Château Ducru Beaucaillou
Château Ducru Beaucaillou © Werk

Der Name »Beaucaillou« stammt, so will es die Legende, von besonders gro­ßen und wohlgeformten Steinen, die man im Boden des Weingutes vorgefunden hat. Wahrscheinlich ist diese Erklärung von einem gewieften Marketing-Gedanken beseelt, aber sie beruht auch auf Tatsachen. Ursprünglich hieß die Lage Maucaillau, zusammengesetzt aus »schlecht« (»mauvais«) und »Steine« (»cailloux«), denn die landwirtschaftliche Bearbeitung des Terroirs voll großer Steine eignete sich nur für Reben und brachte die Leute stark ins Schwitzen. Als man später erkannte, welch exzellenter Wein sich hier erzeugen lässt, änderten sich die Vorzeichen: Aus »mau« wurde »beau«, und »Beaucaillou« steht bis heute für ein besonders charaktervolles Gewächs, das sich in besonderem Maß auch der speziellen Geologie verdankt.

Vielleicht hat auch die wunderbare Lage – eine kleine Anhöhe, von der man auf das Wasser der Gironde blicken kann – zu dieser poetischen Bezeichnung geführt. In einem Park mit uraltem Baumbestand präsentiert sich das Schloss selbst auf majestätische Weise, es zählt mit seinen viktorianisch anmutenden Türmen und den dem Directoire-Stil zuzurechnenden klassizistischen Elementen der Fassade zweifellos zu den Architekturjuwelen im Médoc. Es ist eines der ganz wenigen echten Weinschlösser in Bordeaux, ist doch das Gebäude direkt über dem Fasskeller errichtet worden.

Der zweite Namensteil wurde von einem selbstbewussten Eigentümer, Monsieur Bertrand Ducru, etwa 1795 vor den eigentlichen Gutsnamen gesetzt. Familien wie die Bartons oder Rothschilds setzten den ­ihren etwas zurückhaltender hinten dran.

>> Zur Geschichte von Château Beaucaillou

Der herrliche Jahrgang 1953 leitete eine Epoche ein, in der man Ducru-Beaucaillou zu Recht stets unter den Jahrgangsbesten erwarten durfte. Jean-Eugène Borie erwarb sich einen exzellenten Ruf. Mit der Präzision eines Schweizer Uhrmachers arbeitete man von der Rebe bis in den Keller, wobei er auf ein strikt traditionelles Herangehen achtete. Manche Experten sehen im alten unterirdischen Gewölbekeller, der deutlich kühler ist als die meisten anderen im Médoc, mit einen wichtigen Faktor für die hohe Qualität der Weine. Unglücklicherweise wurde gerade der Weinkeller dem Ruf von Ducru-Beaucaillou fast zum Verhängnis.

>> Das Muffton-Mysterium durch Chlor­anisole

Der älteste Sohn, François-Xavier Borie, arbeitete bereits ab 1978 an der Seite seines Vaters und nahm sich neben den bestehenden Weingütern der Familie insbesondere des Châteaus Grand Puy Lacoste in Pauillac an, das sein Vater gerade erst erworben hatte. Er bemühte sich höchst erfolgreich um eine Qualitätsverbesserung, restaurierte Gebäude und errichtete den neuen Keller. Als Vater Jean-Eugène im Jahre 1997 schwer erkrankte, übernahm François-Xavier das Management des gesamten Familiengeschäfts, das er bis zur Umstrukturierung 2003 innehatte. Seit 2003 leitet sein jüngerer Bruder Bruno-Eugène Château Ducru-Beaucaillou gemeinsam mit seiner Schwester Sabine Coiffe und der Mutter Monique. François-Xavier Borie übernahm die Leitung der beiden Pauillac-Güter, nämlich Grand Puy Lacoste, das er über die Jahre zu neuen Höhen geführt hat und das ihm heute zu ungeteilter Hand gehört, sowie Château Haut-Batailley, das er von seiner Tante, Madame Brest-Borie gepachtet hat.

Der Gutsbesitz von Château Ducru-Beaucaillou umfasst heute mehr als 245 Hektar, davon sind rund 100 Hektar dem Weinbau gewidmet. Die beiden großen, geschlossenen Hauptteile liegen zwischen jenen von Talbot und Gruaud-Larose – gut 20 Hektar –, und weitere 26 Hektar sind direkt rund um das Château angeordnet. Wenn man von der Bundesstraße D2, der »route des châteaux«, kommend auf das Weingut zufährt, kann man mit freiem Auge erkennen, wie viel Kies (große Kieselsteine, tief geschichtet) in den Rebzeilen liegt. Es sind, wie schon angesprochen, genau diese tiefgründigen Schottermassen im kargen, kalkfreien Boden, denen das Weingut seinen Namen verdankt. Die Reben können hier sehr tief einwurzeln, der Untergrund ist gut durchlüftet, die Steine wirken als natürliche Drainage. Gerade jene Reben, von deren Standort aus man zum Fluss hinunterblicken kann, bilden den wahren Schatz und das Qualitätsrückgrat für den Grand Vin von Château Ducru-Beaucaillou. Weitere Effekte der Steine: Sie reflektieren Sonnenlicht auf die Reben, speichern die Wärme für die Nacht und verhindern das Austrocknen der Böden in Hitzeperioden. Ausgepflanzt sind hier 70 Prozent Cabernet Sauvignon und 30 Prozent Merlot. Cabernet Franc und Petit Verdot, die früher je fünf Prozent ausmachten, wurden eliminiert. Ausgebaut wird der Grand Vin je nach Jahrgang zu 50 bis 80 Prozent in neuen Barriques, in der Regel für 18 Monate.

Weitere Impressionen vom Chateau finden Sie in obenstehender Bilderstrecke.

von Peter Moser

Die vollständige Story lesen Sie im Falstaff 01.10

Verkostungsnotizen zu Château Ducru-Beaucaillou

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