Corona-Regeln: Aus für Maskenpflicht in der Gastronomie

Kellner freuen sich über den Wegfall der Maskenpflicht

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Kellner freuen sich über den Wegfall der Maskenpflicht

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Nachdem der Ministerrat am 24. Juni tagte, gaben Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Werner Kogler und die beiden Minister Rudolf Anschober und Elisabeth Köstinger im Rahmen einer Pressekonferenz weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen bekannt. Die bedeuten vor allem ein Aufatmen – im wahrsten Sinne des Wortes – für die Gastronomen, denn mit 1. Juli fällt die Maskenpflicht für das Personal.

Kanzler Kurz kündigte Lockerungen in drei Bereichen an:

  • Gastronomie
  • Sport
  • Veranstaltungen

Arbeitserleichterung und Thekenausschank

Kellner müssen ab dem 1. Juli keinen Mund-Nasen-Schutz mehr tragen und können die Gäste wieder uneingeschränkt bedienen. Die Pflicht fällt zwar, die Empfehlung eine Schutzmaske zu tragen, bleibt allerdings bestehen. »Die Eigenverantwortung steht an oberster Stelle«, so Köstinger. Ab 1. Juli sei auch die Konsumation an der Theke, etwa in kleineren Bars, wieder erlaubt, ergänzt Anschober.

Ende der Sperrstunde

Außerdem kündigte Sebastian kurz an, dass die Sperrstunde in der Gastronomie, die bislang mit 1 Uhr festgesetzt war, fallen sollte. Dies beziehe sich allerdings nur auf geschlossene Veranstaltungen – etwa Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern – bei denen sicher gestellt werden kann, dass es eine Gästeliste gibt und eine Infektionskette gegebenenfalls rasch nachvollzogen werden kann. Ministerin Köstinger ergänzt zu den Öffnungszeiten, dass diese von 6 auf 5 Uhr früh ausgeweitet werden, dies sei beispielsweise für Bäckereien eine weitere Erleichterung.

Wo die Schutzmaske weiterhin getragen werden muss

  • Öffentliche Verkehrsmittel
  • Taxis
  • Flugzeug/Bahn
  • Veranstaltungen indoor ohne zugewiesene Sitzplätze
  • Apotheken
  • Dienstleistungen, bei denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann (zB. Frisöre)
  • Demonstrationen bei denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann

Freiwilliges Tracking

Kanzler Kurz kündigte an, weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Containment – also der Nachverfolgbarkeit von Infektionsketten – an. »Je mehr wir lockern, desto besser müssen die Containment-Maßnahmen sein«, so Kurz. Analog zu den Gästelisten bei Veranstaltungen in Lokalen soll es bei Events mit über 100 Gästen auch ein Tracking auf freiwilliger Basis geben. Aus Gründen des Datenschutztes kann das Führen von Gäste- bzw. Teilnehmerlisten nicht verpflichtend eingeführt werden, das gesamte Podium appellierte aber bei der Pressekonferenz an den Hausverstand und die Eigeninitiative der Veranstalter, Sportstättenbetreiber und Lokalbesitzer sowie an die Gäste. »Wir wollen einen Gesamt-Lockdown mit allen Mitteln verhindern«, so der Gesundheitsminister.

»Die Lockerungen sind ein wichtiger Schritt hin zu mehr Normalität.«
Elisabeth Köstinger

»Die Freiheit, die wir ermöglichen, braucht auch Verantwortung.«
Werner Kogler

»Bitte werfen Sie die Masken nicht weg, wir werden sie noch brauchen.«
Sebastian Kurz

Historie: Lockerungen ab 15. Juni

Bei einer Pressekonferenz am 29. Mai gab die Bundesregierung aufgrund der positiven Entwicklung der Corona-Zahlen weitere Lockerungen der unliebsam gewordenen Maßnahmen bekannt. Gastronomen hatten berichtet, dass die wirtschaftliche Lage auch dem Restart am 15. Mai dramatisch geblieben ist. Viel zu viele potentielle Gäste sind noch im Home-Office oder zu verunsichert, um eine entspannte Zeit in einem Restaurant zu verbringen. Viele meinen, dass die Maskenpflicht eines der Hauptprobleme sei. Vor allem Barkeeper hatten unter der verfrühten Sperrstunde um 23 Uhr gelitten. Worldclass Österreich Gewinner Damir Bušić hatte beklagt, dass das mitten in der Primetime sei. Vieles verbessert sich nun mit 15. Juni:

Chronologie der Lockerungen der Corona-Maßnahmen

Bundeskanzler Sebastian Kurz eröffnet edie Pressekonferenz: »Wir können Schritt für Schritt die Maske weiter ablegen«. Weiter braucht man die Masken in Öffis, im Gesundheitsbereich (etwa Apotheken) und bei Dienstleistungen, wo der Ein-Meter-Abstand nicht eingehalten werden kann (z.B. Friseure).

Masken müssen ab 15. Juni nicht mehr verpflichtend in Schulen, Handel, Tourismus und Gastronomie getragen werden. (Das Personal in der Gastronomie muss allerdings weiterhin den Mund-Nasen-Schutz tragen).

Ab 15. Juni soll die Sperrstunde von 23 auf ein Uhr verlängert werden und die Vier-Personen-Regel fallen.

