Bienen retten, Honig essen

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Die Luft an diesem herrlich warmen Spätsommertag im niederösterreichischen Kamptal surrt buchstäblich vor Geschäftigkeit. Während die Menschen es sich vor dem nahenden Herbst noch einmal an den Stränden der Stauseen gutgehen lassen, sind andere Bewohner des Kamptals mit nicht enden wollendem Fleiß bei der Arbeit: Es sind Millionen von Bienen, die hier, in der Nähe von Krumau, auf einer saftigen Wiese von Blüte zu Blüte fliegen, um den Nektar zu sammeln, der später zu allerbestem Honig werden soll.

So spät im Sommer tragen sie in der Hauptsache zur Erhaltung der Artenvielfalt an Wildpflanzen und Kräutern aller Art bei – im Frühling aber, wenn die Obstbäume und Gemüsekulturen in voller Blüte stehen, dann leisten sie mit ihrem Fleiß unschätzbar wertvolle Arbeit für die Ernährung des ganzen Landes.

Umso alarmierender sind die Nachrichten vom Sterben tausender Bienenvölker, das offenbar auf den Einsatz gewisser Insektizide zurückzuführen ist, aber auch mit der immer stärker um sich greifenden Monokultur in der Landwirtschaft verknüpft ist. Wenn sich die Mais-, Rüben- und Getreidefelder bis zum Horizont im Wind wiegen, dann sieht das auf den ersten Blick vielleicht pittoresk aus – für die Artenvielfalt und die Lebensgrundlage unserer Bienen aber zeichnet es gar kein zukunftsfrohes Bild.

»Noch vor 30 Jahren stolperte man hier geradezu über Rebhühner und Fasane, Igel und Maulwürfe«, erzählt Ernst Brandl, Imker in Krumau sowie Rechtsanwalt in Wien. »Und im Lauf der Zeit sind fast alle diese Lebewesen verschwunden.« Diese Beobachtung wird von vielen Menschen geteilt und auch von der Wissenschaft bestätigt. Wo früher Hecken und Feldeinfassungen wilden Tieren, aber auch einer Vielzahl wertvoller Wildpflanzen Lebensraum und Rückzugsorte boten, sind heute planierte Felder soweit das Auge reicht: gut für große Traktoren und Erntemaschinen, schlecht für die Artenvielfalt und das Überleben der Bienen.

Engagierte Imker wie Ernst Brandl setzen sich mit ihrer Arbeit für die Erhaltung der Bienen ein und schaffen wertvolle Rückzugsorte.

Engagierte Imker wie Ernst Brandl setzen sich mit ihrer Arbeit für die Erhaltung der Bienen ein und schaffen wertvolle Rückzugsorte.

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Dass mit den Bienen auch zahllose andere, für den Nahrungskreislauf unerlässliche (aber weniger »süße«) Insekten verschwinden, weiß jeder, der mit dem Auto häufig über Land fährt: Wo früher die Windschutzscheibe nach kurzer Zeit durch herumfliegende Insekten verschmutzt war, bleibt sie heute oft über hunderte Kilometer gespenstisch sauber. Kurz gefasst: Insekten sterben, die wichtigste Nahrungsquelle für Vögel und viele andere Tiere geht damit verloren, die Artenvielfalt, das ökologische Gleichgewicht, die Zukunft der Natur und damit auch unserer Ernährung stehen auf dem Spiel.

Brandl hat sich, wie viele andere engagierte Imker, die Rettung der Bienen und ihres Lebensraums zum Ziel gesetzt. Rund um sein Wochenenddomizil bei Krumau hat er seinen Bienenvölkern im Lauf der Jahre ein wahres Paradies geschaffen. Seit zwei Jahren ist Ernst Brandl mit seiner Initiative

»Mielo« auch im Tullnerfeld aktiv, wo ein Geschäftsfreund ihm nicht mit Pestiziden bewirtschaftete Flächen zu einem vergünstigten Pachtzins überlässt. In der unmittelbaren Umgebung der auf knapp 70 Völker angewachsenen Stände stehen den Bienen rund 100 Hektar nachhaltig bewirtschafteter Äcker und Wiesen sowie weitere rund 500 Hektar Wald zur Verfügung, um Nektar und Pollen für Brandls »Mielo«-Honig zu finden. Die Dimension ist groß: Im Sommer sind bis zu 3,5 Millionen Bienen auf unbelasteten Flächen in der Größe von 143 Fußballfeldern unterwegs.

Projekte wie »Mielo« im niederösterreichischen Krumau sind Hoffnungsträger für eine gesunde Zukunft unserer Bienenvölker.

