Moskau by Night
Moskau by Night / Foto: Jo Lüders

Neben exquisiten Spirituosen gehört sie ganz selbstverständlich zum luxuriösen Lifestyle. Das Beste ist hier gerade gut genug – und geraucht werden darf noch überall. 

Der älteste Cigar Salon der russischen Hauptstadt versteckt sich diskret hinter einem monumentalen Repräsentationsbau aus der Sowjet-Ära. Er ist noch recht jung, genauso wie die charmante Moskowiterin, die dort im Gubernatorsky das Sagen hat. Das kleine Paradies liegt hinter der Tverskaya-Straße, einer Hauptverkehrsader Moskaus, die mit ihren historisch imposanten Fassaden genauso von Luxus verliebten Aristokraten wie revolutionär-nüchternen Gorki-Zeiten erzählt. Wer die exklusive Adresse beim ersten Anlauf findet, hat für alle weiteren Abenteuer in dem 15 Millionen Menschen fassenden Labyrinth den Zugangscode geknackt – und garantiert einen guten Guide an seiner Seite. Unser Begleiter lenkt sein Automobil mit sicherem Instinkt zum Ziel, das erstaunlicherweise im selben Gebäude wie das Moskauer Rathaus liegt. Natürlich gibt es eine VIP-Parkzone vor dem Entree zum Gubernatorsky, dessen futuristischer Innenhof einen blitzschnell in die glanzvolle neue Putin-Ära versetzt.

 

Ekaterina Ponomareva
Ekaterina Ponomareva

Da taucht auch schon eine hoch gewachsene, blonde Frau auf und stellt sich selbstbewusst als bester Cigar-Sommelier Russlands vor. Ekatarina Ponomareva entdeckte mit 21 ihre Liebe zu den Puros, in den turbulenten Umwälzungszeiten nach der Perestroika. »Das war vor zehn Jahren, da begann für mich mein zweites Leben – mit den Habanos.« Mehrmals stellte sie sich beim Habanos Festival in Cuba der Jury und verwirrte diese mit ihren langen Beinen wohl so sehr, dass sie es in der männlich dominierten Berufsgruppe bisher nicht über die Endrunde hinaus schaffte. Ekatarina führt uns in den Rauchsalon, der den pompösen Stil des 19. Jahrhunderts mit Modern Russian Art kombiniert. Über eine Wand zieht sich ein riesiger Humidorschrank, in dem auch die Mitglieder des Clubs ihre Cigarren aufbewahren. Besucher können unter 50 Marken aus Kuba, Nicaragua und der Dominikanischen Republik wählen. Während Ekatarina sich ihr Wissen noch selbst aneignen musste, konnte unser Begleiter Denis Petrov von einer Cigarrenschule profitieren, die sich später im Gubernatorsky etablierte. Als Bar-Manager des Fünf-Sterne-Hotels Baltschug Kempinski am Roten Platz von Moskau gehörte er zu den Avantgardisten im Service, die hier von Villy Alvero die Feinheiten rund um die Cigarre lernten: »Wie Indianer saßen wir in der Runde, Chefs von Tabakläden wie Geschäftsleute, und unser Lehrer ließ eine Robusto von Davidoff kreisen, die noch vor der Revolution auf Kuba gedreht wurde. Das bleibt für mich unvergesslich.«

Cigarrenkultur kam mit Davidoff ins Land

Andrey Sinelikov in der Davidoff-Boutique Tverskaya
Andrey Sinelikov in der Davidoff-Boutique Tverskaya