Das Virus ist nicht ausgelöscht. Genau so schnell wie Infektionszahlen sinken können, können sie auch wieder ansteigen. Es wird weniger Regeln, allerdings mehr Eigenverantwortung geben. Die Grundregeln gelten nach wie vor: »Überall wo es möglich ist, halten wir einen Meter Abstand, wir verzichten auf Händeschütteln und andere Begrüßungsrituale. Masken-Tragen geht in Eigenverantwortung über.«

Lockerungen ab 15. Juni 2020 im Überblick:

  • Mund-Nasen-Schutz verpflichtend in den öffentlichen Verkehrsmitteln, in Einrichtungen zu medizinischen Versorgung, etwa Apotheken und überall dort, wo der vorgeschriebene Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, beispielsweise bei Frisören.
  • Die bislang vorgeschriebene Sperrstunde mit 23 Uhr fällt und wird auf 1 Uhr festgelegt.
  • Die Vier-Personen-Regel für die Gastronomie fällt, zwischen verschiedenen Gästegruppen muss der Sicherheitsabstand von einem Meter weiterhin eingehalten werden.

14:12 Uhr: Vizekanzler Werner Kogler: »Wir können stolz darauf sein, dass sehr sehr viel gelungen ist. Die Eigenverantwortung wird immer wichtiger. Mit dieser wiedergewonnen Freiheit, mit dem Ablegen des Mund- und Nasenschutzes, können wir uns mehr um Wirtschaft- und Beschäfgitung kümmern. Mund- und Nasenschutz runter und Ärmeln rauf!«

14:15 Uhr: Gesundheitsminister Rudolf Anschober weist auf die vielen Erkrankten und Todesfälle international hin und zeichnet Österreichs Weg durch die Corona-Krise nach. »Man muss sagen, es waren frühzeitig sehr harte Maßnahmen«, so Anschober. Diese seien nötig gewesen, um zu kontollierbaren Zuwachsraten zu kommen. »Wir haben diese Phase 1 sehr gut bewältigt.« Das entscheidende sei der frühe Zeitpunkt gewesen, das bestätigt auch die jüngste Modellierung der TU Wien. »Die Bevölkerung hat fantastisch migemacht«, so Anschober. Deshalb sei die phasenweise Aufhebung der Maßnahmen möglich geworden. Bis zum heutigen Tag können die Experten »keinerlei negative Auswirkung dieser Öffnungsschritte verzeichnen«. Anschober zieht eine positive Zwischenbilanz, die Zahl der Erkrankten gehe Schritt für Schritt nach unten, im Vergleich zur Vorwoche ist die Infektionsrate um 20 Prozent gesunken.
»Wir haben gemeinsam sehr vieles sehr richtig gemacht und sind auf einem guten Weg«, sagt Anschober, relativiert aber auch: »Es ist noch nichts gewonnen.« Denn: »Das Virus ist nicht auf Urlaub.«

14.26: Innenminister Karl Nehammer bedankt sich bei der Bevölkerung, bei Polizisten und Soldaten. Die Polizei soll aber weiterhin aktiv unterstützen. Infektionsketten sollen mit Unterstützung der Polizei unterbrochen werden. Illegale Autorennen haben Polizei massiv gefordert, jetzt ist aber wieder mehr Verkehrsaufkommen, wo man durch hohe Kontrolldichte Unfälle vermeiden will. Auch Polizisten müssen nur noch unter bestimmten Bedingungen Mund-Nasen-Schutz tragen. Appell an Bürger, weiterhin den Ein-Meter-Abstand einzuhalten und weiter vorsichtig zu sein. Die Handhygiene bleibt ebenso weiterhin lebensnotwendig und konsequentes Tragen des Mund-Nasen-Schutzes kann dazu beitragen, dass wir wieder normal leben können.

14:40 Uhr: Bezüglich Nachtgastronomie werden laut Kurz in den nächsten Wochen intensive Gespräche mit Branchen stattfinden, die von der Krise intensiver und länger betroffen sind bzw. sein werden. Dies inkludiere etwa die Nachtgastronomie wie Bars und Clubs aber auch Veranstalter, Kulturschaffende sowie den Kongess- und Städtetourismus. Gemeinsam sollen Lösungen erarbeier werden. »Das Gute ist, dass die Branche Nachtgastronomie sehr kreativ ist«, ergänzt der Gesundheitsminister. Ansschober betont außerdem, dass die Nachtgastronomie eine sehr vielfältige Branche sei, für kleinere Bars etwa seien »frühere Lösungskonzepte« denkbar. »Es ist nicht unser Anliegen, dass die Nachtgastonomie ausgehungert wird«, sagt Werner Kogler, der Sonderpakete für die betroffenen Betriebe ankündigt.

Fünf Zitate von Bundeskanzler Sebastian Kurz aus der Pressekonferenz von 29. Mai 2020

  1. »Jeder muss die Eigenverantwortung annehmen.«
  2. »Der Hausverstand wird immer wichtiger.«
  3. »Wir nähern uns der Normalität und das gilt in allen Bereichen.«
  4. »Die Maske bringt dort was, wo man mit vielen Menschen was zu tun hat.«
  5. »Vielleicht werden die Regeln wieder einmal strenger werden müssen, als sie jetzt sind.«

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