Buchtipp: Ich koche, also bin ich

© Alexander Haselhoff

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Wer könnte es besser als der Vier-Hauben-Koch Rudi Obauer? In Österreich wohl niemand. Was aber kann er nun besser als manche andere? Den Menschen von heute erklären, worauf es beim Essen und Genießen ankommt. Oder überhaupt im Leben. »Ich koche, also bin ich« ist natürlich ein mehr als anspruchsvoller Titel mit großem »Vorbild«. (Cogito, ergo sum – ich denke, also bin ich – ist die verkürzte lateinische Übersetzung von »Je pense, donc je suis« des französischen Philosophen René Descartes (1596-1650) und gehört ganz sicher zu den drei meist zitieren Sätzen berühmter Philosophen.)

Und so liest man zuerst ein wenig skeptisch in diesem Plädoyer für Selbstverantwortung und Unabhängigkeit, um dann mit wachsendem Interesse und großer Freude weiter zu lesen und am Ende zu lernen. Ja, man lernt etwas bei der Lektüre von Rudi Obauers kochphilosophischer Abhandlung und das ganz ohne Zwang. Und am Ende ist man froh, dass es dieses Buch gibt und den besonderen Koch, der mit seinem Bruder Karl schon so viele Jahre auf sehr hohem Niveau und doch ohne Stargetue kocht. Warum das so ist? Weil Rudi Obauer ohne Pathos und Besserwisserei und sehr verständlich erklärt, wie man seine Küche wieder zu einem Ort der Gemeinschaft machen kann. Was es braucht, um kreativ zu kochen und dass man kein mehrgängiges Menü kochen muss, um ein guter Gastgeber zu sein. Und weil er einfach ein ganz besonderer Koch und Mensch ist.

Reduziert auf das Wesentliche

Es ist kein klassisches Kochbuch, das haben die Koch-Brüder Karl und Rudi schon geschrieben – mehrfach und ausgezeichnet. Es gibt keine Hochglanz-Fotos im schmalen, schön gestalteten Bändchen, dafür aber viele grundlegende Überlegungen des Kochs, der so ganz ohne Starallüren auskommt und gerade deshalb so glaubhaft ist. Diesmal geht es um das bewusste Zubereiten, aber auch um Zeit für das Kochen, das Einkaufen und auch die Muße, gemeinsam mit den Menschen zu genießen, die einem wichtig sind. Respekt spürt man zwischen den Zeilen für die Dinge des Lebens, den Begegnungen und auch den Unabwägbarkeiten, die das Leben oft in den Weg stellt. Und aus denen man auch gestärkt hervorgehen kann. Außerdem ist es ein wunderbares Plädoyer für bewusstes Einkaufen mit vielen besonderen Tipps, mit denen man besser kochen, essen und genießen kann. Rudi Obauer erklärt, warum Jahrtausende altes Salz kein Ablaufdatum haben kann und  warum »natürliches Erdbeeraroma« so gar nichts mit wirklichen Erdbeeren zu tun hat. Oder das teure Trüffelöl aus dem letzten Urlaub in Wahrheit nach der Substanz Bismethylthiomethan riecht.  Gleichzeitig plädiert er dafür, sich die Freiheit zu nehmen, den echten Geschmack zu erleben. Und so nimmt er die Leser auch mit auf einen Spaziergang durch den Wald und zeigt, was man alles kennen lernen kann. Er verrät, wo man echte Bio-Lebensmittel kaufen kann und auch, warum die meisten teuren und aufwändigen Küchengeräte für eine gute Küche gar nicht nötig sind.  Aber es gibt auch einige Rezepte im Band ohne Hochglanzfotos, ohne Mengenangaben, nur beschrieben, aber wunderbar dazu geeignet, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Fisch auf Backpapier, Obauers liebstes Erdäpfelgericht oder Brot und Pilze zum Beispiel.

Sein Weg in die Freiheit führt auch auf Märkte und zu Produzenten. »Stress«, sagt er, »manipuliert den Geschmack«. Und dass Unruhe und Rastlosigkeit die größten Feinde in der Küche seien. Er muss das ja wissen wie kein anderer.

»Ich möchte die Leute zum Denken anregen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und ich möchte sie dazu bewegen, das zu tun, was gut für sie ist.«
Rudi Obauer, Koch und Autor

Das ist natürlich sehr anspruchsvoll, aber eben auch seit vielen Jahren der Stil des Hauses Obauer. Und so ist auch dieses Buch auch eine Anleitung zum Erlernen von Qualitätsbewusstsein, in der Küche und für das Leben.     

INFO

© Ecowin Verlag

Ich koche, also bin ich
von Rudi Obauer und Klaus Kamolz

  • 114 Seiten
  • Ecowin Verlag

ISBN: 978-3-7110-0116-0Preis: Ö/D  EUR 16,00 (empfohlener VK-Preis)

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