Bed & Art: Kunsthotels im Fokus

»Harmonie Vienna«: Die Location im ehemaligen Theaterviertel inspiriert zum Tanz-Motto.

© Cathrine Stukhard

»Harmonie Vienna«: Die Location im ehemaligen Theaterviertel inspiriert zum Tanz-Motto.

© Cathrine Stukhard

»Internationale Fotoausstellung zeigt die bekanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts im Sofitel Munich Bayerpost.« So lesen sich Schlagzeilen von Presseaussendungen, auf die Journalisten reflektieren. Eine sympathische Meldung – unter Garantie inklusive erstklassigem Bildmaterial. So mag man das als Redakteur. Und wenn es nur eine kleine Meldung im Hochglanzmagazin ist – das Hotel hat damit Aufmerksamkeit.


Wir leben in Zeiten, in denen man nicht mehr darüber diskutiert, ob man als Hotelier etwas Besonderes anbieten muss. Ja, man muss. Die Zahlen der Gästenächtigungen mögen steigen, wie Tourismusverbände unermüdlich melden, aber die Konkurrenz wird auch nicht weniger.


Nicht selten werden Hotels zur Destination an sich. Kultur – und insbesondere Kunst – kann hierbei ein entscheidendes Kriterium sein. Wer nach Wien reist, um sich Klimt und Schiele zu nähern, möchte vielleicht auch in einem sogenannten Kunsthotel nächtigen. Hoteliers wissen das – und reagieren. So fungieren Hotels als verlängerter Arm lokaler Galerien, führen bei entsprechender Größe einen kleinen »Art shop« oder werden sogar selbst zum Inhalt der Werke. Ob »Artist in Residence«-Programm oder Installation, die direkten Bezug zur Geschichte des Hauses nimmt – möglich ist, was nicht aufgesetzt wirkt. Und: Kunst als USP (Unique Selling Proposition) ist nicht etwa Stadthotels internationaler Luxus-Ketten vorbehalten, wie etwa Walter Junger, CEO & Founder H12 (HK) Limited, beweist.

1. Der Hotelier & Speaker

Zig Hoteleröffnungen in China, Südostasien und Europa hat der gebürtige Salzburger umgesetzt. Sein eigenes »Bergjuwel«, wie er sagt, ist das »Hotel12« in den Kärntner Alpen. Die 12 Zimmer und Suiten wurden von 12 internationalen Künstlern gestaltet – insgesamt sind es über 130 Kunstwerke. Junger: »Man schläft hier nicht in einem Hotel oder besucht eine Galerie – nein, man schläft in einer Galerie.« Und das wirkt, so Junger. »Kunst generiert nicht nur Kunden, sondern erzählt auch eine Geschichte. Eine gute Möglichkeit der nachhaltigen Kundenbindung. Mit einem gut geplanten und durchdachten Kunstprogramm, welches nicht per se teuer sein muss, kann ein Gasterlebnis kreiert und verbessert werden. Hinter der Kunst steht eine Schöpfungsgeschichte, eine Quelle der Inspiration, welche Gespräche mit und zwischen den Gästen entfachen und ein USP sein kann. Mit einem Kunstprogramm, das etwa lokale und kulturelle Elemente beinhaltet, ermöglicht man den Gästen einen Einblick in die Region aus einer anderen, künstlerischen Perspektive.«

»Kunst generiert nicht nur Kunden, sondern erzählt auch eine Geschichte. Eine gute Möglichkeit der nachhaltigen Kundenbindung.«
Walter Junger, CEO H12 (HK) Limited

Junger, der auch als Referent auftritt, zitiert gerne seinen Lieblingskünstler Pablo Picasso: »Da gibt es den Künstler, der aus einer Sonne einen gelben Punkt macht, aber es gibt auch den Künstler, der aus einem gelben Punkt eine Sonne kreiert.« Der Wahl-Berliner sieht es selbst ähnlich, wenn er sagt: »Genau dieses Prinzip müssen wir überall anwenden! Es reicht heute nicht mehr aus, auf der grünen Wiese ein schönes Hotel im Alpenbarock unter dem Motto ›Wir bauen es und die Gäste werden kommen‹ hinzustellen. Das neue Motto lautet: ›Das Außergewöhnliche ist das neue Gewöhnliche.‹

Die Aufgabe ist: aus Gästen Fans machen. Das 
erreicht man durch:

  1. Außergewöhnliches Design
  2. Restaurantkonzepte, die auf den lokalen Gast abzielen, um das Hotel als neues Zentrum in der Gemeinschaft zu platzieren
  3. Herzlichen und persönlichen, aber gleichzeitig entspannten Service
  4. Kunst als vierte Dimension neben Design, Service und Kulinarik

2. Die Wohn- und Architekturpsychologen

Nicht jeder kann ein geborener Kunstkenner sein. Manch einer fängt vielleicht gerade erst an und beschäftigt sich noch mit grundlegenden Fragen in Richtung »Wie wirkt diese und jene Farbe?« oder »Erdrückt ein großes Bild nicht ein kleines Zimmer?« KARRIERE nimmt Ihnen diesen Teil der Arbeit ab und fragt bei den Experten des »Institut für Wohn- und Architekturpsychologie« nach.

KARRIERE Gibt es psychologische Tipps und Tricks, wie man Kunst in einem Hotel platzieren sollte?