Projekte wie »Mielo« im niederösterreichischen Krumau sind Hoffnungsträger für eine gesunde Zukunft unserer Bienenvölker.

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Auch anderswo sind wertvolle Initiativen angelaufen, um den Bestand der heimischen Bienen zu erhalten. Für Feinschmecker ist das natürlich doppelt gut: Honig aus solch pestizidfrei bewirtschafteten Flächen schmeckt dank der Vielzahl an Kräutern, Blumen und Stauden, die den Bienen zur Verfügung stehen, unvergleichlich aromatischer und komplexer als konventioneller Honig. Naturmediziner sind außerdem überzeugt, dass die pflanzlichen Wirkstoffe, die in so einem Glas flüssigen Goldes verpackt sind, dem Organismus als Ganzes und dem Immunsystem im Besonderen zugute kommen. Und, vielleicht am allerwichtigsten: Der Kauf solch nachhaltig produzierten Honigs ist nicht nur eine Investition in höchsten Genuss und Wohlbefinden, sondern auch ein kleiner, aber umso wichtigerer Beitrag zur Rettung der Welt.

Weil Honig sich über das Frühstücksbrot und Müsli hinaus in vielfältiger Weise kulinarisch einsetzen lässt, haben wir uns auf den folgenden Seiten eine Reihe köstlicher Rezepte einfallen lassen. Ganz bewusst solche salziger Natur – denn, dass Bienenstich und Pfeffernüsse, Honigschnitte und Lebkuchen ganz köstliche Leckereien sind, wissen wir eh noch von der Oma!

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SOS fürs süße Gold!

Mit seinem »Projekt 2020« bündelt der Lebensmittelhändler Hofer seine Nachhaltigkeitsaktivitäten und sein gesellschaftliches Engagement. Ein Eckpfeiler der Initiative ist das so genannte Bienen-Projekt.

Um auch den nächsten Generationen eine lebenswerte Welt bieten zu können, startete Hofer im April 2013 das »Projekt 2020«. Bereits von Anfang an war der Fokus des Projekts auf ganz besondere Lebewesen gerichtet – und zwar auf Bienen und den Schutz ihres natürlichen Lebensraums. Zum Beispiel wurde in der Sattledter Zentrale ein eigenes Bienenhotel errichtet, das inzwischen bis zu 100.000 »Gäste« zählt, außerdem wurden in der burgenländischen Gemeinde Ritzing blütenreiche Straßen- und Wegränder gepflanzt sowie ein Projekt zur Pflege und zum Erhalt von alten Obstbäumen auf Streuobstwiesen im oberösterreichischen Naturpark Obst-Hügel-Land umgesetzt. Diese und viele weitere Projekte werden im Rahmen des Bienenschutzfonds ermöglicht, den Hofer vor sechs Jahren mit dem Naturschutzbund gegründet hat und der inzwischen mit über 400.000 Euro dotiert ist. Dieser Fonds unterstützt lokale Bienenprojekte, die sich dem Schutz von Wildbienen und der Bewusstseinsbildung widmen. Ein besonderes Augenmerk dieser Projekte liegt auf dem Schutz des natürlichen Lebensraums von Wildbienen, zu denen auch Hummeln ­gehören.

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23.000 m² Blumenwiesen

Dieser Schutz sieht mitunter so aus: Bei den Niederlassungen in Loosdorf und Trumau wurden jeweils 5000 m2 große Grundstücke in bunte Blumenwiesen verwandelt. Auch bei der Hauptniederlassung in Sattledt wurde aus einem 3000 m² großen Grundstück ein wahres Bienenparadies, summa summarum wurde eine Gesamtfläche von über 23.000 m2 begrünt.

Um den Aufwand nachvollziehen zu können, muss man natürlich auch einer Frage nachgehen: Warum gerade Bienen? Fakt ist, dass das Bienensterben inzwischen zu einem akuten Problem geworden ist, wofür umweltgefährdende Pestizide, fehlende Nistplätze und zu wenig Nahrung verantwortlich sind. Und die Tragweite dieser Problematik betrifft nicht nur das süße Gold, den Honig, den uns die Bienen schenken: Denn durch ihre Bestäubungstätigkeit sorgen sie schließlich auch dafür, dass aus Blüten Früchte werden – und ohne diesen Kreislauf gäbe es rund ein Drittel unserer Lebensmittel nicht.

Honig-Rezepte

Was tun mit dem guten Bio-Honig? Falstaff hat ein paar Ideen gesammelt:

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