Das Erbe von Zino Davidoff, dem gebürtigen Ukrainer, ist in der russischen Hauptstadt auf fruchtbares Terrain gefallen. Dahinter stehen engagierte Persönlichkeiten wie Edward Kolpin III. und William T. Tribell, die in Moskau die Kultur des Cigarrenrauchens in der postsowjetischen Zeit peu à peu etablierten. Die jetzt bereits dritte dort ansässige Boutique der Schweizer Oettinger-Davidoff-Group eröffnete kürzlich ihre Pforten an der zentralen Malaya-Bronnaya-Straße, einer luxuriösen Einkaufsmeile im Herzen der Metropole. Sie erstreckt sich auf zwei Etagen mit einer Fläche von 140 Quadratmetern nebst einer eleganten Cigarlounge. Die beiden Casas del Habanos, die sich in Moskau etablieren wollten, standen dagegen unter einem wenig glücklichen Stern und wurden wieder geschlossen. Die im Herzen Moskaus gelegene Davidoff-Boutique Tverskaya pflegt eine harmonische Koexistenz zwischen ihren Hausmarken und Cigarren aus Kuba (20 Prozent) sowie Nicaragua, und der Verkauf edler Spirituosen gehört hier wie in vielen der rund 15 renommierten Tabakfachgeschäfte von Moskau selbstverständlich zum Geschäft. »Wir führen hier ein großes Lager, beliefern Hotels wie Restaurants, aber auch viele Touristen gehören zu unseren Kunden«, sagt Verkaufsmanager Andrey Sinelnikov und bringt die Trümpfe dieser Davidoff-Filiale auf den Punkt: »Einmal pro Woche kontrolliert ein Schweizer Spezialist unsere Ware.« Denn in Moskau kursierten sehr viele gefälschte Cigarren.

»Sind wir hier noch in Europa oder doch schon in Asien?«, fragen wir unseren perfekt Englisch sprechenden Guide Denis, als wir vor der Tabakaria im superschicken Décor Shopping Centre stehen und wieder nur Schilder auf Kyrillisch entdecken. »Irgendwo mitten drin«, meint er und verteidigt die sprachliche Genügsamkeit der Russen mit Hinweis auf exzellente Serviceleistungen. So kann man in Moskau oft an sieben Tagen die Woche von 7 bis 22 Uhr seine Tabakprodukte kaufen und wird als Ausländer besonders zuvorkommend bedient. Hohe Steuern machen viele Cigarren in der Regel jedoch teurer als in den meisten EU-Staaten. Doch Vergleiche, gerade bei Habanos, lohnen. Wirft man einen Blick auf den Parkplatz vor dem Shopping-Center mit den neuesten Modellen von Mercedes-McLaren und Bentley, wird einem klar, welch zahlungskräftige Klientel hier verkehrt.

Noch mehr Luxus, gepaart mit ästhetischer Perfektion, umgibt uns im Monte Cristo. Im »Weißen-Haus-Viertel« im Westen Moskaus ist dieser Tabakshop unscheinbar in einem Wohnblock integriert. Im imposanten Verkaufsraum, ausgetäfelt mit edlem Zedernholz und bestückt mit einem Riesenhumidor, empfängt uns Elena Chebanova. »Habanos machen bei mir ein gutes Drittel aus, edle Longfiller aus allen anderen Provenienzen sind hier genauso gefragt.« Zu ihren Klienten zählen viele Amerikaner. Im kleinen, feinen Cigar Room gleich nebenan zeigt sie ein Humidor-Unikat im Wert von 4400 Euro, das ein russischer Künstler mit Edelstein-Mosaiken für einen italienischen Hersteller gestaltete.

 

Smoker Shop Vkus Jizny
Smoker Shop Vkus Jizny

Denis, unverzichtbarer Begleiter auch als Übersetzer, geleitet uns dann weiter zum Vkus Jizny, einem der größten Tabakfachgeschäfte im Zentrum. Es eröffnete erst im Jahr 2007, was die anhaltende Nachfrage nach Premiumcigarren bestätigt. »Etwa 6000 Stück gehen bei uns pro Monat über den Ladentisch«, informiert Manager Alexey Tarasevich. Am besten laufen klassische Formate von Montecristo wie die No. 2. Mit 520 Rubel (ca. 12 Euro) kostet diese hier etwa so viel wie in der EU. »Die Hälfte unseres Bestands besteht aus Habanos«, betont Tarasevich. »Aber wir führen auch Raritäten vieler anderer Provenienzen wie OpusX aus dominikanischen Tabaken oder Perdomo Reserve Golf Churchill (670 Rubel, ca. 15 Euro) aus Nicaragua.«

