Carsten K. Rath über Talentsuche im Service

»Es sind Menschen, die Menschen begeistern«, sagt Carsten K. Rath.

Foto beigestellt

»Es sind Menschen, die Menschen begeistern«, sagt Carsten K. Rath.

Foto beigestellt

Ich gestehe: Als Kunde gehöre ich zu denen, die ihre Entscheidungen am liebsten nach Nase treffen. Wenn in einem Hotel mehrere Rezeptionisten bereitstehen, um mich einzuchecken, dann suche ich mir den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin aus, der/die mir schon von Weitem ein strahlendes Lächeln schenkt. Im Fachgeschäft lasse ich mich nur von Mitarbeitern beraten, die kompetent und herzlich auf mich eingehen. Und wenn ich die Wahl zwischen einer Maschine und einem Menschen habe, etwa am Flughafen oder an der Supermarktkasse, entscheide ich mich immer für den Menschen.

Service wird von Menschen für Menschen gemacht. Das Verhalten der Mitarbeiter macht den Unterschied zwischen Kundenbegeisterung und Kundenbeschwerde. Da hilft keine PR-Kampagne und schon gar keine Rabattaktion: Der Kunde geht nach Nase. Deshalb ist es so ungeheuer wichtig, dass die Menschen in ­einem Unternehmen zum Unternehmen passen. Und darum ist die Mitarbeiterauswahl aus meiner Sicht auch die entscheidende Stellschraube für die Kundenzufriedenheit. Die Frage ist: Wie findet man Mitarbeiter, die Kunden glücklich machen? In Zeiten des Fachkräftemangels brauchen wir darauf dringender als je zuvor eine Antwort.

Service ist Bauchsache – Talentsuche nicht

Als Unternehmer und Vorgesetzter kann ich es mir nicht leisten, meine Personalentscheidungen nach Nase, nach Anzug oder nach Lebenslauf zu treffen. Denn da­rin steht nicht, wie gut ein Mitarbeiter sich auf Kunden einstellen kann, wie er auf Probleme und Beschwerden reagiert und wie kreativ er bei der Lösungsfindung ist. Die Antwort auf die Frage, wie gut sich ein Mitarbeiter im Kundenkontakt schlägt, gibt mir der Kunde. Das Problem ist nur: Das kann er erst, wenn der Mitarbeiter eingestellt ist.

Service wird von Menschen für Menschen gemacht. Das Verhalten der Mitarbeiter macht den Unterschied zwischen Kunden­begeisterung und Kundenbeschwerde.

Das ist natürlich zu spät. In keinem anderen Arbeitsfeld ist die Mitarbeiterauswahl so kritisch wie im Service – und in keiner anderen Branche ist sie so anspruchsvoll. Service ist nur zum Teil eine Frage der fachlichen Kompetenz. Vor allem brauche ich Mitarbeiter, die zu meinem Unternehmen passen, weil sie zu meinen Kunden passen. Und das kann ich nicht nach Nase entscheiden. Stattdessen stütze ich mich – in meinen eigenen Unternehmen und auch, wenn ich Kunden meiner Managementberatung RichtigRichtig.com bei der Personalauswahl unterstütze – auf das Tool, das die »Nase« des Kunden am besten simulieren kann: das Reiss Profile. Gerade weil Service in hohem Maße Bauchsache ist, darf die Talentauswahl es nicht sein.

Wie das Reiss Profile funktioniert

Das Reiss Profile ist ein einzigartig differenziertes Werkzeug für die Mitarbeiterfindung und -entwicklung, denn es betrachtet die Ursachen menschlichen Verhaltens an ihrer Wurzel. Erfunden hat das Verfahren der 2016 verstorbene US-amerikanische Psychologe Steven Reiss – zunächst aus der Idee heraus, die Zusammenhänge zwischen der Persönlichkeit und Motivation von Menschen mit ihrer religiösen Ausrichtung zu untersuchen.

Das Reiss Profile beruht auf der Theorie, dass das Verhalten von Menschen an 16 grundlegende Sehnsüchte bzw. Lebensmotive geknüpft ist, die sich in ihren Überzeugungen und ihrem Handeln ausdrücken. Um anhand der 16 Motive ein Bild von der Persönlichkeit eines Menschen zu erhalten, beantworten Probanden gezielte Fragen. In der Summe ergibt sich ein äußerst differenziertes Bild der Persönlichkeit, dessen Treffsicherheit selbst erfahrene Personaler verblüfft.

Der breite psychologische ­Horizont, den die differenzierte Betrachtung der Lebensmotive eröffnet, macht das Reiss Profile zu einem ungeheuer nützlichen Werkzeug bei der Talentauswahl und bei der Teamentwicklung – ob Stellen neu zu besetzen sind oder ein bestehendes Team umstrukturiert werden soll. Denn die 16 Motive geben nicht nur Aufschluss darüber, wonach ein Mensch strebt und in welcher Tätigkeit er am besten aufgehoben ist. Sie lassen auch konkrete Rückschlüsse zu, wie er sich in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen verhalten wird und ob seine Motive zur vorgesehenen Rolle im Unternehmen passen. Je nach Rolle sind konkrete Eigenschaften gefragt, die sich je nach Unternehmen und Kundenkreis unterscheiden – und das Reiss Profile zeigt auf, wer über welche Eigenschaften verfügt.

