Corona: Öffnungsgipfel liefert überzeugende Argumente

Restaurants, Kulturbetriebe und Hotels wie das »Sacher« in Wien wollen wieder aufsperren.

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Hotel Sacher Wien

Restaurants, Kulturbetriebe und Hotels wie das »Sacher« in Wien wollen wieder aufsperren.

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Die Wirtschaftskammer Österreich hat einen Öffnungsgipfel organisiert, der den schon lange geschlossenen Branchen eine Stimme gibt. Gastgeber ist Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer, der im Eröffnungsstatement aufzeigt, dass sicheres Wirtschaften in Österreich möglich ist: »Neue Werkzeuge, neue Sicherheitsmaßnahmen ermöglichen weitere Öffnungsschritte. Wir wollen aufzeigen, was geht und wie erfolgreich unsere Strategie der Eintrittstests ist. Mit all diesen Instrumenten ist ein sicheres Öffnen möglich!«

Mit einer Testkapazität von derzeit 2,7 Millionen Corona-Tests pro Woche ist Österreich laut Mahrer Testweltmeister und Vorzeigeland. »Mehr Tests bedeuten mehr Sicherheit. Klar ist, dass man so mehr Infizierte findet und herausfiltert. Wir schaffen gleichzeitig mehr Sicherheit und wirtschaftliche Freiheit. Das nützt uns allen.«, so Mahrer.

Im Schlusswort erwähnte Mahrer noch die enormen psychosozialen Belastungen für Mitarbeiter der betroffenen Branchen und relativierte die aktuell hohen Fallzahlen: »Es ist nicht mehr so, dass wir mit einer Kerze in einen dunklen Raum leuchten, wir haben den Scheinwerfer aufgedreht!« Der WKO-Präsident schlägt einen Stufenplan wie im Mai/Juni 2020 vor, mit den gelernten Abstandsregeln und einer früheren Sperrstunde.

Österreich habe jetzt die Chance, als international respektiertes Tourismusland global höchste Standards zu setzen. Durch das Testen und Impfen könne man Freiheit und Sicherheit gewinnen. Laut einer von der WKO beauftragen Umfrage wären dem renommierten Market-Institut zufolge 81 Prozent der Österreicher bereit, sich für einen Gastro-Besuch testen zu lassen. 

Die Panels des Öffnungsgipfels der WKÖ im Überblick

  • Hotellerie
  • Gastronomie
  • Reisebüros/Reisen
  • Kino- und Vergnügungsbetriebe
  • Kunst und Kultur
  • Freizeit- und Sportbetriebe
  • Veranstalter

Sicherheitskonzepte sind vorhanden

Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele schließt an. Gemeinsames Auftreten sei besonders wichtig:  Der Handel braucht es, dass auch die Gastronomie öffnen kann. Der Tourismus braucht die Gäste, die wegen der Angebote von Kunst- und Kulturbetrieben ins Land kommen. »Dass kontrolliertes Öffnen funktionieren kann, haben wir mit den Festspielen im vergangenen Sommer bewiesen: Wir haben 80.000 Menschen willkommen geheißen ohne einen einzigen positiven Fall. Wir haben behördlich genehmigte Sicherheitskonzepte in den Schubladen. Wir alle sind bereit die Testungen zu kontrollieren und FFP2-Masken zu tragen. Es gibt überhaupt keinen Grund, dass wir zu haben. Wenn ich ohnehin eine Eintrittskarte kontrolliere, dann kann ich auch den negativen Corona-Test kontrollieren«, so Rabl-Stadler in ihrem Eröffnungsstatement.

Matthias Winkler, Chef der Sacher-Hotels, lobt die verantwortungsvolle Arbeit in Österreich: »Wir haben den letzten Sommer sehr gut über die Bühne gebracht. Als Mitglied von ›Leading Hotels of the World› habe ich vor kurzem mit Miami telefoniert, die haben geöffnet und testen gar nicht, nicht einmal die Mitarbeiter. Wir hingegen testen und dürfen nicht öffnen. Wir wollen, wir werden, wir müssen aufsperren

Appelle von der Gastronomie

Falstaff Herausgeber Wolfgang Rosam plädiert ebenfalls für eine baldige Öffnung der Gastronomie: »Die Menschen wollen nicht mehr! Es macht keinen Sinn, einen Lockdown zu machen, wenn sich keiner daran hält! Mit geschlossener Gastronomie fördern wir illegale Treffen. Wir sind Testweltmeister, mit Öffnung der Gastronomie werden die Menschen zu noch mehr Tests motiviert. Bitte sperrt’s auf!«

