Burgenlands Gärten: In die Erde, fertig, los

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Der Seewinkel ist eine ungewöhnliche Gegend. Zusammengesetzt ist diese Tiefebene östlich des Neusiedler Sees aus Feuchtgebieten und Weideflächen, Wiesen und Trockenrasen, Sandsteppen und den berühmten Salzlacken mit ihrem vielfältigen Vogelleben. Es ist eine fast baumlose, steppenartige Landschaft, in der der Wind ein allgegenwärtiger Begleiter ist. Die Lichtverhältnisse sind deutlich anders als überall sonst in Österreich. Kein Wunder, handelt es sich doch beim Seengebiet des Neusiedler Sees um den westlichsten Ausläufer des kontinentalen Klimas. Die Sommer sind lang und heiß. Die Winter mild.

Es sind Verhältnisse, wie gemacht für den Gemüseanbau, der hier lange Tradition hat. Kaum ein Haus, in dessen Garten nicht die herrlichsten Paradeiser- oder Paprikastauden gedeihen. Da überrascht es wenig, dass der Seewinkel als Gemüsegarten des Burgenlands gilt und sich hier die Crème de la Crème des burgenländischen Feldfruchtanbaus versammelt hat.

Genuss im Paradeiser-Paradies

Beginnen wir mit Erich Stekovics. Der Frauenkirchner ist landauf, landab als »Kaiser der Paradeiser« bekannt. Ein Mann, den schon seit Kindesbeinen die Liebe zur Nutzpflanzenvielfalt umtreibt, der Herr über Samen von vielen tausend Sorten ist und der sich nicht nur als Paradeiser-, Paprika- und Chili-Anbauer einen internationalen Namen gemacht hat, sondern zuletzt vor allem auch mit dem lang entbehrten heimischen Anbau verschiedenster Zwiebel- und Knoblauchsorten.

Im Stekovics’schen Gemüsereich kann man nicht nur im Frauenkirchner Hofladen seine sauer und süß eingelegten Köstlichkeiten erwerben, eine »Vielfalt im Glas«, die von Wildgartenknoblauch in Paradeiseressig über Pardeiserchutney, Zitronenchili oder winzige Melothria-Gurken bis zu seinen »Chili-Variationen« reicht, bei denen es sich um 25 verschiedene – auch verschieden scharfe! – Chilisorten in Welschrieslingessig handelt, die händisch eingelegt in wunderschöne, hohe Stangengläser nicht nur dem Gaumen, sondern auch dem Auge reiche Sinnesfreuden bieten. Dazu kommt eine ebenso reiche Palette an feinen Marmeladen. Daneben verkauft Stekovics im Frühjahr auch Gemüsejungpflanzen, darunter viele Raritätensorten, veranstaltet Führungen durch seine Gemüsefelder und lädt gemeinsam mit seiner Frau Priska zu »Genuss-Stunden« im Paradeiser-Paradies, bei denen vor Ort geplaudert, verkostet und gekocht wird.

Der schärfste Chili

Noch tiefer im Seewinkel, am Ortsrand von Illmitz, setzt auch der Familienbetrieb der Familie Tschida auf eine Gemüseart, die nirgendwo sonst in Österreich so gut gedeiht wie hier: Chili. Handarbeit ist oberstes Gebot; das heiße Mikroklima entlang des Seeufers lässt die Schoten zu hervorragender Qualität heranreifen. Neben frischen Chilis unterschiedlichster Art stellt Tschida Chili auch eine Reihe erlesenster Chili-Saucen, -Pasten, -Salsas und -Pulver her. Allesamt hören auf äußerst originelle Produktnamen und lassen – fein unterteilt nach Schärfegraden von ein bis zehn – keine Wünsche von Menschen, die gern scharf essen, offen: von der mild-süßen, rauchigen Grillsauce namens »Roter Kohlenstoff« (Schärfe 2) über die Sauce »Heiße Schokolade« (Schärfe 5) bis zum »Karibischen Feuer« (Schärfe 10) und mehreren sortenrein vermahlenen Chilipulvern mit der einschlägigen Bezeichnung »Sprengpulver«.

