Spektakuläres ­Design und tolle ­Küche mit Donaublick
Spektakuläres ­Design und tolle ­Küche mit Donaublick / Foto: Marianne Greber

Mit dem Büro BEHF waren in beiden Lokalen dieselben Innenarchitekten zugange, in beiden Fällen ist ein gastronomischer Vollprofi der Boss, beide Lokale waren von der ersten Stunde an »the place to be«. Natürlich spielt Fabio Giacobellos »Fabios« in vielen Punkten in einer eigenen Liga. Doch Bernd Schlachers »Motto am Fluss« setzt ebenfalls vom ersten Tag an Maßstäbe. Da wäre einmal das einzigartige Gebäude über dem Schiffspier am Fluss. Dann das Ambiente, das mit schwarz-weißen Fliesen, Kirschholzpanelen, buntem Loungemobiliar und Kugellampen Assoziationen an das Venedig der Fünfzigerjahre wecken will.

Während andere Wirte über Personalmangel klagen, gelang es Schlacher, eine professionelle und motivierte Servicetruppe zu rekrutieren. Und die Küche verdient sich angesichts der 140 Plätze ein kräftiges »Aber hallo!«. Mario Bernatovic, als junger und halbwegs wilder Koch im »Weibel 3« in Erinnerung, reifte im Zuge von Wanderjahren, unter anderem in New York, zum stilsicheren Vollprofi. So gibt es etwa Kalbskopf Croustillant – in Brotscheiben eingebackenes Kopffleisch – mit Kren auf Kräutersalaten mit Walnussdressing, eine rustikale Köstlichkeit. Fenchel-Pannacotta mit Flusskrebsen aus der Erlauf und Tomatensorbet im Basilikumsafterl zeugt von großer Klasse, das Wurzelfleisch vom Mariazeller Saibling mit Apfel-Rosmarin-Püree ist im Gegensatz zum bodenständigen Namen ein Fall von Subtilität und Präzision. Auch die Patisserie hält das Niveau, etwa mit dem locker schwabbelnden Schwarzwälder Dessert. Und das alles kostet nicht die Welt. Das ist nicht nur eine Schiffsanlegestation. Das ist ein gastronomisches Schlachtschiff.


2 Gabeln
2 Gabeln

Sixpack-Bewertung
Essen 44 von 50
Service 17 von 20                           
Weinkarte 15 von 20
Ambiente 9 von 10 
GESAMT 85 von 100


Motto am Fluss

Schwedenplatz/Vorkai
1010 Wien
T: +43/(0)1/252 55 10
Tgl. 11–15 Uhr
und 18–2 Uhr
www.motto.at


von Alexander Bachl

Foto: Marianne Greber

aus Falstaff 06/10

Die anderen fünf Restaurant-Kritiken des Sixpack finden Sie links oben.

Mehr zum Thema

  • Gourmet­paradies mit moderner Kunst
    21.10.2010
    Gourmetguide International, Teil 4: Les Bacchanales
    Die Neuentdeckung im Süden Frankreichs: Nahe Vence hat Christophe Dufau ein kleines Gourmetparadies erschaffen.
  • Thai-Design der luxuriösen Art im »Patara«
    05.10.2010
    Bachls Sixpack, Teil 3: Patara
    Diese Neueröffnung gibt Rätsel auf. In einer Ära, in der reihenweise Luxuslokale schließen, investiert eine internationale Kette mit Lokalen...
  • Frankreich pur im alten Gutshof
    05.10.2010
    Bachls Sixpack, Teil 4: Brasserie »Le Meierhof«
    Diese Art von Lokal würde man im burgenländischen Pöttsching wohl am wenigsten erwarten. Zwei Franzosen sperrten im Sommer in der kleinen...
  • Das »Nam Nam«: Ein neuer­ ­Inder mit kleiner Karte und ohne Teppich
    05.10.2010
    Bachls Sixpack, Teil 5: Nam Nam
    Wie schon beim Lokal Nummer drei festgehalten: Wien ist nicht London. Das ist vor allem dann schmerzlich, wenn man Liebhaber der indischen...
  • Der »Speisesaal« im Hotel Wiesler
    05.10.2010
    Bachls Sixpack, Teil 6: Speisesaal im Hotel Wiesler
    Das »Grandhotel Wiesler« war bis vor Kurzem das einzige Haus mit fünf Sternen in Graz. Das Wiesler gibt es weiterhin, das Etikett...