http://www.falstaff.at/nd/bachls-sixpack-teil-4-francois-im-vierzehnten/ Bachls Sixpack, Teil 4: François im Vierzehnten Das Styling des Lokals in der Wiener Vorstadt wirkt spartanisch, die Küche dagegen sprüht nur so vor Sinnlichkeit.

Manche Lebensläufe sind etwas ­ungewöhnlich. Der Frankokanadier François Laliberté werkte bei den ­Pariser Drei-Sterne-Köchen Alain Ducasse, Alain Passard (»L’Arpège«) und Pascal Barbot (»L’Astrance«). Doch statt zu einer Karriere in der Spitzengastronomie führte es ihn nach Wien, wo er in einer Botschaftsküche und einem Selbstbedienungslokal landete und zuletzt Aufstriche für die Bäckerei Joseph produzierte. Nun hat er sein eigenes Lokal, und es liegt nicht in der City oder den üblichen Bobo-Vierteln, sondern in der kulinarischen Einöde der Penzinger Vorstadt. Das ist gut so, denn derlei Standorte beflügeln die Kreativität. Dort draußen muss man mit weniger teuren Produkten arbeiten, auf die heterogene Klientel eingehen und sehr weise kalkulieren. All das trifft auf das »François im Vierzehnten« zu. Das Styling des Lokals wirkt spartanisch, die Küche dagegen sprüht nur so vor Sinnlichkeit. Das Gros der Gerichte kommt aus dem Holzofen. Als Vorspeise gibt’s nahöstliche Mezze, z. B. Melanzani mit Baba Ghanoush, einem Auberginen-Sesam-Püree mit Holzkohleraucharoma, Limettenjoghurt, Harissa und Granatäpfeln – einfach nur köstlich –, oder »François’ Fattoush«, einen libanesischen Brotsalat mit knackigem Gemüse. Frische Sardinen mit der nordafrikanischen Würzmischung Chermoulah werden in Tajine-Tontiegeln geschmort. So eine Rund-ums-Mittelmeer-Küche gab es bislang nirgendwo in dieser Qualität. Auch die Weinkarte verblüfft: Spannende Winzer, Amphorenweine, einige Granaten – mehr kann man sich nicht wünschen. Eigentümer des Lokals ist ein Immobilienentwickler, der seine Häuser beleben will. Wien bräuchte mehr Leute von dieser Sorte.

BEWERTUNG

Alexander Bachl
Essen 44 von 50
Service 17 von 20
Weinkarte 16 von 20
Ambiente 8 von 10
GESAMT 85 von 100


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François im Vierzehnten
Reinlgasse 20
1140 Wien
T: +43/(0)1/985 51 03
Mo.–Fr. 11.30–22, Sa. 18–22 Uhr
www.francois-14.at



Text von Alexander Bachl
Aus Falstaff Nr. 04/2013


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