Österreichische Klassik im neuen »Hohensinn«

Josef Hohensinn ist ein Wandersmann. Erstmals fiel er vor einem Jahr als Küchenchef im »Marktachterl« am Wiener Karmelitermarkt auf. Dann bekochte er einige Monate die Gäste im »Wein in the City« in der Wiener Riemergasse. Doch der Versuch, das Lokal von Hans ­Weibel auf Dauer zu übernehmen, scheiterte an unterschiedlichen finanziellen Vorstellungen. Nun ist Hohensinn endlich angekommen.

Mit dem früheren »Celestino« von Celestino Da Conte in der Josefstadt fanden er und seine Partnerin Annabelle Borchard ein ideal dimensioniertes Lokal. Das Interieur ist klar und schlicht, die Er­eignisse finden auf dem Teller statt, wo ­Hohensinn mit seiner Inne­reienküche auffährt – und das ziemlich hemmungslos. Gelernt hat Hohensinn diese Art des Kochens bei Reinhard Gerer, dessen Souschef er viele Jahre war.

Es gibt Rindsuppe mit Hirnrouladen, einen Salat mit gebackenem Kalbskopf, natürlich ein Riesling-Kalbsbeuscherl und sautierte Kalbsnieren. Doch keine Angst, wer um diese Teile der Tiere lieber eine Bogen macht, findet etwa einen sauer marinierten Saibling auf Tomaten-Gurken-Tatar oder einen glasig gegarten Zander in Erdäpfelkruste auf Spargelsabayon auf der Karte. Das Rumpsteak »Strindberg« – das Fleisch wird mit einer Schalotten-Senf-Panade herausgebacken – ist eine Begegnung mit einem völlig ausgestorben geglaubten Gericht. Die liebsten Gäste sind Hohensinn aber jene, die ihn einfach werken lassen. Dann läuft er zur Höchstform auf und muss fast gebremst werden, wenn die Anzahl der feinen kleinen Gerichte zweistellig zu werden droht.

Sehr erfreulich: In der überaus interessanten Weinkarte finden sich auch ältere Jahrgänge, bei Neueröffnungen ist man derlei nicht gewohnt. 

von Alexander Bachl


Sixpack-Bewertung
Essen 45 von 50
Service 17 von 20                           
Weinkarte 16 von 20
Ambiente 7 von 10 
GESAMT 85 von 100

 

Für dieses Restaurant liegt im Falstaff
Restaurantguide noch keine Bewertung vor.

Hohensinn
Fuhrmannsgasse 9
1080 Wien
T: +43/(0)1/533 64 64
Di.–Fr. 11–24 Uhr
Sa. 17–24 Uhr
www.restaurant-hohensinn.at


aus Falstaff 03/2011

Die anderen fünf Restaurant-Kritiken des Sixpack finden Sie links oben.

 

 

Mehr zum Thema

  • Silvio Nickol im ­total veränderten Palais Coburg
    Bachls Sixpack, Teil 1: Silvio Nickol Palais Coburg
    Die lang erwartete Wiedereröffnung des Palais Coburgs unter der Küchenleitung von Shootingstar Silvio Nickol wurde ausführlich auf die Probe...
  • Jetzt ein Duo: Alain Weissgerber und Walter Eselböck
    Bachls Sixpack, Teil 2: Taubenkobel
    Das neue Küchenkonzept des »Taubenkobels« schmeckt hervorragend - errinnert jedoch sehr stark an ein bereits Etabliertes aus dem hohen...
  • Annabelle und Josef Hohensinn © Falstaff/Del Missier
    Das Wiener Restaurant »Hohensinn« sperrt zu
    Annabelle und Josef Hohensinn übernehmen das bayrische Landgasthaus »Müllers Lust«.
  • Neue Küche im uralten Gasthaus in Stein
    Bachls Sixpack, Teil 4: Gasthaus zum Elefanten
    Man hat sich irgendwie daran gewöhnt, dass die guten Adressen rund um die wunderschöne Wachau an zwei Händen abzuzählen sind. Die Region ist...
  • Die Idee der Tagesbar lebt im »1010« neu auf
    Bachls Sixpack, Teil 5: 1010 Bar Cafe
    Die »1010 Bar Cafe« versucht den Mythos Tagesbar in der Wiener Innenstadt wieder aufleben zu lassen.
  • »Fine Dining« ist hier nur der Name
    Bachls Sixpack, Teil 6: Fleming’s fine dining
    Im »Fleming's Fine Dining« ist der Anspruch sehr hoch, die Realität leider ernüchternd.
  • Das Wirtshaus »Zum Herkner« - ein Juwel in Hernals. © Erich J. Schimek
    »Zum Herkner« in Hernals sucht neuen Betreiber
    Das Wirtshausjuwel wurde komplett renoviert, der neue Wirt muss keine Ablöse zahlen!