Gerhard Lobner mit dem Original, links die plumpe Fälschung © Werk
Gerhard Lobner mit dem Original, links die plumpe Fälschung © Werk

Schweizer Luxusuhren, edle französische Handtaschen oder trendige Sportkleidung – nichts ist in China vor Fälschungen sicher. Jetzt hat es auch das Weingut Mayer am Pfarrplatz in Wien Heiligenstadt erwischt. Bei Mayer Wineries Yantai Co., Ltd in China wird »österreichischer Wein« erzeugt und verkauft. Auf den Flaschenetiketten prangen groß und deutlich der Schriftzug »Mayer« sowie die Zeilen »Mayer Am Pfarrplatz« und »PRODUCE OF AUSTRIA«. Um die – vermeintliche – Wiener Herkunft des chinesischen Flascheninhalts noch zu unterstreichen, ist auf einigen Etiketten der Walzerkönig Johann Strauss abgebildet.

»Fast eine Auszeichnung«
Gerhard J. Lobner, Geschäftsführer des Mayer am Pfarrplatz, wurde von einem offiziellen Vertriebspartner in Shanghai über die Fälschungen informiert. »Ich habe das erst gar nicht glauben können. Klar, jeder in der Branche weiß, dass bereits Weine von berühmten Bordeaux-Weingütern wie Château Lafite-Rothschild kopiert wurden«, sagt Lobner. »Dass jetzt unsere Weine scheinbar als Kopiervorlage für chinesische Weine dienen, kann man fast als Auszeichnung interpretieren.« Sehr ärgerlich ist allerdings, dass das ohne Rücksicht auf Markenrechte oder hohen Qualitätsanspruch geschieht, denn das Wiener Weingut vertreibt über seine Vertriebspartner in Shanghai und Hongkong in China seine Originalweine.

Internationale Auszeichnungen
Bei den echten Mayer am Pfarrplatz-Weinen stimmt jedenfalls die Qualität, was nicht zuletzt zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen belegen. Zuletzt wurde der Grüne Veltliner »Rotes Haus« durch die Decanter World Wine Awards mit Gold und dem Zusatz Outstanding ausgezeichnet. Der Heiligenstädter Weinbaubetrieb ist über die Landesgrenzen bekannt und exportiert seine Weine nach ganz Europa, Übersee und eben auch nach China. Auch der Falstaff verleiht dem Weingut hohe Punkte-Wertungen: Siehe Mayer am Pfarrplatz bzw. Rotes Haus in der Weindatenbank.

Hallstatt lässt aus China grüßen
Verkaufsunterstützend werden auf der chinesischen Website ein Austro-Label, Fotos aus Österreich und die Bezeichnung »Österreich-Weingut« eingesetzt. »Rechtlich dagegen vorzugehen, ist leider aussichtslos«, so Lobner. Generell gibt es beim Nachmachen in China scheinbar wenige Hemmungen. Kopiert wird, was besonders gut gefällt. Das letzte österreichische Beispiel, das weltweit für Aufsehen gesorgt hat, war der Nachbau von Hallstatt.

(bed)

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