Michael Kirchknopf (l.), Trophysieger in der Kategorie Weißburgunder, und Hannes Reeh, Trophysieger beim Chardonnay
Michael Kirchknopf (l.), Trophysieger in der Kategorie Weißburgunder, und Hannes Reeh, Trophysieger beim Chardonnay / Foto: Achim Bieniek

Der Chardonnay begann erst Ende der 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts, sich im Burgenland auszubreiten, und zählt heute zu den beliebtesten Qualitätsweißweinen des Bundeslands. Das spiegelt sich auch in der Zahl der zur Burgunder-Trophy eingereichten Proben wider, wo der Chardonnay mehr als die Hälfte aller vorgestellten Weine ausmacht. Der Löwenanteil wird als fruchtbetonter trockener Weißwein im Edelstahl ausgebaut, die Weine verfügen über eine angenehme gelbe Apfelnote und eine lebendige, trinkanimierende Säure. Besonders wertvolle Trauben aus besten Lagen werden aber im Holzfass und teilweise nach internationalem Vorbild auch in kleinen französischen Eichenfässern ausgebaut. So entstehen komplexe, langlebige Speisenbegleiter, die den Vergleich mit der Konkurrenz aus aller Welt nicht scheuen müssen. 101 der zur diesjährigen Burgunder-Trophy eingereichten 203 Proben waren reinsortige Chardonnays, was die Bedeutung der Sorte auch aus der Sicht der Winzer unterstreicht.

Chardonnay 2011 - Sieger ohne Schnickschnack
Der Sieger beim klassisch ausgebauten Chardonnay aus dem Jahrgang 2011 kommt aus Andau: Hannes Reeh überzeugte die Jury mit seinem »Unplugged«. Der junge Kellermeister produziert nach seiner eigenen Definition »ohne jeglichen Schnickschnack«, er verwendet keinerlei Schönungsmittel, ­Enzyme oder Reinzuchthefen, verzichtet in ­guten Weinjahren sogar auf Filtration. So entstand ein kraftvoller, aber dennoch sehr trink­animierender Wein mit feiner Frucht. Auf Rang zwei platzierte sich Alleskönner Andreas Kollwentz aus Großhöflein mit seinem stoffigen Chardonnay Leithaberg 2011, der Jahr für Jahr zu den Sieganwärtern in dieser Gruppe zählt. Die Bronzemedaille ging an Axel Stiegelmar vom Golser Weingut Juris für den Chardonnay Altenberg 2011.

Heinz Velich, amtierender Falstaff Winzer des Jahres, zeigt mit Tiglat und Darscho große Klasse.
Heinz Velich, amtierender Falstaff Winzer des Jahres, zeigt mit Tiglat und Darscho große Klasse.


Heinz Velich, amtierender Falstaff Winzer des Jahres, zeigt mit Tiglat und Darscho große Klasse.

Chardonnay 2010 - Eleganz an der Spitze
In der Kategorie der kapitalen Chardonnays aus dem Jahrgang 2010 setzte sich einmal mehr Andi Kollwentz mit dem eleganten Tatschler 2010 an die Spitze, gefolgt vom zweiten großen Namen im burgenländischen Burgunder-Geschäft, nämlich Heinz Velich aus Apetlon mit Darscho 2010, dessen Finesse an jene eines großen Chablis heranreicht. Den dritten Rang holte sich der eher für seine tollen Rotweine bekannte Albert Gesellmann aus Deutschkreutz im Mittelburgenland, der mit dem kompakten Steinriegel 2010 punkten konnte.

Reife Weine - Große Trinkerlebnisse
In der Kategorie der gereiften Weine teilen sich Heinz Velich mit Tiglat 2006 und Andi Kollwentz mit Gloria 2007 den Sieg. Beide Weine haben jetzt ihre erste Trinkreife erreicht und bieten ein großes Trinkerlebnis. Auf Platz drei rangiert der Chardonnay ­Panta Rhei 2007, ein Wein aus dem Gemeinschaftsprojekt von Hans Schwarz und Heinz Velich, vinifiziert aus Trauben vom Leithaberg am Westufer des Neusiedler Sees.

»Altmeister« Andi Kollwentz dominiert die Burgunderszene.
»Altmeister« Andi Kollwentz dominiert die Burgunderszene.


»Altmeister« Andi Kollwentz dominiert die Burgunderszene.

Weißburgunder als Preis-Leistungs-Hit
Den zweiten Platz in der Gunst der Produzenten belegt der Weißburgunder, der im ­Burgenland ebenfalls weit verbreitet ist. Die Sorte stellt hohe Ansprüche an den Boden, doch an den richtigen Stellen gepflanzt bringt sie gute und regelmäßige Erträge. Der Pinot Blanc bringt substanzreiche Weine, die über ein gutes Reifepotenzial verfügen. Im Idealfall sollte ein Weißburgunder ein bis zwei Jahre lagern dürfen, bevor er seine volle ­Aromatik präsentiert. Als Jungwein ist er ein vielseitiger, aber oft noch etwas neutraler ­Essensbegleiter, was ihn offensichtlich etwas Popularität gekostet hat. Mit über fünfzig Proben war die Sorte bei der Trophy sehr gut ver­treten, in diesen Kategorien warten für den ­kundigen Weinfreund auch die besten Preis-Leistungs-Hits.

