Imbisskonzept neben der Lobbybar
Imbisskonzept neben der Lobbybar © Ingo Pertramer und Christian Kain

Anno 1991 war die Vorgabe klar: Mit Werner Matt, dem Doyen und großen Ausbildner der Köche Österreichs, stieg das Plaza Hilton ein in den Wettbewerb um das beste Hotelrestaurant an der Wiener Ringstraße, damals, als in den berühmten Häusern noch auf­regend gekocht wurde. Der umtriebige und gesprächsfreudige Mann brachte dem Haus allerlei Publicity, bald wusste die ganze Nation, dass hier seine »Velouté vom Sellerie, im Sellerie serviert« zu Hause ist. 2003 ging Matt ab und zog sich ins Burgenland zurück, in »seinem« »La Scala« passierte fortan nichts Auffälliges mehr. Zuletzt wurde das Restaurant ganz stillgelegt und fristet ein Dasein als Veranstaltungsraum.

Einzige Gastronomie in diesem Luxushotel ist seit Kurzem ein offen neben der Lobbybar angesiedeltes Imbisskonzept namens »Nasch«, Untertitel: »Austrian Tapas & Wein«. Gastronomische Archäologen erinnern sich vielleicht noch an »Lustig essen«, eine Kette mit kleinen Happen und ziemlich kurzem Ablaufdatum. Wie man die Idee mit Kleingerichten erfolgreich umsetzt, zeigt die Familie Weinzierl in ihrem Lokal im Wiener Konzerthaus. Im neuen »Nasch« konzentriert man sich lobenswerterweise auf das Zusammentragen sehr guter Produkte. Weinviertler Prosciutto und Vulcanoschinken sind Dinge, mit denen man pu

Nur Kleines, nichts Großes
Nur Kleines, nichts Großes

nkten kann. Auch die kleinen kalten Fischgerichte gelingen durchwegs, etwa der geräucherte Alpenlachs auf Zucchini-Erdäpfel-Puffer oder Waller süßsauer auf gegrilltem Paprika. Doch die gesamte warme Speisenpalette schwächelt. Wiener Schnitzel oder gebackenes Hendlfilet im Kürbiskernmantel sind in eine labbrige Panade gehüllt und offenbar aufgewärmt. Die dazu gereichten Salate sind extrem sauer angemacht. Das Fiakergulasch mit kleinem Spiegelei und buntem Gemüse (?!) hat allenfalls Durchschnittsqualität. Und den Nussschmarren mit Zwetschkenröster hätte man vielleicht auch etwas weniger lang vor Genuss fertig machen sollen. Sehr erfreulich ist die (fast) rein inländische Weinkarte. Das Service dokumentiert, dass auch Deutsche gern als Gastarbeiter werken. Ein Relikt aus alten Zeiten ist die zugige Klimaanlage, die einem längeren Verweilen nicht zuträglich ist.

von Alexander Bachl

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Sixpack-Bewertung
Essen 39 von 50
Service 16 von 20
Weinkarte 15 von 20
Ambiente 7 von 10
GESAMT 77 von 100


Nasch

Schottenring 11
1010 Wien
T: +43/(0)1/313 90-22402
Mo.–So. 9–24 Uhr
www.nasch.at

aus Falstaff 03/2010

Die anderen fünf Restaurantkritiken aus dem Sixpack erreichen Sie über die Verweise links oben.

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