Beweggründe sozialer Projekte: Oehlers Philosophie

Frank Oehler ist als Sternekoch, TV-Star und Kochbuchautor bekannt.

© Foto beigestellt

Frank Oehler ist als Sternekoch, TV-Star und Kochbuchautor bekannt.

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Frank Oehler reist für seine sozialen Projekte direkt zu der Bevölkerung, für die er sich einsetzt. Sich selbst ein Bild von der Lage vor Ort zu machen, lautet sein Credo. Auch über andere Kontinente und den Lebensbedingungen der dort lebenden Menschen nachzudenken, ist Oehler ein Anliegen.

KARRIERE
Herr Oehler, Sie sind Sternekoch, TV-Star, Kochbuchautor. Fernab des Blitzlichtgewitters engagieren Sie sich auch für soziale Projekte, wie »Brot für die Welt«. Welche Beweggründe treiben Sie an?

OEHLER
Eben genau fernab, im Verborgenen und Ruhigen, bewertet man Dinge aus einer anderen Sichtweise. Dies geht am besten, wenn man Theorie zur Praxis werden lässt und sich vor Ort um ein Projekt kümmert. Wenn man weiß, dass unser Planet allen Menschen gehört, und darauf Rücksicht nimmt, fällt es einem nicht wirklich schwer, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Wenn sich an der Lage Afrikas nichts ändert, dann hat dies auch auf die anderen Kontinente eine Auswirkung. Deshalb ist es äußerst ratsam, sich über die Thematik klar zu werden und zu reagieren.

Sie reisten 2016 aus diesem Grund nach Mosambik. Sie informierten sich bei lokalen Bauern und Produzenten über die einheimische, regionale Zubereitung der angebauten Lebensmittel. Welche Eindrücke konnten Sie gewinnen?

Mosambik könnte das Norwegen Afrikas werden, weil die fruchtbaren Böden sehr viele Bodenschätze in sich bergen. Deshalb der Besuch bei Bauern und Produzenten, um herauszufinden, was mit den Einheimischen kommuniziert wird und wie weit sie eingewiesen werden in die Schätze des Landes und deren Anbau und Ernte. Überrascht hat mich die unglaubliche Bescheidenheit der Mosambikaner. Es mag Menschen im Land geben, die an Hunger leiden, aber nicht an seelischer Armut wie so oft in westlichen Ländern. Burn-out ist dem Mosambikaner ein Fremdwort und die ganze europäische Benchmark-Kultur ist Afrika momentan noch erspart geblieben.

Insbesonders Aktivitäten wie gemeinsame Kochkurse haben Ihnen zugesagt bzw. haben Sie als großes Potenzial gesehen.

Der Kochkurs in Maputo war das faszinierendste Erlebnis meines Aufenthaltes. Kochen ist Kommunikation und eine ganz eigene Sprache für sich, kulinarisches Esperanto, könnte man sagen. Wir hatten primitivstes Handwerkzeug zur Verfügung und waren deshalb auf Fantasie und Kreativität angewiesen, was unserem Gericht noch viel mehr »Seele« eingehaucht hatte. »Weniger ist mehr« – eine wunderbare Maxime.

»Kochen ist eine Sprache für sich.«
Frank Oehler, TV-Koch

Über Frank Oehler

1964 in Mussenhausen geboren, kochte Oehler nach seiner abgeschlossenen Ausbildung zum Koch u. a. im Team von Dieter Müller im Sternerestaurant »Schweizer Stuben« in Wertheim-Bettingen und als stellvertretender Küchenchef bei Anton Mosimann in London. Er erkochte einen Stern als Küchenchef im »Las Dunas«/Marbella und anschließend einen Stern als Küchendirektor im »Hotel Erbprinz« in Ettlingen, bevor er 2008 die »Speisemeisterei« im Stuttgarter Schloss Hohenheim übernahm. Bereits in der folgenden Ausgabe nach der Eröffnung wurde die »Speisemeisterei« mit einem Stern ausgezeichnet.

www.speisemeisterei.de

Interview aus Falstaff KARRIERE 02/2017.

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