HERBERT REICHL
Wenn es um eine beruhigende Wirkung geht, dann sollte der Kunstgegenstand präsent, aber nicht aufdringlich sein. Der ganze Raum ist relevant. Am besten ist es, sich zu überlegen, wie man sich in einem Raum fühlen soll. Die Wirkung des Zimmers und des Kunstgegenstandes sollten sich dann natürlich nicht widersprechen.
KATRIN SCHREINER Menschen beurteilen Umwelten als sympathisch und angenehmer, wenn diese als überschaubar und kontrollierbar wahrgenommen werden – daher sollte man es punkto Abstraktheit und Menge nicht übertreiben.

Kunst wird ja immer wieder eine beruhigende Wirkung nachgesagt. Gilt das auch im Hotel – einer Umgebung, in der man sich ja nur sehr temporär aufhält?

REICHL
Es ist nicht primär die Kunst, die eine beruhigende Wirkung hat, sondern die Symbolik. Grundsätzlich kann man sagen, dass von Natur und ‚Gesten der Natur’ die größtmögliche beruhigende Wirkung ausgeht. Es ist übrigens wissenschaftlich erwiesen, dass sich diese Wirkung nicht nur beim direkten Kontakt entfaltet, sondern auch beim Betrachten von Bildern und Objekten.
HARALD DEINSBERGER-DEINSWEGER Ob Kunst beruhigend wirkt oder nicht, hängt von vielerlei Faktoren ab. Da Hotelzimmer meist nicht übermäßig groß sind, empfiehlt es sich jedenfalls, die Wände nicht kahl zu lassen, da dies ein eventuelles Gefühl der Beengtheit massiv verstärken kann. Je geringer das Volumen eines Raumes und je weniger sich dieser nach außen hin öffnet bzw. je monotoner der Ausblick – umso mehr sensorische Stimuli sollte das Rauminnere bieten.

Gibt es Unterschiede, wie Kunst im eigenen Zuhause und wie im Hotel wirkt?

DEINSBERGER-DEINSWEGER
In einer Wohnung werden in der Regel Kunstwerke ausgesucht, mit denen sich die Bewohner identifizieren können. Dieses Kriterium fällt beim Hotel weg. Meist macht man ja auch Urlaub, um etwas anderes zu sehen. Das heißt, wenn es sich um Allgemeinbereiche wie Gänge oder die Lobby handelt, so kann man als Hotelier wesentlich sorgenfreier Kunst auswählen und durchaus ein Experiment wagen. Für Restaurant oder Zimmer würde ich auf jeden Fall eine professionelle Beratung in Anspruch nehmen.

3. Die Hoteldirektorin

»Als ich vor der großen Herausforderung stand, eine Gesamtrenovierung des Hotels durchzuführen, war mir klar, dass wir dem Haus einen einzigartigen Stempel aufdrücken wollen«, erinnert sich Sonja Wimmer vom »Best Western Premier Harmonie Vienna« in Wien. Die Lage – in direkter Nähe zum einstigen Harmonie-Theater – inspirierte die Hotelchefin. Gemeinsam mit ihrem Vater machte sie sich in der eigenen Stadt auf die Suche – und fand den jungen peruanischen Künstler Luis Casanova Sorolla, der in Wien studiert hatte.

»Da Hotelzimmer in der 
Regel nicht übermäßig groß sind, ist es ratsam, die Wände nicht kahl zu lassen. Dies könnte ein etwaiges Gefühl von Beengtheit fördern.«

Lädt zum Entdecken ein

Und genau hier laufen die Fäden zusammen. Ein internationaler, aber lokal verankerter Künstler, eine geschichtsträchtige Lage und eine Hotelchefin, die das große Ganze im Kleinen erkennt. Wie aus dem Lehrbuch. »Wir wollten uns bewusst von anderen Hotels ab-heben und keine kommerzielle Art von Kunst, sondern das Thema abstrakt darstellen – damit es zum Entdecken im Hotel einlädt. Das persönliche Erlebnis steht im Vordergrund.«

Sorollas Kunst-Projekt »Signapura« widmet sich dem Tanz der Bilder und hat das ganze Hotel für sich eingenommen. Making-of-Video in der Lobby, Kunstwerke auf allen Stockwerken, Bildausschnitte in den Zimmern und Literatur zum Thema in der Lounge – Das Konzept funktioniert, weil es durchdacht, stimmig und konsequent ist. Das Hotel als Gesamtkunstwerk – so kann man es machen.

www.h12artoflife.com
www.iwap.at
www.harmonie-vienna.at

Kunst leihen

Eine gute Alternative, um verschiedene Richtungen auszuprobieren: Kunst leihen! Auch gemeinsame Projekte sind möglich, so hat Artware (Wien) zum Beispiel bereits mit mehreren Hotels kooperiert. Wer sich Sorgen bezüglich Schäden macht: die Kunstwerke sind automatisch versichert – und die Verleih-Kosten steuerlich absetzbar. Die große Herausforderung bei Leihkunst: ein einheit-liches Bild zu schaffen. Vermutlich auch deswegen sind Hoteliers noch seltene Kunden.

www.artware.cc (Wien)
www.artrent.ch (Zürich)
www.dieartothek.de (Hamburg)

Artikel aus Falstaff Karriere 01/2016.

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