Ein anderer Seewinkler Gemüsebauer hat seinen großen Ernteauftritt bereits im Frühjahr: Sepp Ruttner mit seinem Podersdorfer Seespargel. Seit fast 20 Jahren widmet sich der gelernte Koch nun schon in erster Linie dem Anbau von weißem und grünem Spargel – die sandigen Böden und das milde Klima am See sind dafür ideal. Der frische Spargel wird ab Anfang April – und bis allerspätestens Johanni am 24. Juni – gestochen. Das Gros der weißen und grünen Ernte wird frisch verkauft, einiges vom weißen Spargel aber auch zu feinen, sauer eingelegten Spargelspitzen weiterverarbeitet: ein – handarbeitsintensiver und ausnehmend köstlicher – Hochgenuss!

Ihren besonderen Geschmack verdanken die Seewinkler Gemüse nicht nur den langen Sonnenstunden, sondern auch den warmen und typischerweise leicht salzhaltigen Böden. Es lag nahe, aus den Vorzügen der Anbauregion eine Marke zu entwickeln. Sie heißt Seewinkler Sonnengemüse und ist ein Vertriebszusammenschluss von derzeit 47 Gemüseproduzenten, die gemeinsam fast 50.000 Tonnen Gemüse pro Jahr produzieren und vertreiben. Hauptprodukte sind Paprika und Paradeiser, vor allem Paprika, wobei zuletzt der Spitzpaprika im Begriff ist, dem Blockpaprika ernsthafte Konkurrenz im Kundengeschmack zu machen.

Neben diesen All-time-Klassikern des Seewinkels gehören zum Portfolio von »Seewinkler Sonnengemüse« aber auch jede Menge anderer Gemüse: Radieschen, Jungzwiebeln, Salate aller Art, Fisolen, Karfiol, Gurken, Chinakohl, Zucchini oder Zuckermais. Seit einiger Zeit gibt es auch die österreichweit ersten Anbauflächen mit burgenländischem Ingwer im Seewinkel. Das pannonische Klima lässt sogar diese tropische Gewürzwurzel gut gedeihen.

Streng genommen schon außerhalb des Seewinkels, aber ganz in der Nähe liegt ein weiteres Gebiet, das für den Reichtum seiner Erntefrüchte bekannt ist. Diesmal geht es um Obst. Die Rede ist von der Kittseer Marille, die sich längst einen eigenen Eintrag als burgenländische Genussregion erworben hat. Mehr als 35.000 Marillenbäume wachsen in und um Kittsee und erlauben dort – zwischen Donau und Neusiedler See – eine jährliche Ernte von mehr als 700.000 Kilo Früchten. Die bekannteste der angebauten Sorten heißt Ungarische Beste. Sie und die Früchte anderer Sorten kommen vollreif geerntet frisch in den Handel oder werden zu Säften, Marmeladen und Schnäpsen weiterverarbeitet. Auch sie verdanken dem besonderen pannonischen Klima mit seinen endlosen Sonnenstunden und den guten, nährstoffreichen Böden ihre herausragende Qualität.


Genussregionen Burgenland

Im Burgenland ist die landwirtschaftliche Produktion vor allem an das pannonische Klima, aber auch an den Neusiedlersee mit seiner Flora und Fauna angepasst. Dementsprechend haben sich im Laufe der Zeit einige charakteristische Produkte im Burgenland entwickelt, denen auch eine Genussregion gewidmet wurde. Das Burgenländische Genuss- und Agrarmarketing ist die zentrale Marketingstelle und Serviceorganisation für regionale Produzenten. Es unterstützt landwirtschaftliche Betriebe bei der Umsetzung von Projekten, widmet sich der Bewusstseinsbildung rund um regionale Lebensmittel und setzt sich für die Steigerung der regionalen Wertschöpfung ein.

  • Kittseer Marille
  • Leithaberger Edelkirsche
  • Seewinkler Gemüse
  • Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel Steppenrind
  • Wiesener Ananas Erdbeeren
  • Mittelburgenländische Kaesten und Nuss
  • Mittelburgenland Bio-Dinkel
  • Zickentaler Moorochse
  • Südburgenländische Kräuter
  • Südburgenländischer Apfel
  • Südburgenländische Weidegans

genussregionen.at


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