Weißburgunder 2010 und 2011 - Klassisch ausgebauter Erster
Der erste Platz beim klassisch ausgebauten Weißburgunder ging an den jungen Kellermeister Michael Kirchknopf vom Winzerhof Kirchknopf in Kleinhöflein bei ­Eisenstadt für den Pinot Blanc 2011 aus der Edition Michael Kirchknopf. Platz zwei holte sich Familie Prieler aus Schützen am Gebirge für den eleganten Pinot Blanc Seeberg 2011, gefolgt vom Ruster Weingut Landauer mit dem Pinot Blanc Alte Reben 2011. In der Kategorie der länger ausgebauten Weißburgunder ging der Sieg einmal mehr an Ester­házy Wein für den Pinot Blanc 2010 aus der ­Toplage Tatschler. Rang zwei ging an Tausendsassa Gernot Heinrich aus Gols für den mineralischen Weißburgunder Leithaberg DAC, und auch den dritten Platz belegte mit Hans & Andreas Gsellmann aus Gols ein Pannobile-Betrieb mit dem weißen Pannobile 2010, einem reinsortigen Weißburgunder aus der Lage Goldberg. Bestplatzierter Weißburgunder unter den ­gereiften Weinen war der Pannobile 2008 vom Weingut Renner aus Gols.

Rudi Wagentristl aus Großhöflein, Sieger der Kategorie Leithaberg
Rudi Wagentristl aus Großhöflein, Sieger der Kategorie Leithaberg


Rudi Wagentristl aus Großhöflein, Sieger der Kategorie Leithaberg

Grauburgunder 2010 und 2011 - Gehaltvolle trockene Weine
Die weißen Rebsorten der Burgunderfamilie haben im Burgenland eine jahrhunderte­alte Tradition. Den Anfang machte der Pinot Gris, der im Zuge der Mission der Zister­zienser aus Heiligenkreuz über das Burgund ins Land kam. Erstmals wird die Sorte urkundlich im Zusammenhang mit Mönchhof im 12. Jahrhundert genannt. Der ungarische Name dieser Mutation aus Blauem Spätburgunder lautet Grauer Mönch. Die Sorte ist in Österreich heute am weitesten im nördlichen Burgenland verbreitet und ergibt einen gehaltvollen trockenen Wein.

Der Sortensieg beim Jahrgang 2011 ging an Dr. Bichler aus Purbach für den Grauburgunder 2011, den zweiten Platz belegte Josef Umathum aus Frauenkirchen mit dem sehr eleganten Pinot Gris 2011. Der dritte Rang ging an Weinbau Tremmel aus Rust für den Grauburgunder 2011. Dass die Freistadt Rust für diese Sorte ein ­besonders gutes Pflaster zu sein scheint, zeigt sich am Ergebnis der länger ausgebauten Weine. Hier ging der Sieg an das Weingut ­Peter Schandl für den Pinot Gris Ried Kreften 2010, gefolgt vom Grauburgunder 2010 von Weinbäuerin Heidi Schröck, ebenfalls Rust. Platz drei ging an Gernot Heinrich für den Grauburgunder Hackelsberg 2010.

Neuburger 2011 - Spezialität in der Trophy
Der Neuburger, eine natürliche Kreuzung aus Rotem Veltliner und Sylvaner, ist zwar keine Burgundersorte, da er aber neben der Wachau und der Thermenregion vor allem im nördlichen Burgenland seine größte Verbreitung gefunden hat und im trockenen Bereich stilistisch durchaus mit den Burgundern zu vergleichen ist, wurde diese Spezialität in diese Trophy miteinbezogen. Zum besten Neuburger im klassischen Bereich wurde der Neuburger 2011 Toria vom Weingut Erwin und Sigrid Lehner aus Gols gewählt. Auch die Cuvées aus Burgundersorten und der ­weiße Leithaberg DAC wurden als separate Kategorien behandelt. So ergibt sich ein ­differenziertes Bild dieser Weißweine aus dem Burgenland, sowohl, was die aktuellen Weine, als auch, was die gereiften Spezialitäten betrifft.

Dr. Hans Bichler, Anwalt und Winzer aus Leidenschaft, wiederholte seinen Sieg in der Kategorie Grauburgunder.
Dr. Hans Bichler, Anwalt und Winzer aus Leidenschaft, wiederholte seinen Sieg in der Kategorie Grauburgunder.


Dr. Hans Bichler wiederholte seinen Sieg in der Kategorie Grauburgunder.

Cuvée 2010 und 2011 - Herausragende Weine
Bei den Cuvées konnte sich das Ruster Weingut Feiler-Artinger mit der Cuvée Gustav 2010 durchsetzen, einer feinen Marriage aus Chardonnay und Neuburger. Platz zwei holte Thomas Schwarz vom Weingut Kloster am Spitz aus Purbach mit der Cuvée Muschelkalk. Den dritten Rang belegte das Weingut Julius Steiner aus Podersdorf mit Laurentina weiß 2010, vinifiziert von Jungwinzerin Patrizia Steiner. Als spezielle Gruppe wurde Leithaberg Weiß 2011 behandelt, hier war das Weingut Wagentristl aus Großhöflein erfolgreich, den zweiten Platz holte sich der Grenzhof-Fiedler aus Mörbisch vor Birgit Braunstein aus Purbach. Das Angebot der weißen Burgunder-Weine aus dem Burgenland ist heute größer als je zuvor, und die Weine werden zu erfreulichen Preisen angeboten. Es lohnt sich daher, die Ergebnislisten der aktuellen Falstaff-Burgunder-Trophy genau zu studieren, fündig wird man in jedem Fall.


Zu den Verkostungsnotizen


Text von Peter Moser
Aus Falstaff Nr. 06/2012

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