Rocky Patel und seine Liebe zu Moskau

Gallereya Grados
Gallereya Grados

Eine besondere Beziehung haben die Russen hier zu Rocky Patel, dessen Vintage 1990 (690 Rubel, ca. 16 Euro) überaus gefragt ist. Rocky hat über dem Humidor von Vkus Jizny eine persönliche Inschrift hinterlassen: »Best Cigar Shop in Russia«, kommentierte er 2008, bei seinem letzten Besuch. Für Tarasevich geht das Konzept des Ladens bes-tens auf: »Viele Kunden kaufen mit ihren Cigarren hochwertige alkoholische Getränke; wir führen neben 50 verschiedenen Wodka-Marken auch exquisite Weine sowie Sherry und Porto.« Am stärksten ausgeprägt ist die Verbrüderung zwischen Spirits & Cigars in der Gallereya Gradusa (engl. Galeria Grados). Beschallt mit klassischer Musik, gelangen wir durch einen imposanten Spirituosen-Lagerraum zum größten Humidor in Moskau, in dem etwa tausend Cigarren lagern. »Ich bin in ers-ter Linie Weinspezialist, aber meine Passion für Puros wird immer größer«, sagt der Besitzer Safaryan Samvel, der in seinem 700 Quadratmeter großen Imperium eine Lounge integrierte, und die kommt ohne viel Etikette aus. In der urigen Location trifft man neben Businessleuten auch Harley-Davidson-Fans, die in verknautschten Ledersesseln ihren Fine Smoke genießen. »In Moskau machen Habanos in den Tabakgeschäften rund die Hälfte des Angebots aus«, betont Samvel. »Russland ist ein kleiner Markt, ich verkaufe im Jahr nur um die fünf Millionen Longfiller.« Cigarren haben hier keine lange Tradition, aber das bringe auch viel Offenheit: »Viele unserer Kunden sind experimentierfreudig; gerade jüngere verabschieden sich immer öfter von der Zigarette zugunsten von Premiumcigarren.«

Nachtleben mit ungebremstem Fine Smoke

The Most
The Most

In Gastronomie und Nachtleben herrscht für Aficionados in Moskau noch unbegrenztes Rauchvergnügen, Verbotsgesetze sind hier noch so gut wie unbekannt. In einer jahrhundertealten Institution wie dem Café Puschkin, wo russische Küche serviert wird, kann man im historischen Speisesaal als selbstverständlichste Sache der Welt die mitgebrachte Cigarre seiner Wahl genießen oder wie fast überall aus einem gut gefüllten Humidor seine Wahl treffen. Besonders feine Locations für Freunde des Fine Smoke haben sich im historischen Viertel rund um das Bolschoi-Theater mit seinem stilvollen Jugendstil-Ambiente angesiedelt. Zu den angesagten Adressen gehört The Most, in dem Pariser Pomp sich mit Moskauer Edel-Chic paart. Die Damen tragen hier aufregende Schuhe, deren schwindelerregende Absätze teils mit einer langen Romeo y Julieta Belicoso konkurrieren, die hier gerne geraucht wird.

Nahe des Roten Platzes genießen wir spätabends in der eleganten Bar des Hotels Baltschug dann eine letzte Cigarre, begleitet von live Piano-Musik: Denis Petrov empfiehlt uns aus seinem Humidor, der Moskau-typisch auch hier nur zur Hälfte mit Habanos gefüllt ist, eine Hoyo de Monterrey Epicure Especial. Mit Blick auf das heute unbesetzte Ledersofa neben uns meint der Barchef: »Hier saß erst kürzlich wieder der deutsche Ex-Kanzler Schröder; er verlangte wie immer eine Cohiba und dazu den besten italienischen Rotwein.« Um den Absatz in seiner Wokda-Bar – mit 113 Marken die bestausgestattete von Moskau – muss er sich keine Sorgen machen. Das Nationalgetränk findet gerade bei den russischen Oligarchen in Zeiten der Krise regen Absatz.

Was die Rauchkultur in Moskau angeht, kommentiert Denis süffisant: »Hier wird in erster Linie geraucht, weil es Prestige bringt. Ein echter Markt für Cigarrengenießer ist noch Zukunftsmusik.« Nico Giovanoli, selbst Aficionado, steuert dem als Executive Chef des Hotels entgegen, indem er Degustationsabende für einen renommierten »Gentlemen Smoker’s Club« veranstaltet. Als Maxime folgen diese seiner eigenen Lebensphilosphie: »Nach einem harten Arbeitstag bringt eine Cigarre nicht nur Entspannung, sondern vor allem die wunderbare Erkenntnis, dass mit jedem Fine Smoke sich der eigene Genusshorizont erweitert.«

Text von Gabriela Greess

Fotos von Jo Lüders

Aus: European Cigar Cult Journal 01/2010

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