Bussi aufs Brauchi

In ganz Österreich gibt es noch zwei aktive Blaudruck-Betriebe.

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Blaudruck

Nichts, was sich lohnt, ist einfach zu haben, heißt es. Wenn der Umkehrschluss erlaubt ist, dann muss sich der Blaudruck extrem lohnen. Denn sehr viel aufwendiger als in dem Verfahren, mit dem früher die Arbeitskleidung gefärbt wurde, kann man einen Stoff eigentlich nicht bedrucken.Der Papp ist ein Gemisch, dessen Rezept stets ein gut gehütetes Familiengeheimnis ist. Es hat was mit Tonerde und Harz zu tun, sehr viel mehr wird nicht preisgegeben. Dieser Papp wird auf kunstvoll geschnitzten und sehr feinen Mustern auf die alten Holzmodeln aufgetragen, mit denen der Stoff bedruckt wird. Nachdem die Stoffe gefärbt wurden, werden sie getrocknet, der Papp ausgewaschen – und das Muster bestaunt.

Während des Färbens wird mit einem Stock auf den Stoff geschlagen, um das Zusammenkleben zu verhindern. Der Stoff verfärbt sich dabei von Grün zu Blau. »Grün und blau schlagen« ist ursprünglich also keine besonders brutale Form der Konfliktlösung, sondern ein sprachlicher Überrest des einst wichtigen Handwerks. Überhaupt stammen eine Menge Formulierungen aus dem Blaudruck, wie auch zum Beispiel in diesem in der Regel nur allzu wahren Satz: Nach dem Martiniloben sollte man erst mal blaumachen.

Martiniloben

© Steve Haider

Der heilige Martin ist von Kindergartenbeinen an ein Fixstern im Feierkalender. Dass traditionell eine Gans zu seinen Ehren verspeist wird, hat folgenden sagenhaften Hintergrund: Als Martin zum Bischof geweiht werden sollte, wollte er nicht. Um der Weihe zu entgehen, versteckte er sich ausgerechnet in einem Gänsestall. Das Geschnatter hat ihn schließlich verraten. Seitdem werden die bösen Gänse als späte Vergeltung gegessen. Zur Gans gehört freilich auch der passende Wein. Martins Esel, so erzählt die Mär, hätten unerlaubterweise die neuen Triebe der Rebstöcke gefressen.

Das Ergebnis war dennoch erfreulich – die Beeren wurden nicht nur kleiner, sondern auch besser: Der Rebschnitt war erfunden. Deshalb wird am Beisetzungstag des heiligen Martin zum ersten Mal der junge Wein ausgeschenkt. Ein großer Tag für die Winzer – und den Pfarrer. Der tauft und segnet an diesem Tag den jungen Wein. Außerdem wurde einst am 11. 11. der Zehent eingetrieben, jener Teil der Ernte, den die Bauern ihren Lehensherren abtreten mussten. Angesichts der drohenden vorweihnachtlichen Fastenzeit war der Martinstag die letzte Gelegenheit für die Lehensherren, nochmal richtig reinzuhauen.

Blochziehen

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Leicht Skurriles droht dem Dorf, dessen Junggesellen sich nicht binden wollen. Das Blochziehen konzentriert die ganze Hochzeitsenergie eines Dorfes auf ein einziges Schauspiel: Auf einen gewaltigen Baumstamm, den Bloch, werden zwei unverheiratete Menschen gesetzt, die – gewissermaßen als Strafe für den verpassten Frühling und dazugehörige Gefühle – nun in einer Schauhochzeit verheiratet werden. Und nur weil die Hochzeit lediglich gespielt ist, heißt das nicht, dass man die Hochzeit nicht genügend ernst nimmt. Eher im Gegenteil: Eine riesige Fichte wird umgeschnitten, mit 2000 Blumen aus Krepppapier geschmückt, Hochzeitsschießen und Blasmusikkappelle sind obligatorisch.

Außerdem in der illustren Hochzeitsgesellschaft: ein Pfarrer, der die beiden verheiratet, eine ex­tra eingerichtete Polizei, die für die Einhaltung diverser Spaßregeln sorgt, und auf dem Gerichts­wagen (Achtung, Brautstehlen!) befinden sich Richter, Staatsanwalt und ja, tatsächlich, ein Gefängnis. In Limbach wird alle paar Jahre das Bloch gezogen. Ob die Heiratsbereitschaft der Limbacher dadurch gesteigert wurde, man weiß es nicht.

Federnschleissen

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Dem alten Brauch des Federnschleißens wird kaum noch nachgegangen. Zumindest erlebt man dieses Handwerk in der heutigen Zeit nur noch in der maximal passivsten Form, sprich beim Schlafen, wenn wir uns zudecken. Früher allerdings war das Federnschleißen nicht nur ein handwerklicher, sondern auch ein gesellschaftlicher Höhepunkt. Eine Daunendecke füllt sich schließlich nicht von allein.

Die Frauen eines Dorfes trafen sich in einer Stube und zupften die Federn vom Kiel der (ehemaligen) hauseigenen Gänse. Dabei war die Liebe gewissermaßen in jeder Hinsicht die Grundlage des Federnschleißens. Sie war der Grund für die ganze Veranstaltung überhaupt – die Tuchenten waren in der Regel als Aussteuer für die Töchter des Hauses bestimmt. Das war auch das hauptsächliche Thema der Diskussionsrunden beim Federnschleißen und nicht zuletzt die Basis für diverse Streiche: Angeblich sollen die nicht mehr gebrauchten Federstile eine Art Wegweiser zwischen einem bis dahin geheimen Liebespaar gewesen sein. Sehr praktisch: Das konnte direkt in die nächste Gesprächsrunde eingewoben werden.

Besenbinder

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Wer »Besen« denkt, muss auch »kehren« denken. Mit anderen Worten, es ist kein besonders erbauliches Thema. Dabei könnten mit dem Besen so viel angenehmere Dinge in Verbindung gebracht werden. Zum Beispiel die Natur, ein Waldspaziergang oder sogar ein halbwegs ertragreiches Handwerk. Roman Zwailer hält das alte Handwerk, das er von seinem Onkel gelernt hat, aufrecht. Das geht so: In den Wintermonaten geht er in den Wald, um von den Birken etwa halbmeterlange Äste abzuschneiden. Diese schneidet er zu, dreht sie ein und schnürt das Büschel der eingedrehten Äste zusammen. Etwa eine Stunde ist Zwailer beschäftigt, und fertig ist der Besen, den wir, kinderbuchgeschult, als klassischen Hexenbesen identifizieren könnten.

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