Cave de Tain legt Weinbau-Fond auf

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Cave de Tain legt Weinbau-Fond auf

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Tain l’Hermitage ist ein kleines Städtchen im Rhônetal, etwas verbaut und vom Stadtbild her nur mäßig pittoresk. Doch der Stolz des Orts erhebt sich am Rand der Gemeinde: Die Weinberge der AOC Hermitage, die sich in zahlreichen Steilterrassen in die Höhe ziehen. Hier wachsen auf Granitböden legendäre Syrah-Rotweine und einzigartige Weißweine aus Marsanne und Roussanne.

Der Ort ist auch Heimat einer der besten Genossenschaften Frankreichs, der Cave de Tain. Diese Genossenschaft zeichnet sich auch seit langem durch eine weitblickende Unternehmenskultur und durch Ideenreichtum aus. Eine ihrer Besonderheiten ist zum Beispiel, dass nicht nur ihre Mitglieder Weinberge besitzen, auch die Genossenschaft selbst als Körperschaft ist Eigentümerin von Rebflächen. So ist die Cave der drittgrößte Landeigentümer in der AOC Hermitage (nach Chapoutier und Jaboulet, und vor Chave), rechnet man den Besitz von Mitgliedern hinzu, zieht sie sogar nahezu mit Chapoutier als Nummer eins gleich.

Beim Erwerb von weiteren Weinbergen, vor allem in den Nachbar-AOCs, beschreitet die Kooperative nun neue Wege zur Finanzierung: In einem »Groupement Foncier Viticole« bietet sie Privatleuten an, in solche Weinbergskäufe zu investieren. »In wenigen Jahren haben wir bereits 350 Investoren gewinnen können«, berichtet Direktor Ludovic Beau. Dabei entspricht die Mindesteinlage 20 Anteilen à 268 Euro, also 5360 Euro. Die meisten Investoren legen sogar noch mehr Geld an, im Durchschnitt etwa das Doppelte pro Person.

Die Idee zieht Kreise

»Am Anfang kamen die Käufer der Anteile fast alle aus der näheren Umgebung, es waren Weinfreunde und Kunden, die auch bei uns in der Cave einkaufen«, zählt Ludovic Beau, »dann bemerkten wir, dass mehr und mehr Interessenten auch aus der Region Lyon und aus dem ganzen Département Rhône-Alps zu uns kamen, und inzwischen haben wir Investoren aus ganz Frankreich

Aus rechtlichen und steuerlichen Gründen richtet sich das Angebot ausschließlich an Privatleute, nicht an Banken oder institutionelle Investoren. In einem Dossier, das auf der Website der Cave abrufbar ist, kann man genau sehen, welche Parzellen beispielsweise beim Teilfonds GFV GAMBERT 1 gekauft wurden, in diesem Fall etwas mehr als 13 Hektar Weinberge in den AOCs Crozes-Hermitage und Cornas.

Win-win

Der Fonds scheint ein gutes Geschäft für alle Seiten zu sein: Die Anleger erhalten nicht nur eine Steuergutschrift, sondern auch eine jährliche Wein-Dividende, für jeden Block von 20 Anteilen gibt es jährlich einen Zwölferkarton guter Mittelklasse-Weine oder einen Sechserkarton mit Top-Cuvées. Die jährliche Rendite gibt die Cave mit 4,5 Prozent an. Da die Weinbergspreise an der nördlichen Rhône kontinuierlich steigen, erhöht sich zudem auch der innere Wert der Beteiligungen. Verkaufen lassen sich die Anteile ebenfalls wieder, wobei die Vollversammlung der Kooperative über den Rücknahmepreis entscheidet.

Aus dem Blickwinkel der Genossenschaft ist im übrigen nicht primär die Erweiterung der Rebfläche als solche der größte Nutzen des Fonds. Sie sieht den wesentlichen Vorteil des Modells darin, dass sie jungen Winzern, die keine eigenen Weinberge in der Familie haben, zu fairen Konditionen Weinberge verpachten kann: »Zum Glück haben wir Nachfrage von Jungen ohne weinbaulichen Hintergrund, die gerne einen Weinberg bewirtschaften möchten«, so Beau. Somit ist der Weinbau-Fond auch ein Schutz gegen die Überalterung der Mitgliederstruktur, die den Kooperativen nahezu überall in Europa Sorgen bereitet.

Ein einziges Problem bleibt allerdings noch zu lösen: Derzeit steht der Fond nur Investoren offen, die einen Wohnsitz in Frankreich haben. »Wir hatten tatsächlich auch schon Nachfragen aus dem Ausland», erzählt Beau, »zum Beispiel aus Belgien«. Doch die hohen Versandkosten für Weinpakete ins Ausland würden die »Dividende zu stark schmälern«, so sein Fazit.

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