Chianti Classico: Die neuen Gemeinde-Appellationen kommen

Typische Landschaft des Chianti Classico

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Giovanni Manetti ist gerade für eine zweite Amtsperiode bestätigt worden. Er ist mit einem ambitionierten Programm zur Präsidentschaft angetreten. Die Produktion des Chianti Classico soll in Zukunft auch nach der Herkunftsgemeinde gekennzeichnet werden.

FALSTAFF: Herr Präsident, herzliche Gratulation zu Ihrer erneuten Wahl. Wie schaut es nun mit den Gemeindeappellationen aus, den sogenannten UGA’s (Unità Geografica Aggiunte)?
MANETTI
: Ich bin sehr froh, dass mein Programm von einer überwältigenden Mehrheit der Winzer gutgeheißen wurde. Seit über dreißig Jahren reden wir schon über die Einführung von Mikrozonen im Chianti Classico. Anfang der 1990er Jahre brachte ich diesen Vorschlag auch in der Mitgliederversammlung vor: damals kam da nur ein trockenes Nein! Wir waren damals wohl der Zeit voraus. Seitdem hat sich die Mentalität der Produzenten entscheidend verändert. Zudem ist weltweit eine möglichst kleinflächige Herkunftsbezeichnung des Weines immer wichtiger geworden. Das Gebiet des Chianti Classico ist sehr komplex. Wir haben elf unterschiedliche Bodenstrukturen ausgemacht. Die Höhenlagen reichen von 250 bis auf 700 Meter; dazu kommen unterschiedliche Himmelausrichtungen und Mikroklimatas. Unser Gebiet ist mit mehr als 65 Prozent mit Wald bedeckt. Wälder bewirken ein kühleres Klima und sorgen für eine besseren Wasserhaushalt. 

Neben den geografischen und geologischen Faktoren gibt es auch einen humanen Faktor. Es gibt lokale Traditionen die sich von Ort zu Ort unterscheiden. In den vergangenen Jahren haben sich viele Winzer auf lokaler Ebene zusammengetan, miteinander diskutiert, geschaut, wie die Kollegen das machen, sodass sich allmählich eine gemeinsame Stilistik, eine gemeinsame Identität herausgebildet hat. All das gab uns die Grundlage für eine sinnvolle Unterteilung des gesamten Gebietes in elf Mikrozonen: Greve, San Casciano, Montefioralle, Lamole, Panzano, San Donato in Poggio, Castellina, Radda, Vagliali, Gaiole, Castelnuovo Berardenga.

Wie erkenne ich am Etikett, dass ein Wein aus einer bestimmten Gemeindelage kommt?
In dieser ersten Phase werden wir nur auf der Gran Selezione, also der Top-Kategorie von Chianti Classico, die Gemeindelagen festhalten. Die Bezeichnung ist freiwillig. Wenn also ein Produzent die Gemeindebezeichnung nicht verwenden will, oder wenn die Trauben dafür aus mehreren Gemeinden stammen, so wird es seinen Wein weiterhin einfach als Chianti Classico Gran Selezione ohne weitere Angabe bezeichnen. Es zeichnet sich aber ab, dass immer mehr Betriebe mit mehreren Gemeindelagen auf den Markt kommen werden. Es gibt auf Seiten der Weinliebhaber ein immer größeres Bedürfnis nach möglichst genauer Herkunftsangabe. Nur wenn wir verstärkt auf die Besonderheit unseres Territoriums bauen, können wir uns von anderen abheben.

Giovanni Manetti

© Bruno Bruchi Photo

Welches wird der erste Jahrgang mit Gemeindeangabe sein?
Unser Vorschlag liegt zur Begutachtung im Ministerium in Rom. Wenn alles glatt geht, werden ab Juli 2022 die ersten Gran Selezione 2019 mit Gemeindeangabe auf den Markt kommen.

Es gibt ja auch eine Änderung hinsichtlich des Sortenspiegels. Was ändert sich da?
Das ist die zweite wichtige Änderung: Der Anteil des Sangiovese wurde von bisher 80 auf mindestens 90 Prozent erhöht. Für die restlichen 10 Prozent dürfen die autochthonen roten Sorten des Chianti Classico verwendet werden wie Canaiolo, Colorino, Pugnitello oder Malvasia Nera. Die französischen Sorten sind im Blend der Gran Selezione nicht mehr zulässig. Damit ergibt sich auch eine stärkere Unterscheidung zwischen Gran Selezione und Riserva.

Werden die UGA’s auch auf Riserva und Chianti Classico ausgedehnt?
Die Absicht ist da. Für die nächsten drei Jahre wollen wir das Projekt aber auf die Gran Selezione beschränken. Dann werden wir das ganze evaluieren und die nächsten Schritte vorbereiten.

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