Burgenland: Land der Vielfalt

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Burgenland

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Was fällt dem Reisenden sofort ein, wenn er an das Burgenland denkt? Weite, wilde Landschaften mit Ziehbrunnen und Steppengras, idyllische Weingärten, pannonische Musik, Franz Liszt, Josef Haydn, der Neusiedler See und die Lange Lacke, das Festspielland und die  besondere Architektur. Diese sympathischen Bilder muss man heute aber etwa um das Bild eines Landes der Windräder, die ein Symbol für den zukunftsweisenden technologischen Fortschritt sind, ergänzen. Die Energiewende hat noch lange vor der jetzigen Klimadebatte das Burgenland stromautark gemacht.

Da ist zuerst die großartige Natur, die einen Landschaftsbogen der besonderen Art von den sanften Hängen des Alpenvorlands über das Hügelland im Süden bis zur Steppe des Neusiedler Sees spannt. Wie schön das Burgenland ist, weiß die Welt nicht erst seit der Aufnahme der Landschaft um den Neusiedler See (ungarisch: Fertő tó) mit ihren Ortschaften, Kulturgütern und Naturwerten in die UNESCO-Welterbeliste als Kulturlandschaft »von außergewöhnlichem und universellem Wert« 2001. In das Bild der Landschaften fügt sich die Geschichte des Landes im historischen Spannungsfeld Österreich – Ungarn, die bis heute unverwechselbare Spuren hinterlassen hat. Die daraus resultierende Vielfalt aus Geschichte und Geschichten, aus starken Bildern und ebensolchen Menschen trägt dazu bei, dass das Bundesland im Osten Österreichs einen ganz charakteristischen Charme in die Welt hinausträgt.

Einst suchten die Burgenländer ihr Glück in Amerika. Ihre Verbundenheit zur Heimat ist geblieben.

Einst suchten die Burgenländer ihr Glück in Amerika. Ihre Verbundenheit zur Heimat ist  geblieben.

© Austrian Archives/Imago/picturedesk.com

Lebensgefühl Burgenland

Glauben Sie, dass Chicago die Stadt mit den meisten Burgenlandauswanderern ist? Schöne Story, aber einfach nicht wahr. Wien, Allentown und St. Paul in Minneapolis haben mehr. Verbrieft hingegen ist, dass das Burgenland mit seinen Auslandsbürgern einen regen Kontakt hat und dass so mancher, der sein Glück einst woanders suchte, es auch im Burgenland gefunden hätte. Warum man das weiß? Eine Anekdote belegt das. Dem  ehemaligen Landeshauptmann Hans Niessl erzählten Burgenlandauswanderer, dass sie niemals das Land verlassen hätten, wenn sie gewusst hätten, wie positiv es sich entwickeln würde.

Vergangenheit und Gegenwart des Landes verbindet eine einzigartige Vielschichtigkeit, die, und das ist das Spannende, beides gekonnt verknüpft. Diese Vielfalt steht für den, der das von außen betrachtet, am Ende des turbulenten Geschichtsverlaufs, ist aber gleichzeitig der logische Anfang einer Landesgeschichte, die geprägt ist von Toleranz und einem harmonischen Miteinander, von so manchen ethnischen Einflüssen und  von einem reichen Erbe, das sich von der Landschaft über die Kultur bis zur Küche hinzieht. Diese Landkarte der Geschichte und Gegenwart des Burgenlands ist bunt. Deutsche, Ungarn, Kroaten, Roma, Juden, Katholiken, Protestanten und Muslime leben in einem friedlichen Miteinander und bilden ihre Einzigartigkeiten ab. Natürlich gab es im Laufe der Geschichte auch Brüche, und vielleicht hat das Land auch deshalb eine so tiefe Erinnerungskultur. Mahnung und Zeichen für die Zukunft sind zum Beispiel der Garten der Erinnerung in Frauenkirchen, das Friedensmuseum in der Burg Schlaining, die Gedenkstätte Kreuzstadl oder der Grenzerfahrungsweg Bildein.

Das Ölgemälde »Löffler über der Langen Lacke« von Gottfried Kumpf (l.) soll mitverantwortlich für die Entstehung des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel gewesen sein.

