Das Castello Banfi ist kein Weingut im herkömmlichen Sinn. Es ist vielmehr ein riesiges Unternehmen, das die Qualität der verschiedenen Produkte und Geschäftszweige auf hochprofessionelle Art und Weise zu optimieren sucht. Eingebettet zwischen den Flüssen Orcia und Ombrone erstreckt sich das Weingut Banfi auf 2.830 Hektar, von denen fast 1000 mit Wein bepflanzt sind. Außerdem werden Olivenhaine, Weizenfelder und Wälder bewirtschaftet. Sogar Trüffel gibt es am Gut Banfi. Das Weingut wurde erst Ende der 70er-Jahre gegründet, die Kellerei wurde 1984 eröffnet.

Es ist ein internationales State-of-the-Art Weingut, das von Beginn an viel in wissenschaftliche Forschung investierte. Besonders stolz ist die Familie Mariani auf die Klonforschung, die sie zusammen mit den umliegenden Universitäten betrieben hat: Es wurden 650 verschiedene Sangiovese-Klone erforscht, von denen schließlich 15 herausgearbeitet wurden, die den Charakter des Sangiovese am besten transportieren. Abgesehen vom Castello Banfi betreibt die Familie noch drei weitere Weingüter in Italien: in Bolgheri, im Chianti Classico-Gebiet und im Piemont.

Falstaff traf die charismatische Banfi-Eigentümerin Cristina Mariani-May zum Interview.

Falstaff: Wie war das Weinjahr 2014 im Montalcino? Welche Qualitäten dürfen wir erwarten?

Cristina Mariani-May: Es war ein sehr herausforderndes Jahr. Es hat viel geregnet und der Reifegrad der Trauben liegt unter dem Durchschnitt. Die Zuckergradation ist gering, die Säurewerte sind gut, wir rechnen mit früher Trinkreife. Grundsätzlich war es für Brunello ein gutes Jahr, aber die Qualität war nicht so konsistent wie wir es gewohnt sind. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir viele unterschiedliche Weingärten mit unterschiedlichen Klonen haben, wodurch wir die Probleme gut ausgleichen können. Leider war die Erntemenge insgesamt gering.

Waren die Wetterbedingungen in den anderen Weingütern in Italien ähnlich wie im Montalcino?

In Bolgheri und im Chianti Classico war es sehr ähnlich wie im Montalcino, die Entfernungen sind ja auch gering. Im Piemont lief es für uns sehr gut, was aber vor allem auf der Tatsache beruht, dass wir hier vor allem Schaumwein produzieren.

Ihre Familie kommt aus den USA, was ja auch ein wichtiger Exportmarkt ist – wie viel Wein wird insgesamt exportiert?

Ein Drittel unserer Weine bleibt in Italien, das ist unser wichtigster Markt. An zweiter Stelle kommen aber schon die USA. Insgesamt liefern wir in 90 verschiedene Länder rund um den Globus.

Sind in den USA mehr holz-lastige Weine gefragt?

Die Entwicklung ist ähnlich wie in Europa, der Trend geht zu weniger Holzeinsatz. Insgesamt könnte man sagen, dass sich die Nachfrage von Neuer Welt-Stilistik hin zu Alter Welt entwickelt.

Wie wichtig ist biologische Bewirtschaftung für Sie?

Die meisten unserer Weingärten werden biologisch bewirtschaftet. Schon alleine durch den Einsatz der am besten geeigneten Sangiovese-Klone ist weniger Pflanzenschutz notwendig.

Was halten Sie von Bio-Dynamie?

Ich finde das faszinierend, und wir experimentieren schon damit. Unser chilenisches Weingut Emiliana wird rein biologisch bewirtschaftet, einige Weingärten sind 100-prozentig bio-dynamisch. Die gewonnenen Erfahrungen werden wir bei allen unseren Weingütern einsetzen.

Sie werden mir aus ihrem großen Sortiment vermutlich keinen Lieblingswein nennen, aber welchen Jahrgang trinken Sie im Moment am liebsten?

Ich finde im Moment den Jahrgang 1997 am besten, ich liebe den 97er-Brunello! Aber eigentlich trinke ich noch lieber Weißweine, wie den »La Pettegola«, einen duftigen Vermentino vom Castello Banfi.


Verkostung
Importeur WeinWolf organisierte im Wiener Meinl am Graben eine große Vertikale, um die Entwicklungsmöglichkeiten der Brunelli sowie der Super-Tuscans aufzuzeigen. Eindrucksvoll wurde demonstriert, wie langlebig die Rotweine vom Castello Banfi sind. Besonders beeindruckt hat der Brunello Poggio all'Oro 1995, der von einer alten Einzellage kommt, die schon vor dem Engagement der Familie Mariani bestand: Wunderbar lebendig, sehr präzise Frucht, dunkle Kirschen, Dörrpflaumen in der Nase. Am Gaumen profitiert der Wein von einer guten Säurestruktur, die ihn immer noch richtig vibrierend erscheinen lässt. Trinkfreudige, saftige Textur, engmaschige Tannine.

(von Bernhard Degen)


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