John Travolta ist nicht ohne Grund Testimonial für Breitling: Er ­besitzt Lizenzen für viele ­Flugzeugtypen, unter anderem für eine Boeing 707. Sein Haus in Florida ist wie ein Flughafen ­gestaltet. Im ­Hintergrund: eine P52 Mustang aus dem Zweiten

Wir schreiben das Jahr 1952. Europa erholt sich von den Folgen des Kriegs. Erfindungen, die im Zweiten Weltkrieg Tod und Vernichtung mit sich gebracht haben, werden jetzt von der Wirtschaft für Wachstum und Wohlstand eingesetzt. Die Fliegerei hat in den Kriegsjahren einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht – in ­weniger als zehn Jahren hat sich die Entwicklung vom Doppeldecker zum Düsenflugzeug vollzogen. Vor diesem Hintergrund musste natürlich auch den Piloten eine dem Stand der Technik entsprechende Orientierungshilfe geboten werden. So entstand der Navitimer von Breitling. Der Chronograf verfügt über einen mechanischen »Navigationscomputer« – einen Rechenschieber auf der Lünette, mit dem sich alle flugspezifischen Berechnungen durchführen lassen. Noch bevor der Bordcomputer erfunden war, half die markante multifunktionale Rechenscheibe des Navitimers Piloten unter anderem bei der Ermittlung von Reichweiten unter Berücksichtigung des verfügbaren Kraftstoffs. Ebenfalls als praktisch erwies sich die Möglichkeit der Umrechnung von Meilen in Kilometer und umgekehrt. Weil der Zeitmesser damals re­volutionär war, wurde er sehr bald von der Aircraft Owners and Pilots Association, der weltgrößten Pilotenvereinigung, zur offiziellen Fliegeruhr ernannt. Die Faszi­nation für diese Uhr hält bis heute an. Die aktuelle ­Version des Navitimers ist mit dem neuen ­eigenen Automatik-Chronografenwerk B01 versehen und trägt den Namen Navi­timer B01.

Zum 125-jährigen Jubiläum 2009 wartete Breitling mit dem ersten eigenen Manufakturwerk auf, dem Säulenrad-Chronografen Kaliber B01. Er verfügt über Chronometerzertifizierung und stattliche 70 Stunden Gangautonomie. Seine neuartige Architektur birgt Besonderheiten wie ein patentiertes Selbstzentrierungssystem, einen Herzhebel für die Nullstellung sowie eine exklusive Rückervorrichtung, die es ermöglicht, die ­Regulierung einfach und schnell auf den Träger abzustimmen. Auch hinsichtlich automatischer Fertigung und Wartungsfreundlichkeit wurden neue Wege beschritten. Dieses komplett von Breitling entwickelte und selbst hergestellte Werk wurde, ebenfalls 2009, erstmals in einem überarbeiteten Modell des Chrono­maten eingesetzt: dem Modell Chronomat B01. Ein eigenes Chronografenwerk ist etwas ganz Besonderes. Selbst bekannte Manufakturen haben oft kein eigenes Werk mit Stoppfunktion.

 

 

»Chronograph Bracelet«: erstmals mit Chrono­gra­fenzeiger und Zähler für 30 Minuten / Foto: © Breitling
»Chronograph Bracelet«: erstmals mit Chrono­gra­fenzeiger und Zähler für 30 Minuten / Foto: © Breitling

