Als Louise Pommery um 1870 die neogotischen Gebäude des Champagnerhauses errichten ließ, lag das Areal mitsamt des angrenzenden Weinbergs Clos Pompadour noch draußen vor den Toren der Stadt. Die weitblickende Geschäftsfrau ahnte jedoch schon, dass Reims wachsen würde: So ließ sie sich von der Stadtverwaltung garantieren, dass die Aussicht vom Firmenglände auf die Kathedrale unverbaut bleiben werde. Nahezu 150 Jahre später hat die Stadt das Areal der Kellerei und die Reben vollends umschlossen. Der Blick zum Wahrzeichen der Stadt jedoch ist nach wie vor frei – und auch die 25 Hektar des Clos Pompadour (oder eigentlich: der Clos Pompadour, denn es handelt sich um drei benachbarte Parzellen) blieben vor Überbauung verschont.

Wie eine Insel
Dass dieser Weinberg seine Widerstandskraft gegen den Landhunger der Stadt nicht nur dem Lokalpatriotismus der Bewohner von Reims oder dem Stolz des Hauses Pommery verdankt, wird bei einem Blick auf die geologische Karte der Gegend deutlich: Zwar trifft man überall in der Region die für die Champagne typische weiße Kreide an. Doch für den Weinbau kommt es bekanntlich auf die feinen Unterschiede an: Und da hebt sich die Fläche des Clos Pompadour in der geologischen Karte wie eine Insel aus ihrer Umgebung ab: Die Kreide im Boden stammt hier nicht aus den erdgeschichtlichen Epochen des unteren und mittleren Campaniums, sondern aus dem oberen Campanium – hier ist die Kreide mit besonders vielen lehmigen Knötchen durchdrungen. Dadurch ähnelt der Boden demjenigen der Côtes des blancs, der berühmten Chardonnay-Hochburg der Champagne.

Blick in die Schatzkammer mit den ältesten Weinen. / Foto: beigestellt

Dies erklärt wohl auch, warum der Clos Pompadour zu 75 Prozent mit Chardonnay bestockt ist. 20 Prozent Pinot noir und 5 Prozent Pinot Meunier ergänzen den Sortenmix im Weinberg – und ebenso in der Cuvée. Zu einem Cru-Champagner wird der Ertrag des Clos Pompadour indes erst seit 2002 ausgearbeitet, 3000 Magnum-Flaschen erzeugt Pommery-Chef-de-Cave Thierry Gasco jedes Jahr. Die Vergärung und der Ausbau des Grundweins erfolgt ausschließlich im Edelstahl – kein Holz, das ist Prinzip im Hause Pommery. Nach der Flaschengärung bleibt der Champagner neun Jahre auf der Hefe – erst dann wird er degorgiert und auf die Geschmacksrichtung »brut« dosiert.
Viel Biss
Momentan ist neben dem Erstlingsjahrgang 2002 auch schon der 2003er auf dem Markt. Ein reizvoller Jahrgangsvergleich: Der wärmere Jahrgang 2003 teilt sich durch ein besonders cremiges Mousseux mit, aus dem klassischen Jahr 2002 wirkt der Clos Pompadour noch erstaunlich verschlossen. Aus diesen beiden so unterschiedlichen Jahrgängen einen Lagentyp zu extrapolieren, erscheint gewagt. Zusammen mit der Verkostung des bereits assemblierten, aber noch nicht der Flaschengärung unterzogenen 2013er Jungweins deutet sich das Bild eines vergleichsweise schlanken Typus mit viel Biss an.
Pommery-chef-de-cave Thierry Gasco vor dem Bildnis von Louise Pommery / Foto: beigestellt

Thierry Gasco, gebürtig aus Reims und seit Anfang der Neunzigerjahre verantwortlicher Önologe bei Pommery, kennt den Clos Pompadour natürlich wie seine Westentasche – und beschreibt den Lagen-Charakter der Weine als »ziemlich geradeaus«. Fast schüchtern blickt er drein, als er den 2013er Vin clair ins Glas schenkt. Immerhin das Resultat einer rund 20-jährigen professionellen Beschäftigung mit dem Potenzial der Lage. Aber es gehört zu den Spielregeln seines Berufs, dass der Erfolg dieser Arbeit erst nach vielen Jahren offensichtlich wird: Schließlich liegen derzeit noch neun Jahrgänge Clos Pompadour irgendwo in den 18 Kilometer langen unterirdischen Kreidekellern. Louise Pommery jedenfalls, dessen kann man gewiss sein, würde angesichts dieser kommenden Genüsse frohlocken.

von Ulrich Sautter
Der wärmere Jahrgang 2003 teilt sich durch ein besonders cremiges Mousseux mit / Foto: beigestellt

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