Wiener Klassiker mit Pep und Witz im »Flosz« / Foto beigestellt
Wiener Klassiker mit Pep und Witz im »Flosz« / Foto beigestellt

Schon zweimal war hier von diesem 2011 eröffneten Lokal zu lesen. Nach einem holprigen Start und einem viel besseren Intermezzo kam Patron Florian Peitl offenbar die Erkenntnis, dass im ruhigen Winkel der City gegenüber der Börse keine Nachfrage nach einem Lokal mit Durchschnittskost besteht. Also griff er ins Volle und engagierte gleich zwei Küchenchefs, man weiß ja nie. Beide sind eher nur Insidern bekannt, haben aber ordentlich was drauf.
Alois Traint war geraume Zeit Chris­tian Domschitz’ Wegbegleiter, zuletzt im »Schwarzen Kameel« und »Vestibül«. Ruben Brunhart fiel einst im „Rubens“ im Palais Liechtenstein auf und verdingte sich zuletzt in der »Serviette«. Die Referenzen machen sich bezahlt, dieses Kreativduo fabriziert derzeit eine der spannenderen Küchen der Stadt.
Etwa ein ganz kurz gebeiztes superzartes Lachsforellenfilet vom Gut Dornau auf Erdäpfel-Gurkensalat mit Ingwer, so gut, dass man es gleich nochmal verschlingen möchte. Oder ein »Flosz-Carpaccio« von dicken und dennoch herrlich mürben Tranchen vom schön abgehangenen Waldviertler Biorind, dazu Avocado, geschmorte Paradeiser – sehr stimmig, nur die sehr laut arabisch gewürzte Melanzanimasse muss nicht sein. Schweinderlsulz, Salonbeuschel – all das bleibt am rechten Pfad der Grundrezeptur, wird aber mit einem Schuss Witz & Extravaganz sehr schön auffrisiert.
Wie auch die mit feinstem Kalbsfaschiertem gefüllten Paprika, dazu Paradeisfond, Tarhonya und Bauerntopfen – die feine City-Version dieses urösterreichischen Klassikers. Die Weinkarte bleibt bei den üblichen Verdächtigen, immerhin mit ein paar reiferen Jahrgängen. Und siehe da – plötzlich ist die Bude voll.

BEWERTUNG
Alexander Bachl
Essen 44 von 50
Service 16 von 20
Weinkarte 15 von 20
Ambiente 8 von 10
GESAMT 83 von 100
€€


Flosz
Börseplatz 3
1010 Wien
T: +43/(0)1/533 89 58
Mo.–Fr. 11–24, Sa. 17–24 Uhr
www.flosz.at

Text von Alexander Bachl
aus Falstaff 08/13

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