Burger-Meister: Vom Fast Food zum Gourmet-Stück

»Burger killed the radio star« im Lokal »Die Burgermacher«.

© Oliver Topf

»Burger killed the radio star« im Lokal »Die Burgermacher«.

© Oliver Topf

Er ist eine Ikone amerikanischer Popkultur, gilt als das National-gericht der USA schlechthin und wird rund um den Globus mit größter Hingabe verspeist. Die Rede ist vom Burger, der in seiner hundertjährigen Geschichte noch nie so beliebt war wie heute. Vom reinen Fast Food ist er zum Gourmet-Stück mutiert. Doch wie hat es das Fleischlaberl zwischen zwei Weichbrotscheiben überhaupt zu diesem Weltruhm geschafft? 

Schon um seine Entstehung ranken sich viele Mythen. Wer Jeff Lassen nach der Erfindung des Burgers fragt, hört zum Beispiel folgende: Es war das Jahr 1900. Ein Mann stürmte in den Imbiss seines Urgroßvaters in New Haven, Connecticut. Er sei in Eile, sagte der Gast außer Atem, und brauche deshalb etwas, das er unterwegs essen könne. Louis Lassen eilte in die Küche, nahm schnell ein paar nicht verkaufte Steaks, steckte sie in den Fleischwolf, packte sie mit Tomaten, Zwiebeln und Käse zwischen zwei Toastscheiben – und der Burger war geboren. Jeff verkauft bis heute den Ur-Burger in seinem Diner. Seine Familiengeschichte erzählt er mit stolzgeschwellter Brust gern kostenlos dazu. Nur wer nach Ketchup verlangt, wird höflich, aber bestimmt zurechtgewiesen. Das habe es im Gründungsjahr des Burgers schließlich noch nicht gegeben. 

Große Empörung erntet man für diese Geschichte natürlich in Hamburg – der Name sei schließlich Hinweis genug, dass der Hamburger aus der deutschen Stadt käme. Jedenfalls wurde dort schon vor hundert Jahren der Snack »Rundstück warm« serviert, ein zusammengefaltetes Brötchen mit Schweinsbraten und Sauce gefüllt. 

Der Begriff »Hamburger« könnte aber auch schlicht von einer damaligen Bezeichnung für Rindfleisch herrühren. Das im Hamburger Hafen verladene Fleisch, das in die USA exportiert wurde, galt als Luxusgut und soll deshalb ehrfürchtig nach der Stadt benannt worden sein. Das »Oxford English Dictionary« beschreibt das »Hamburg-Steak« hingegen schon 1802 als gepökeltes Rindfleisch. Der Begriff könnte auch hier auf europäische Auswanderer zurückgehen, die sich am Schiff vom haltbar gemachten Trockenfleisch ernährten.

Kreation aus dem Buch »Burger unser«: mit Königskrabben, Curry-Butter-Sauce und Papaya.

© Daniel Esswein

Eine kulinarisch weitaus schönere Geschichte wird in Texas erzählt. Fletcher Davis, der eigentlich Töpfer war, soll hier in den 1880er-Jahren einen kleinen Imbiss geführt und den Burger erfunden haben: Gebratenes Faschiertes packte er zwischen zwei Scheiben Brot mit Senf, Zwiebeln und einer Gurkenscheibe. Die Einwohner der kleinen Stadt Athens waren so begeistert von Fletscher Davis’ Erfindung, dass sie Geld sammelten, um ihn 1904 auf die Weltausstellung in St. Louis zu schicken. Dort verkaufte Davis seinen Snack aus einem alten Wagen heraus, und begeisterte Journalisten berichteten über ihre Entdeckung.

Dass so viele Menschen die Erfindung des Burgers für sich beanspruchen, spricht für die Popularität dieses nahrhaften Snacks. Der außen knusprig, innen weiche Bun, der saftige Patty, der knackige Salat und die salzige Sauce – bei einem Burger gehen alle Bestandteile eine harmonische Verbindung miteinander ein. Der Fantasie sind beim Kombinieren keine Grenzen gesetzt. Vielleicht ist es auch genau diese Vielfältigkeit, die den Burger zu einem solch globalen Superstar werden ließ. Allein mit den Rezepten aus dem Standardwerk »Burger unser« sind 7900 Bun-Kreationen möglich. Auf 290 Seiten beschreiben die Autoren den Weg zum perfekten Brötchen und schön rauchigen Fleisch – und über alles stellen sie zehn Gebote:

Die Zubereitung eines Burgers ist eine Kunst für sich: Jeder Teil muss auf den anderen perfekt abgestimmt sein, damit das große Ganze schmeckt.

© Daniel Esswein

Die zehn Burger-Gebote:

  1. Backt eure Buns selbst.
  2. Achtet auf das Fleisch.
  3. Ein gutes Patty benötigt nur Salz und Pfeffer.
  4. Seid zärtlich zu euren Patties – verzichtet auf stundenlanges Formen.
  5. Kontrolliert die Kerntemperatur, um den perfekten rosa Kernmoment nicht zu verpassen.
  6. Röstet die Buns in Butter.
  7. Vorbereitung ist alles.
  8. Weniger ist mehr.
  9. Vergesst die kalten Getränke nicht.
  10. Es gibt kein Richtig oder Falsch, außer bei Gebot 3 – das gilt immer.

© Daniel Esswein

Buch-Tipp: Burger Unser

© Callwey Verlag

  • Hubertus Tzschirner, Nicolas Lecloux (u. a.)
  • Callwey Verlag, 2016 
  • 290 Seiten 
  • ISBN 978-3-7667-2201-0 
  • Preis: € 39,95

    Hier online bestellen

Festewochenthema: Amerika

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