Favorit unter den PilotenAn der Form der Navitimer hat sich bis heute nichts geändert, nur am Design wurden leichte Retuschen vorgenommen, um sich dem Stil der Zeit anzupassen. Selbstverständlich wurde die Uhr im Laufe der Zeit um zahlreiche Komponenten ergänzt, etwa um eine Rückflugfunktion. Mit der aktuellen Chrono­matic erweist Breitling dem ersten automatischen Chronografen von 1969 eine Reverenz. Er war eine Weiterentwicklung der Navitimer – aus Konstruktions­gründen befand sich die Krone links statt rechts am Gehäuse. Heute können sich Piloten zwar auf allerlei Elektronik verlassen, die Navi­timer bleibt aber für viele die Lieblingsuhr. Achten Sie doch bei ­Ihrer nächsten Begegnung mit einem Berufspiloten einmal auf sein Hand­gelenk – in der Hälfte aller Fälle trägt er den berühmten Chronografen. Taschenuhren als AusgangspunktUnd wie hat sich die Uhrenmarke diesen Platz erobert? Léon Breitling, Sohn deutscher Eltern, die Ende des 19. Jahrhunderts auf der Suche nach Arbeit in die Schweiz umgezogen waren, zeigte sich schon während seiner Uhrmacherlehre von der Idee der exakten Messung kurzer Zeit­spannen fasziniert. Im Alter von erst 24 Jahren fertigte er 1884 in Saint-Imier den ersten Zähler-Chronografen in eigener Regie. Demnach wird die Gründung der Marke Breitling auf dieses Jahr datiert. Im Jahr 1892 zog der junge Breitling in die Uhrmacherstadt La Chaux-de-Fonds. Dort spezialisierte man sich in der neu errichteten Produktionsstätte G. Léon Breitling S. A., Montbrillant Watch Factory zunächst auf ­Taschen-Chronografen.Die Geburtsstundes des ArmbandchronographenAls Léon Breitling 1914 mit nur 54 Jahren starb, ging die Manufaktur auf seinen Sohn über. Gaston Breitling begann, sich im Zuge der damals neuen Entwicklung der Luftfahrt für Fliegerei zu interessieren, und stellte Überlegungen an, wie sich Uhren dabei einsetzen lassen. Bereits ab 1914 wurden Armbanduhren mit Chronograf für sportliche und militärische Zwecke gefertigt, und 1915 produzierte Gaston Breitling den ersten Armbandchronografen mit zentralem Sekundenzeiger und 30-Minuten-Zähler. Mit diesem Handgelenksinstrument ermöglichte er es Flugzeugpiloten, Messungen der Flugzeit und weitere Berechnungen durchzuführen. 1923 entwickelte Breitling den ersten Chronografendrücker; zuvor war der Start und die Rückstellung der Kurzzeitmessung noch über die Aufzugskrone erfolgt.Königliche ZeitmesserGaston Breitling starb am 30. Juli 1927. Erst 1932 konnte Willy, sein einziger Sohn, die Firmenleitung übernehmen. Er setzte die Innovationstätigkeit seines Vaters fort. Schon 1930 hatte die Firma rund 40 verschiedene Chronografenmodelle anzubieten. Die Erfindung des zweiten Chronografendrückers 1934 untermauerte die Vorrangstellung. Im Jahre 1936 brachte ­Willy Breitling einen berühmt gewordenen Bordchronografen für Flugzeuge auf den Markt, der später von mehr als 30 Luftfahrtgesellschaften verwendet wurde. Breitling beliefert seither die Royal Airforce mit Borduhren für ihre Flugzeuge.

Chronomat 44 gmt: ein Reisechronograf in neuem Format / Foto: © Breitling
Chronomat 44 gmt: ein Reisechronograf in neuem Format / Foto: © Breitling

