»Große Gewächse werden wir hier sicher nicht hervorbringen. Unser Keitumer Weinberg entwickelt sich jedoch sehr gut und so werden wir voraussichtlich 2012 den ersten fruchtig-frischen Sylter Landwein ernten, der allen Syltern und Inselbesuchern Spaß machen wird«, erklärt der Rheingauer Weinbergbesitzer Christian Ress.

Deutlich mehr Sonnenstunden als im Rheingau
Der nördlichste Weinberg Deutschlands liegt am Ortsrand der Gemeinde Keitum in unmittelbarer Nähe des Wattenmeeres auf 10 Metern über dem Meeresspiegel. Die 3.000 Quadratmeter große Fläche liegt in einer Senke und ist auf drei Seiten durch Bewuchs umgeben, der optimalen Windschutz garantiert. Andererseits wird die Belüftung der Anlage aufgrund der windoffenen Seite im Westen gewährleistet. Das Mikroklima mit einer hohen Anzahl an Sonnenscheinstunden (1.714 Stunden Sonne auf Sylt im Vergleich zu 1.587 im Rheingau) schafft ideale Voraussetzungen für die frühreifen Sorten Solaris und Rivaner. Die Temperatur ist im Durchschnitt gesehen konstanter als beispielsweise im Rheingau, so dass weniger ausgeprägte Hitze- oder Kälteperioden - selbst bei dem kurz heißen, aber insgesamt kühlen und verregneten Sommer in diesem Jahr - gute Ergebnisse erwarten lassen. Von den 1.625 gepflanzten Rebstöcken (zwei Drittel Solaris, ein Drittel Rivaner) sind bis auf fünf alle sehr gut angewachsen, was zeigt, wie gut die Rebstöcke mit den klimatischen Bedingungen und dem lehmigen Sandboden mit hohem Humusgehalt zurechtkommen.

Frostschäden im Mai
Dabei war das erste Jahr für die jungen Sylter Reben bestimmt nicht einfach: Selbst auf Sylt lag im Winter viel Schnee, so dass der erste Rebschnitt am 18. März 2010 im schneebedeckten Weinberg stattfand. Die Temperaturen stiegen jahreszeitentsprechend an, doch Anfang Mai gab es noch einmal Bodenfrost. Dies führte dazu, dass die Spitzen der jungen Triebe, deren Wachstum schon früh begonnen hatte, bis auf zwei Augen abfroren. Hiervon waren etwa die Hälfte der Weinreben betroffen und die erfrorenen Teile wurden abgeschnitten. Die Wachstumsphasen waren daher unterschiedlich und so hatten Ende Juni die unbeschädigten Reben eine Länge von 100 bis 150 Zentimeter erreicht, die Frostgeschädigten hingegen waren erst 40 bis 50 Zentimeter groß. Zu diesem Zeitpunkt begann die Traubenblüte an den Stammreben bei insgesamt warmer Witterung. Mitte Juli war die Blüte fast vollkommen abgeschlossen und es wurden bei mäßigem Wind Temperaturen bis 30 Grad Celsius gemessen. Im September zeigte sich, dass sich die Reben sehr gut entwickelt hatten: Die Trauben waren zwar noch sehr kleinbeerig, hatten aber zum Teil schon eine schöne Süße und angenehme Säure. Bei einer Messung Mitte September wurde eine durchschnittliche Süße von 51 Grad Oechsle gemessen. Die Solaris- und Rivaner-Reben scheinen sich auf dem Sylter Boden sehr wohl zu fühlen und trotz der allgemein kühlen Witterung in diesem Jahr haben sie sich wunderbar entwickelt. Das Rebholz zeigt schon jetzt eine gute bis sehr gute Reife, und wenn der Winter nicht zu hart wird, kann 2011 schon mit einer kleinen Ernte gerechnet werden.

Rent a Rebstock
Die Vermarktung des Sylter Weins »55° Nord – Solaris/Rivaner« erfolgt über Rebstockpachten, die man auf der Website www.sylt-weinberg.de bestellen kann. »Der Andrang übertrifft bei weitem unsere Erwartungen«, freut sich der neue Sylt-Winzer Christian Ress. Wer keine Reben pachten möchte, wird den künftigen Wein ab 2013 in limitierten Mengen bei dem Hattenheimer Weingut Balthasar Ress oder dem Weinhaus Schachner erwerben können.

(bed)