Kundenbegeisterung ist kein Zufallstreffer

Oft lassen wir uns bei der Personalauswahl schlicht von falschen Vorstellungen leiten, was einen qualifizierten Mitarbeiter ausmacht. Die Kunden interessieren sich nämlich nicht für den beruflichen Werdegang eines Kandidaten; sie bewerten sein Verhalten und seine Kommunikation. Fehler können sie oft verzeihen – Fehlverhalten dagegen nicht.

Zu den 16 Motiven nach Steven Reiss gehören offensichtlich arbeitsrelevante Interessen wie etwa Macht, Autonomie, Neugier, Anerkennung, Teamorientierung und Idealismus – aber auch bei der Mitarbeiterauswahl auf den ersten Blick kontraintuitive Aspekte wie Rache/Kampf, Eros, Essen oder emotionale Ruhe.

Oftmals lassen wir uns bei der Personalauswahl von falschen Vorstellungen leiten, was einen qualifizierten Mitarbeiter ausmacht.

Kundenbegeisterung ist keine Glückssache, sondern Matchmaking: Wenn Sie Mitarbeiter finden, deren Motivation für ihren Job genau dem entspricht, was Ihre Kunden suchen, heben Sie die Kundenerfahrung auf ein neues Level.

Mitarbeiter-Profiling in Aktion

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht, welchen Unterschied das Reiss Profile bei der Kunden­orientierung machen kann. Wenn etwa ein gehobenes Restaurant neue Mitarbeiter einstellt, ist das wichtigste Einstellungskriterium oft die Berufserfahrung in anderen gehobenen Restaurants. Dieser Indikator weist jedoch oft in die falsche Richtung: Gastronomische Trends wandeln sich schnell und die Führung von ­Restaurants unterscheidet sich operativ oft erheblich. Entscheidend ist vielmehr, ob ein Restaurantmitarbeiter die Neugier der anspruchsvollen Gäste auf kulinarische Entdeckungen teilt, auf Sonderwünsche flexibel und wertschätzend reagieren kann und in der Lage ist, innerhalb kürzester Zeit eine zwischenmenschliche Beziehung aufzubauen, die aus Kunden Fans macht, also Stammgäste. Ob ein Mitarbeiter dieser Aufgabe gewachsen ist, ließe sich beispielsweise an seinen Werten bei den Motiven »Neugier«, »Essen« und »Beziehungen« ablesen.  An seinem Lebenslauf – nicht wirklich.

An Werten wie »Macht«, »Autonomie« und »Rache/Kampf« lässt sich darüber hinaus sehr gut erkennen, ob ein Mitarbeiter – gleich welcher Branche – überhaupt für den regelmäßigen Kundenkontakt geeignet ist. Sind diese Motive sehr hoch ausgeprägt, sind Auseinandersetzungen mit »schwierigen« Kunden nämlich wahrscheinlich. Auf diese Weise lassen sich Probleme schon bei der Teamzusammenstellung verhindern, bevor es im Kundenkontakt zu Fehlverhalten kommt. In einer Führungsrolle dagegen können dieselben Motive in einer gewissen Ausprägung durchaus ein Hinweis auf Durchsetzungsvermögen und Wettbewerbsfähigkeit sein.

Menschen begeistern Menschen

Das Reiss Profile ist das ideale Werkzeug, um die Kundenorientierung da zu verbessern, wo sie geprägt wird – auf der menschlichen Ebene. Dieses einzigartige Werkzeug ermöglicht es Unternehmen, immer den richtigen Menschen an der richtigen Stelle zu haben. Im Service, wo Menschen mit Menschen für Menschen arbeiten, ist das die wichtigste Weichenstellung für nachhaltigen Erfolg. Gerade weil der Kunde nach Nase entscheidet, dürfen wir es bei der Talentsuche nicht tun. Auch und schon gar nicht in ­Zeiten des Fachkräftemangels.

Über Carsten K. Rath

Der mehrfach ­ausgezeichnete Unternehmer und Keynote Speaker ist ein Service- und Qualitäts­enthusiast und hat Dutzende Unternehmen und Teams auf vier Kontinenten geleitet. Rath ist Gründer von »Kameha Grand Hotels & Resorts« und heute Gesellschafter für die Unternehmensberatung für Kundenbegeis­terung RichtigRichtig.com.

www.carsten-k-rath.com

Artikel aus Falstaff Karriere 06/17.

MEHR ENTDECKEN

Mehr zum Thema

News

Die erste Sterneköchin Skandinaviens: Titti Qvarnström

Dass Schweden auch ausgezeichnete Köchinnen vorzuweisen hat, beweist Titti Qvarnström, die als erste Frau Skandinaviens für ihre Kochkünste mit einem...

