Das Vegetationsjahr 2013 verlief in Bordeaux ähnlich wie in den meisten anderen Teilen Europas – wenngleich mit noch extremeren Wetterkapriolen. Nach einem langen Winter begann das Frühjahr spät, besonders der Monat Mai war kühl und regnerisch, und im Juni führten abermals ergiebige Niederschläge zu einer schlechten Blüte. Der Juli war überwiegend heiß und trocken, Ende des Monats jedoch setzte stürmisches Wetter ein, das im Médoc viele Bäume knickte und entwurzelte – so etwa 20 Weiden bei Château Lafite-Rothschild. Am 26. Juli sowie am 2. August zerstörten gewaltige Hagelstürme die Weinberge im Gebiet Entre-deux-Mers. Betroffen waren etwa 10.000 Hektar – allerdings blieben die prestigereichen AOC Saint-Émilion und Pomerol weitgehend verschont. Der sonnige und warme Rest des Monats August konnte nicht verhindern, dass der Farbumschlag gute drei Wochen später als üblich einsetzte, etwa um den 20. August. Auch die Lese begann ungewöhnlich spät – und bei feuchtem Wetter: Ende September wurde der Merlot in einem Wettlauf gegen die um sich greifende Botrytis eingebracht, nur wenige Tage später auch der Cabernet Sauvignon. Die Menge der Rotweinernte liegt 20 Prozent unter der eines durchschnittlichen Jahrgangs. Einige Châteaux – so etwa das 110-Hektar-Gut Malescasse im Haut-Médoc – haben sogar angekündigt, den Jahrgang ausfallen zu lassen. Der gesamte 2013er-
Ertrag wird als generischer Haut-Médoc 
ohne Nennung des Château-Namens auf 
den Markt gelangen.

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Skepsis ist berechtigt
Bei der Verkostung der Fassmuster Anfang April wurde dieses Jahr schnell klar, dass die schon vorab zu vernehmenden skeptischen Stimmen weitgehend berechtigt sind. Die verzögerte Vegetationsperiode und die kräftigen Niederschläge im Herbst stellten die Winzer in allen Regionen des Bordelais vor enorme Probleme. Den am schlimmsten misslungenen Weinen gelingt es kaum, pilzige Untertöne – Folge der Botrytis – zu verbergen. 
In der Gaumenstruktur sind sie zudem dünn: Denn der Gesundheitszustand der Trauben und die unreifen Phenole ließen eine stärkere Extraktion bei diesen Weinen nicht zu. Die Streuung der Resultate ist indes enorm: So haben etwa Güter, die im Weinberg und bei der Lese mit enormer Akribie gearbeitet haben (und die über ein hinlänglich gut drainierendes Terroir verfügen), durchaus reintönige, harmonische Weine gekeltert. Über einen mittelgewichtigen Extraktgehalt kommen aber auch die besten Weine nicht hinaus.
Bei den Regionen und Sorten gibt es keine eindeutigen Gewinner. Der Tendenz nach litt der Merlot schlimmer unter Fäulnis als Cabernet Sauvignon; allerdings musste auch der Cabernet in der Regel früher gelesen werden, als es wünschenswert gewesen wäre. Im Médoc scheinen die nördlichen Gemeinden tendenziell besser davongekommen zu sein als Margaux – allerdings gibt es auch zahlreiche Gegenbeispiele. Am Rechten Ufer hinterließen die Weine vom Kalkplateau Saint-Émilion den besten Eindruck, -Pomerol zeigte sich sehr heterogen.

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En-Primeur-Kauf drängt sich nicht auf
Die trockenen Weißweine haben eine feinnervige Anlage und sind im Allgemeinen besser als die Rotweine, allerdings mussten auch sie deutliche Einbußen in puncto Intensität und Länge verzeichnen. Zuletzt haben Sauternes und Barsac recht gute Weine im Keller – nicht überraschend in einem Jahr mit Botrytisneigung. Deutlich überdurchschnittlich sind die Weine allerdings auch nur dort, wo die Fäulnis nobel war und ausreichend reife Trauben befiel. Der En-Primeur-Kauf der 2013er-Weine drängt sich nicht auf. Interessant könnte -allenfalls der eine oder andere gelungene mittelgewichtige Wein sein – für den relativ raschen Konsum. Grund zur Eile beim Kauf besteht dabei jedoch nicht: Denn die En-Primeur-Preise sind auch dieses Jahr künstlich hoch angesetzt – eine Spekulation der Châteaux darauf, dass ausreichend viele Händler kaufen, um ihre Allokation zu wahren. Es ist davon auszugehen, dass 
die Preise für die 2013er-Weine früher 
oder später deutlich nachgeben werden.

Zu den Verkostungsnotizen der En Primeur-Tastings 2013

von Peter Moser

Aus: Falstaff-Magazin Nr. 3/2014

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