Das Ölgemälde »Löffler über der Langen Lacke« von Gottfried Kumpf (l.) soll mitverantwortlich
für die Entstehung des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel gewesen sein.

© Ali Schafler/picturedesk.com

Berge, Künstler, Pannonien

Wie halten es die Burgenländer mit den Bergen? Wer weiß schon, dass zwei davon älter als die Alpen sind? Kein Witz. Zwischen Jois und Winden liegen zwei Erhebungen namens Jungerberg und Hackelsberg, die nicht sehr hoch, aber natürlich in der flachen Landschaft weithin sichtbar und eben echte Hingucker sind. Sie sind sogenannte Inselberge, so der geografische Fachausdruck. Und eigentlich sind sie ja Hügel und wirklich keine echten Berge, wie der Alpenländer sie kennt. Der Name für den einen, den Hackelsberg, ist auch im täglichen Sprachgebrauch verankert, den anderen, den Jungerberg, nennen die Burgenländer im Volksmund »Daunaberch«, was man mit »Tannenberg« übersetzen könnte. Und niemand weiß so recht, warum ein Berg oder ein Hügel mit »jung« im Namen eigentlich zu den Urbergen zählt, zumindest sagen das die Geologen. Diese Urberge sind älter als die gesamten Alpen, so die Forschung, und zwei davon stehen ausgerechnet im flachsten Bundesland Österreichs.

Von den zahlreichen Künstlern, die im Burgenland ihre nicht nur künstlerische Heimat gefunden haben, berichten wir in einer anderen Geschichte der Sonderausgabe. Hier sei der Maler, Grafiker und Bildhauer Gottfried Kumpf erwähnt, der mit einem Bild zur touristischen Entwicklung des Landes beigetragen hat. Sein Ölbild »Löffler über der Langen Lacke« soll dazu beigetragen haben, dass der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel entstehen konnte. Und dann ist da noch der Begriff Pannonien – eine Idee vom Klima bis zur Küche. Heute fast ein Markenname und ganz sicher ein Lebensgefühl der Menschen, das Herkunft, Landschaft und Speisen einschließt. Wenn es noch einen Beweis für die Vielfalt im Lande braucht, dann ist das die Basilika Maria auf der Heide in Frauenkirchen, eine Wallfahrtskirche mit dem schönsten barocken Kirchenraum des Burgenlands. Errichtet wurde sie von Francesco Martinelli, einem italienischen Baumeister, und am Hochaltar wachen zwei der drei heiligen Könige Ungarns, Stephan und Ladislaus, über das Gnadenbild Marias. Ein sehr schönes Symbol.

Die mittelalterliche Burg Schlaining wird 2021 Schauplatz der Jubiläumsausstellung »100 Jahre Burgenland«.

Die mittelalterliche Burg Schlaining wird 2021 Schauplatz der Jubiläumsausstellung »100 Jahre Burgenland«.

© Robert Haidinger

100 Jahre Burgenland und Genuss

Das Jahr 2021 ist ein großes Feierjahr für das Burgenland. Man begeht das 100-jährige Bestehen – wie könnte es im Burgenland anders sein – als großes Miteinander. Mit der Jubiläumsausstellung auf der Burg Schlaining zum Beispiel, die vom anerkannten Historiker Professor Oliver Rathkolb kuratiert wird. Während die Vorbereitungen auf das Jubiläumsjahr laufen, soll hier am Schluss die Kulinarik zu Ehren kommen.

Das Burgenland zeigt seine Vielfalt natürlich auch in der Küche, die immer nach anderen Kulturen schmeckt und den kulinarisch Reisenden Platz nehmen lässt an einer esskulturellen Tafel, die geprägt ist von bayerischen, ungarischen, kroatischen und jüdischen Einflüssen. Kennen Sie Umurken, Bogracs oder Halingstriezel? Oder wissen Sie, wer sich die Grammelpogatschen oder den Krautstrudel ausgedacht hat? Vermutlich und hoffentlich alle zusammen, denn das wäre nicht nur für die Küche ein schönes und geschmacklich köstliches Bild der Vielfalt, sondern auch eines, das nicht nur am Tisch eine freundschaftlich- traditionelle Verbindung eingeht, die auch in die Zukunft weist. Auch ein schönes Symbol.

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