Wirtin Barbara Prilisauer berichtet von großer Bereitschaft ihrer Gäste aber auch ihrer Mitarbeiter, die Maßnahmen mitzutragen und sich vorweg zu testen. Mario Pulker, Obmann des Fachverbandes Gastronomie und selbst Gastronom unterstreicht, dass die AGES bestätigte, dass sich in der Gastronomie nur zwei bis vier Prozent infizieren, während es im privaten Bereich 50 Prozent sind. Alle Podiums-Teilnehmer sprechen sich für möglichst baldige Öffnungsschritte aus. Jeder Tag sei entscheidend, der 15. März wird als Wunschdatum genannt. Bis dahin wolle man mit Hochdruck an der Optimierung der Präventionskonzepte arbeiten. »Wir brauchen eine Perspektive«, betont Pulker und Wolfgang Rosam ergänzt: »Wichtig ist es, dass eine Öffnung noch vor Ostern passiert.«

»Wir sind bestens gerüstet, die Konzepte liegen auf dem Tisch«, spricht sich auch Robert Seeber, Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, für ein zeitnahes Öffnen von Gastronomie und Hotellerie aus. »Wir wollen unserer Rolle als Gastgeber gerecht werden.«

Reisen muss sicher ermöglicht werden

»Ohne Reisefreiheit kann die Reisebranche nicht existieren«, so Fachverbandsobmann Gregor Kadanka, der von einem Minus in der Höhe von 95 Prozent spricht. Obwohl Reisebüros immer geöffnet hatten, würden keine Reisen gebucht werden. Sein Appell: Reisen müssen wieder sicher ermöglicht werden, das betreffe auch Grenzübertritte und Quarantäneregelungen. Man müsse für die Branche und für die Gäste eine Perspektive für den Sommer und den Herbst schaffen.

Helga Freund, Vorstandsmitglied der Verkehrsbüro Group, stellt in diesem Zusammenhang die Drei-S-Regel vor, die in den Reisebüros des Unternehmens eingeführt wurde:

  • Sicherheit: Reisen muss sicher möglich gemacht werden. Hier werden Pauschalreisen profitieren.
  • Service: Beratung ist gefragter denn je, hier können Reisebüros mit individuellen Angeboten punkten.
  • Storno: Eine kostenlose Stornierung muss ermöglicht werden, damit auf kurzfristige Pandemie-Entwicklungen reagiert werden kann und das nicht zum Nachteil der Kunden.

Sowohl für Outgoing-, als auch für Incoming-Touristen muss es Strategien geben, sind sich die Experten einig. »Mit den aktuellen Reisewarnstufen können wir keine Reisen verkaufen, hier muss differenziert werden und es braucht Konzepte«, so Markus Martinek, GF SATO Tours. Er streicht auch hervor, dass es Perspektiven für bereits geimpfte Personen geben muss und fordert einen internationalen Impfpass.

schaffenwir.wko.at

Wolfgang Rosam warnt vor Zuständen wie bei Prohibition

Falstaff Herausgeber Wolfgang Rosam sprach sich bereits im Vorfeld in einem Interview mit oe24.tv ebenfalls für eine kontrollierte Öffnung aus. Er berichtete von geheimen Treffen in der Gastronomie, die an die Prohibition erinnern. »Da passt man ja erst recht nicht auf! Diese Illegalität würde noch stärker werden, wenn jetzt nicht aufgesperrt wird.« Zudem plädiert Rosam, dass man nicht immer auf die Zahl der Neuinfektionen schauen soll, wichtiger ist jetzt die Zahl der Hospitalisierungen. Gleichzeitig schränkt er ein: »Wir wissen aber auch, dass es sehr schnell gehen kann. Diese Krise, dieses Virus ist nicht berechenbar!«

Der Medienmacher führt weiter aus, dass die Situation heute eine völlig andere als im ersten Lockdown ist. Mit bereits erkrankten bzw. geimpften Personen haben wir 800.000 bis 900.000 Menschen, die immun sind. »Auch wenn es schon einen Shitstorm auf Social Media gab, ich bin für einen Pass wie in Israel.« Außerdem zeigt sich Rosam überzeugt, dass die Gefahr, sich in der Gastronomie anzustecken, viel geringer als anderswo ist. Die Gastronomie könne sogar eine Motivation sein, dass noch mehr getestet wird, wobei Österreich ohnehin schon Testweltmeister ist.

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