Chronomat 44 gmt: ein Reisechronograf in neuem FormatFliegeruhren-Ikone1942 präsentierte Breitling das Modell Chronomat, einen Chronografen mit Rechenschieber und Handaufzug, der bei den amerikanischen Streitkräften (US Army Air Force) offiziell eingeführt wurde. Der Name vereinigt übrigens »Chronograf« mit »Mathematik« (nicht »Automat«!), in Anspielung auf die mit der Uhr möglichen Berechnungen. Und 1952 entwickelte Breitling eben den »Navitimer«, die Uhr mit eingebautem Rechenschieber. Den Namen Navitimer ließ Breitling zwar erst am 22. Januar 1955 beim eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum schützen, doch die eigentliche Geburtsstunde dieser Fliegeruhren-Ikone ist eben 1952. In diesem Jahr wurde nämlich bereits mit der Produktion dieses innovativen Flieger-Chronografen mit Handaufzugswerk begonnen. Und damit legte Breitling den Grundstein für jene Ikone der Uhrmacherkunst, die die Marke heute noch weltweit prägt.Doch das aufstrebende Unternehmen ruhte sich nicht auf seinen Erfolgen aus. 1962 entwickelte Breitling die »Cosmonaute«, die der Astronaut Scott Carpenter bei seiner Weltraummission mit der Kapsel Aurora 7 am 24. Mai 1962 trug. Diese Uhr verfügt über ein 24-Stunden-Zifferblatt.Automatischer AufzugIm Jahr 1965 schlossen sich die Schweizer Firmen G. Léon Breitling S. A. in Genf, Heuer-Leonidas S. A. in Biel und Dubois Dépraz S. A. in Le Lieu zu einem geheimen Projekt zusammen, um gemeinsam den ers­ten Chronografen mit automatischem Aufzug der Welt auf den Markt zu bringen. Die Firma Buren S. A. aus Büren an der Aare hatte dabei den Auftrag, das automatische Uhrwerk zu entwickeln; Dubois Dépraz lieferte dazu, komplett auf einer Platine montiert, den Chronografenmechanismus. Am 3. März 1969 stellten sie gleichzeitig in Genf, New York, Hongkong und Beirut ihr Produkt unter dem Namen »Chronomatic« vor, bei dem das Federhaus der Uhr mittels einer exzentrischen Schwungmasse, eines Microrotors, aufgezogen wird. Aufgrund der Werkkonstruk­tion befindet sich die Krone links. Eine Weltmarke gerät ins TrudelnDann aber wurde diese Technik durch ­einen Kristall verdrängt: den Quarz, der 32.768-mal pro Sekunde schwingt und so die Mechanik als Mechanismus zur Anzeige der Zeit verdrängt. Mechanische Uhren wurden quasi über Nacht obsolet – und weitgehend wertlos. Die Fliegeruhr Breitling geriet ins Trudeln. Und die Landung war hart: Die ­Produktion musste eingestellt werden. Kurz darauf, im Mai 1979, starb Willy Breitling.Der Industrielle Ernest Schneider, selbst ein begeisterter Pilot, kaufte daraufhin die Markenrechte und ließ das alte Firmenprogramm sportlicher Armbandchronografen wieder aufleben. Sitz der am 30. November 1982 amtlich registrierten neuen »Breitling Montres S. A.« ist nun Grenchen.RenaissanceDie Marke Breitling erlebte im Zuge der Renaissance der Mechanikuhr einen rasanten Wiederaufstieg. Auslöser war vor allem der 1984 vorgestellte Chronomat, der mit seinem neuen auffallenden Design großen Anklang fand. Dieser Chronograf mit automatischem Aufzug war für die italienische Fliegerstaffel »Frecce Tricolori« ent­wickelt worden und widersteht Beschleunigungen von bis zu 20 g. Die markanten ­Pilotenuhren trafen das Herz der Technik- und Flugbegeisterten, und Breitling festigte seine Position in diesem Marktsegment. Der Chronomat hat mit seinem Vorgänger von 1942 allerdings nur den Namen gemeinsam. Die damalige Uhr ähnelte sowohl in ihrem Aussehen als auch mit ihrem integrierten Rechenschieber eher dem Modell Navitimer.InnovationenBreitling ging wieder in einen ruhigen Steigflug über. In den folgenden Jahren schickte das Unternehmen eine Reihe von ­interessanten Neuentwicklungen auf die Startbahn. Mit der Emergency präsentierte das Unternehmen 1995 als Weltneuheit eine außergewöhnliche Expeditionsuhr, die im Ernstfall Leben retten kann. Es handelt sich um eine Quarzuhr mit eingebautem Minisender, der auf der Frequenz 121,5 MHz Notrufsignale abstrahlen kann.Eine weitere bekannte Uhrenreihe des Herstellers trägt den Namen »Montbrillant«, in Anlehnung an die Rue Montbrillant als Sitz der Breitling-Fabrik in La Chaux-de-Fonds. Das Sondermodell Montbrillant 1903 erschien 2003 als Hommage an den historischen Flug der Gebrüder Wright, der genau hundert ­Jahre vorher, am 17. Dezember 1903, die ­Geburtsstunde der Fliegerei markiert hatte. In einer Kooperation mit dem Luxus-Fahrzeughersteller Bentley lancierte Breitling die Modellserie Breitling for Bentley. Im Jahr 2004 kam mit dem Modell Breitling for Bentley Le Mans der bis dato größte in diesem Haus ­gefertigte Chronograf auf den Markt.

Breitling Logo, beigestellt
Breitling Logo, beigestellt

Außergewöhnliche WerbeträgerDoch Technik allein ist nicht alles. Technologische Spitzenleistung braucht auch Personen, die die Qualitäten der Uhrenmarke glaubhaft vermitteln. Breitling ging deshalb auf die Suche nach Werbetestimonials, die authentisch sind – und wurde auch fündig. Das Unternehmen wurde zunächst der Hauptsponsor der ersten Nonstop-Ballonfahrt um die Erde: Der Ballon Orbiter 3 des Schweizers Bertrand Piccard und des Briten Brian Jones erschien mit dem unübersehbaren Schriftzug »Breitling« fast drei Wochen lang in allen Nachrichten, bevor der Flug nach einer Zeit von genau 19 Tagen, 21 Stunden und 47 Minuten am 21. März 1999 erfolgreich abgeschlossen wurde.Den prominentesten Werbeträger aber hat Breitling natürlich nicht nur wegen seiner ­Talente als Filmschauspieler gewählt: John Travolta ist auch leidenschaftlicher Pilot. Er ist in der Lage, eine Boeing 747 zu fliegen, und besitzt quasi hinter seinem Haus eine Start- und Landebahn für solche Vögel und eine ganze Reihe weiterer Flugzeugtypen – für die er natürlich alle eine Zulassung hat. Es gibt viele Uhrenmarken, die ihr Image durch prominente Filmschauspieler, die ihre Werke tragen, aufpolieren lassen. Aber bei der Fliegeruhrenmarke Breitling laufen Werbung und Wirklichkeit präzise aufeinander abgestimmt und synchron.Text von Thomas MartinekAus Falstaff Nr. 08/2012

 

 

 

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