60 Sanitäter und andere qualifizierte Personen im Einsatz, die Abnahmen machen können. Hotellerie- und Gastronomiebetriebe haben die Möglichkeit, sich bei uns zu melden, um einen Termin für einen Gratis-Test auszumachen. Dann schicken wir unsere geschulten Personen vorbei, die erfassen dann die Daten der Person (jeder hat im Vorfeld einen QR-Code erhalten, der wird geprüft), die Identität wird überprüft, dann wird die professionelle Abnahme gemacht.

Die Probe wird über Nacht-Logistik zu uns ins Labor gebracht, analysiert und das Ergebnis im Regelfall im Laufe des Folgetages zugestellt. Den Befund erhält dann jede Person per SMS, darin ist auch ein Link zu einem passwortgeschützten PDF-Dokument enthalten, damit bekommt man auch den vollständigen medizinischen Befund. Über diesen Weg können wir bereits rund 700 Betriebe wöchentlich unterstützen. Jeder Gastronomie- und Beherbergungsbetrieb hat ein Mal pro Woche Anspruch auf einen kostenlosen Test.

Ein mobiler Corona-Test

Ein mobiler Corona-Test

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Zertifikat für getestete Betriebe

Bestünde auch die Möglichkeit für einzelne Mitarbeiter, sich ­individuell testen zu lassen?
Ja, die können sich bei uns melden und erfahren dann, wo eines unserer Teams unterwegs ist und können dann auch hinkommen und sich mittesten lassen. In einzelnen Städten haben wir zudem fixe Teststationen.

Gibt es für die getesteten Betriebe ein Zertifikat, dass sie am Programm »Sichere Gastfreundschaft« teilgenommen haben?
Ja, das gibt es, wir stellen derartige Zertifikate aus, wo bestätigt wird, dass man sich getestet hat, das kann man als Qualitätsmerkmal aushängen.

Wie sieht aktuell die Nachfrage für Mitarbeiter-­Testungen aus?
Die Nachfrage ist sehr stark wachsend, immer mehr Betriebe nehmen an der Initiative teil. Vor allem, dass das Gratis-Angebot nun auch für die Gastronomie gilt, hat das Interesse noch einmal vergrößert.

Wieviele Tests können Sie pro Tag durchführen?
Im Moment 18.000, wir sind aber dabei hochzuskalieren. Wir waren schon vor der Pandemie Österreichs größtes PCR-Labor, haben aber keine Virus-Gene getestet, so wie wir das jetzt machen, sondern Menschen-Gene. Wir waren schon voll-automatisiert und daher gut für ein derartiges Projekt vorbereitet.

Ein Test ist in wenigen Augenblicken erledigt.

Ein Test ist in wenigen Augenblicken erledigt.

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»Nicht-testen« verursacht den größten Schaden

Einige Hoteliers und Gastronomen erachten Testungen als nicht notwendig oder meiden sie sogar, um etwaige Quarantänemaßnahmen zu vermeiden: Ihr Gegen­argument für Skeptiker?
Meine Erfahrung von gestern: Wie jeden Tag haben wir alle 100 Mitarbeiter an unserem Standort durchgetestet und dabei eine stark ansteckende Person gefunden. Wir haben sie ebenso wie alle engen Kontaktpersonen sofort isoliert und somit konnte der Betrieb reibungslos weitergeführt werden. 

Natürlich ist eine Quarantäne von einzelnen Mitarbeitern bzw. Küchenteams ärgerlich und bedeutet den Verlust von Arbeitskraft. Aber hätten wir nicht getestet, die eine Person hätte das halbe Unternehmen angesteckt und dann wäre der Betrieb lahmgelegt. Der Schaden, der durch »Nicht-Testen« entsteht, ist um ein Vielfaches größer.

Ich habe ein weiteres Beispiel: Wir haben ein Unternehmen getestet, da waren alle Mitarbeiter negativ. Der nächste Test erfolgte erst zwei Wochen später, da waren 34 Prozent der Belegschaft positiv und das Unternehmen musste zugesperrt werden. Nach einer Woche wären es nur drei, vier oder fünf Personen gewesen und nicht am Ende 30.

St. Wolfgang hat gezeigt, dass die Betriebe üblicherweise weitergeführt werden können, wenn die positiven Fälle erkannt und isoliert werden. Da kann alles weiterlaufen, das ganze Tourismusgebiet kann funktionieren und man muss keinen kompletten Shutdown machen. 

76 Prozent der österreichischen Hotelgäste waren einer aktuellen Studie (Relax-Guide) zufolge nicht besorgt, sich mit dem Virus anzustecken. Hat das mit den flächendeckenden Testungen zu tun?
Ich denke schon, dass das ein Erfolg des Programms ist. Wir wissen, dass die Hotels spezifisch gefragt werden, ob die Mitarbeiter getestet werden. Ich denke, das Programm hat für ein Mehr an Vertrauen gesorgt.

In Italien wurde ein Covid-19-Test entwickelt, bei dem das Ergebnis schon nach drei Minuten vorliegen soll. Wie plausibel ­halten Sie entsprechende ­Medienberichte?
Das ist absolut wahr. Solche Tests gibt es, das sind sogenannte Anti-Gen-Tests. Das darf man nicht mit den Antikörper-Tests vergleichen. PCR-Tests, wie wir sie verwenden, sind mit großem Abstand die genauesten. Andere Technologien haben ihre Berechtigung, aber ein Treffer braucht eine große Viruslast, das heißt, dass nur stark ansteckende Personen verlässlich erkannt werden.

Terminvereinbarung für Hoteliers und Gastronomen:

mobiler-covid-test.at

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