News

Döllerers Weinhandelshaus – Wein und Service mit Leidenschaft

Die weinaffine Familie Döllerer lebt ihre Passion, ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus 30 Jahren Weinhandelshaus und 100 Jahren Gastronomie mit ihren...

Advertorial
News

Grilltrends 2018: Es muss nicht immer Steak sein

Tipps und Tricks von Fleischexperten wie Jack O'Shea und Martin Tuma: KARRIERE auf der Suche nach unterschätzten Fleischstücken für's saisonale BBQ.

News

Anton Gschwendtner verlässt »Das Loft«, Nico Burkhardt das Steigenberger

Sternekoch Nico Burkhardt verlässt das Steigenberger-Hotel in Stuttgart, um sich in Schorndorf selbstständig zu machen. Ihm folgt Anton Gschwendtner...

News

Dinner der Superlative mit Faruk Neziri, Franz Messeritsch & Co

Küchenchef Faruk Neziri, Winzer Clemens Strobl und Sommelier Franz Messeritsch begeisterten im »La Perla Graz« mit »Sieben Gängen, sieben Weinen«.

News

Qualität und Innovation bei der Steirermost-Jahrgangspräsentation

Die Steirermostbetriebe präsentierten ihren neuen Jahrgang mit einer fulminanten Show rund um Moderator Dorian Steidl, Entertainer Andreas Steppan und...

Advertorial
News

»La Perla«-Dinner mit Franz Messeritsch

Der Falstaff »Sommelier des Jahres 2016« präsentiert am 4. Mai in sieben Gängen sieben Weine der Weinmanufaktur Clemens Strobl.

News

Mit Eckart Witzigmann & Co: Falstaff Karriere sucht die Young Talents 2018!

DIE Chance für die Stars von morgen! Bereits zum vierten Mal ist Falstaff KARRIERE auf der Suche nach den »Young Talents«.

News

Vier Tickets für die Steirermost-Nacht gewinnen

Der Most, auch Apfelwein genannt, erlebt seine Renaissance. Entdecken Sie den einstigen Haustrunk am 30. April neu, wir verlosen Eintrittskarten!

Advertorial
News

STK präsentiert Jahrgänge 2016 und 2017

FOTOS: Jahrgangspräsentation der STK Winzer am 21. April am Sattlerhof. Vorgestellt wurden großartige Weine der letzten zwei Jahre.

News

Carsten K. Rath: Für Herzlichkeit gibt's keine App

Exklusiv für Falstaff KARRIERE gibt Unternehmer Carsten K. Rath Einblick in sein neuestes Buch »Für Herzlichkeit gibt's keine App«.

News

Witzigmann, Süsser & Co: Der Spirit der Lohberger Friends

Seit über zehn Jahren wächst rund um Lohberger eine Community an markentreuen Partnern & Köchen, die neben den technischen auch die menschlichen...

Advertorial
News

Sport-und Genusshotel Silvretta – Der »place to be« für Gäste und Mitarbeiter

Familiäre Atmosphäre und rustikale Romantik inmitten der Tiroler Alpen: Nicht nur für Gäste auch für Mitarbeiter ist das Sporthotel Silvretta der...

Advertorial
News

Gewinnspiel: Pressearbeit für Hotellerie und Gastronomie

Tipps und Tricks wie Sie Ihre Pressearbeit meistern. Wer es lieber professionell möchte: KARRIERE verlost fünf PRobiz Jahrespakete im Wert von 700...

News

Innovationen und Trends auf der Transgourmet »Pur«

Starker Auftakt für die brandneue Fachmesse für Gastronomie in Salzburg: mehr als 3000 Fachbesucher interessierten sich für Neuheiten der Branche.

News

Mittermeier, Lenz, Dietze & Steindl rocken 30 Jahre Hotel Sonne

Das Activ Sunny Hotel Sonne in Kirchberg in Tirol feierte sein 30-jähriges Jubiläum mit Top-Kulinarik von Christina Steindl, Stefan Lenz und Co.

News

Stadt oder Land: Die Markenbedeutung der Region

Christoph Engl, Spezialist für Markenentwicklung im Tourismus, über Möglichkeiten, wie Städte und Regionen Markenbedeutung erlangen können.

News

SEO-Optimierung in Hotellerie und Gastronomie

Wenn Sie auf Google nicht gefunden werden, existieren Sie nicht im Internet. Karriere über die Trends des Suchmaschinenmarketings.

News

Service und der Umgang mit dem Kunden

Service ist eine Frage der Beziehung. Merkwürdig, dass viele Unternehmen dennoch keine Scheu haben, ihre Kunden vor den eigenen Mitarbeitern zu...

News

AirBerlin Insolvenz: Die Konsequenzen für Passagiere

Die deutsche Fluggesellschaft hat Insolvenz angemeldet, ist jedoch um Restrukturierung bemüht – was Fluggäste jetzt beachten müssen.