Ballroben: Brautkleid vs. »Krampusfarben«

Lena Hoschek

© Hilde van Mas

Lena Hoschek

© Hilde van Mas

FALSTAFF: Was sind die aktuellsten Trends bei Ballroben? Welche Stoffe und Schnitte sind gerade »in«?
LENA HOSCHEK:
Mit kurzlebigen Trends beschäftige ich mich nicht, aber ich sehe eine große Hinwendung zurück zu großen Roben in wirkungsvollen und einfärbigen Stoffen – sehr beliebt sind auch Bonbon-Farben. Die früher angesagten schwarzen und silbernen Ballkleider sind eher schon günstige Ware. Auf dem Philharmoniker Ball sieht man dann schon mal eine große Dior Robe in Rosa. Ich finde auch, dass die Fête Impériale von Frau Gürtler, dadurch dass es ein Sommerball ist, einen Trend in Richtung hellere Töne gesetzte hat. Dadurch ist auch die Wiener Ballgesellschaft mehr auf den Geschmack gekommen, Zitronenfarben oder sogar weiße Kleider auf einem Ball zu tragen. Früher hätte man noch gesagt: »Ich gehe ja nicht mit einem Brautkleid auf den Ball«. Aber jetzt ist ein weißes Kleid am Ball absolut tragbar. Was die Trends betrifft blickt man natürlich auch immer wieder in Richtung Golden Globes und Oscars und orientiert sich dort nach den neunesten Trends. Man sieht schon, dass von den großen Hollywood-Awards immer wieder Trends herschwappen. Vor allem viel Spitze, sehr aufwändige Verarbeitung und mutigere Statement Pieces.

Welche Farben liegen momentan im Trend?
Abgesehen von Bonbon-Farben ist Rot ein Dauerbrenner. Allerdings eher elegante Rubintöne, als aggressive »Krampusfarben«. Überhaupt sind Rot und Schwarz als Kombi mittlerweile ein echtes No Go. Was auch sehr beliebt ist, sind die »Gemstone Colors«, wie Smaragd Grün und Saphir-Blau – satte, dunkle Töne. Silber und Gold ist in der Couture nur in Verbindung mit wertvollen Materialien tragbar.

Was sind absolute No Gos? (zu tiefer Ausschnitt? Welche Schnitte oder Farben gehen gar nicht? Etc.)
Ich finde das Wichtigste ist, dass die Trägerin und das Kleid harmonieren. Das fängt schon bei der passenden Größe an. Hier sollte man sich den notwendigen Luxus einer Änderungsschneiderei gönnen – zu lange oder zu kurze Träger sollten unbedingt geändert werden, die Taille gegebenenfalls eingenommen werden. Wenn das Kleid irgendwo knapp sitzt, ist es immer besser zur nächsten Größe zu greifen und es an den richtigen Stellen enger nähen zu lassen, statt sich in ein zu enges Kleid zu pressen. Das sieht nie gut aus, egal ob das Kleid teuer oder billig ist. Aber das Kapitalverbrechen für mich ist, zu einem Ballkleid einen offenen Schuh mit Strumpfhose zu tragen.  Noch eine schlimme Sache, die ich immer wieder sehe, sind Glanzstrumpfhosen. Am besten dann eben kombiniert mit offenen Schuhen und ungepflegten Füßen. Das ist der Wahnsinn!

Welche Schuhe und Accessoires sollte man dieses Jahr kombinieren?
Es kommt immer darauf an, wie lange das Kleid ist. Es gibt zwar den Service, den manche Firmen anbieten, die Schuhe mit einem Stoff zu überziehen, aber das machen dann auch die wenigsten. Wenn das Kleid bodenlang ist und man nur die Spitze vom Schuh sieht, ist schwarz ok, aber da darf der Schuh auch nicht im Mittelpunkt stehen und die Spitzen dürfen nicht alt und abgegangen sein. Was man immer tragen kann, sind edle spitze Pumps mit einem schönen Stiletto-Absatz. Ich mag am liebsten die von Gian Vito Rossi. Schön finde ich auch offene Schuhe zum Ballkleid. Hier ist aber auch auf Qualität wertzulegen. Wichtig ist natürlich bei offenen Schuhen auch, dass die Füße gepflegt sind. Winterfersen und offene Schuhe am Ball, das geht gar nicht. Was die Frisur betrifft, bevorzuge ich auch eher offen getragene, perfekt gepflegte Haare – viel besser als sich Perlen und Schmuck in die Frisur verarbeiten zu lassen.

Gehen Sie dieses Jahr auf den Opernball? Wenn ja, welches Kleid werden Sie tragen?
Ich gehe auf den Opernball aber zum Zeitpunkt des Interviews steht meine Robe noch nicht fest. Sie wird in unserem Couture Atelier erst angefertigt. Aber es wird – so wie ich es liebe – ein tolles Dekolletee haben und eine große Robe sein.

Über Lena Hoschek

Sie ist gebürtige Steirerin und wird international als einer der erfolgreichsten Austro-Mode-Exporte gefeiert. Nach ihrem Diplom-Abschluss an der Modeschule Hetzendorf in Wien machte sie ein Praktikum bei Vivienne Westwood in London, die ihren Stil prägte. 2005 gründete Hoschek ihr eigenes Label und eröffnete ihr erstes Atelier in Graz, seit 2008 ist Hoschek auch in Wien mit einem eigenen Geschäft vertreten. Hoscheks Mode ist inspiriert durch die Pin-Ups und die weibliche Silhouette der 1950’er-Jahre. Kurven und Rundungen à la Marilyn Monroe, Gina Lollobrigida oder Sophia Loren kommen in ihren Kleidungsstücken besonders zur Geltung. Dabei setzt die Designerin auf luxuriöse Materialien, historische Verarbeitungstechniken und Liebe zum Detail – und das wird von Stars wie Katy Perry geschätzt.

www.lenahoschek.com



Aufmacherfoto – Credits
Photography: Hilde van Mas
Assistant: Vincent Printz
Digital Operator: Heidi Pein
Make-Up & Hair: Christopher Koller
Retouche: Alexandra Heindl-Szinyur @dienachbarin.at
Production: spread-vienna.com

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