Bachls Restaurant der Woche: Winklers zum Posthorn

Frischer Wind in einer Gasthaus-Legende, die schon Qualtinger zu schätzen wusste.

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Winklers zum Posthorn Gasthaus

Frischer Wind in einer Gasthaus-Legende, die schon Qualtinger zu schätzen wusste.

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Anmerkung der Redaktion: Aufgrund des Lockdowns waren die Restaurantkritiken pausiert. In der Hoffnung, dass die Gastronomie bald wieder öffnen kann, holen wir sie jetzt nach. Dieser Betrieb wurde in der Falstaff-Oktoberausgabe vorgestellt.

Historische Quellen belegen bereits 1776 ein hierorts gelegenes Gasthaus – seinerzeit »Zum goldenen Posthorn« und beliebt unter Postknechten. 1862 wurde sogar die Gasse nach dem Gasthaus benannt, und nicht umgekehrt. So weit zur Historie der Liegenschaft. 2009 übernahm Walter Winkler – man nennt ihn »den Hofrat« – das Gasthausjuwel, in dem Lamperien, eine grüne alte Schank und ein skurriles Leuchtensammelsurium gehegt und gepflegt werden; in dem der Schmäh nur so rennt und eine Sammlung von Plattencovers sowie Fotos und andere Devotionalien daran erinnern, dass einst Helmut Qualtinger hier gern und lang saß, viel aß und sehr viel trank. Nun war Corona auch für was gut: Winkler wurde per Facebook auf Koch Robert Letz aufmerksam, zuletzt im Schloss Mauerbach und bei »DoN«-Catering in Diensten, und machte ihn zum Küchenchef.

Altes und Neues

Seither arbeitet der sich durch die Karte, um – behutsam und ohne die Stammklientel zu verschrecken – Angejahrtes gegenwärtiger, aber keinesfalls zeitgeistig zu machen. So gibt’s hier nun eines der besten Beuschel der Stadt (feine Säure, viel Herz!) oder Tomatenkutteln mit gekochtem Grießstrudel. Mild gebratener Wels aus der Wiener Aquaponik-Farm blün kommt mit eingebrannten Erdäpfeln und fein gehobelten Radieschen – auch sehr gut. In der Rubrik »Gebackenes« findet sich eine runde Sache abseits des Mainstreams: Einen so flaumigen Kalbsleberknödel in zarter Panier auf Rahmgurken kann man in Wien wohl lange suchen. Auch neu: Auf der handgeschriebenen aktuellen Weinkarte finden sich Bouteillen, die auch dem fortgeschrittenen Wirtshausgeher große Freude machen. Ein altes Gasthaus bleibt besser.

Bewertung Alexander Bachl

Essen 44 von 50
Service 17 von 20
Weinkarte 15 von 20
Ambiente 8 von 10
GESAMT 84 von 100

Falstaff Restaurantguide 2020

Essen 43 von 50
Service 17 von 20
Weinkarte 15 von 20
Ambiente 8 von 10
GESAMT 83 von 100

Winklers zum Posthorn
Posthorngasse 6, 1030 Wien
T: +43 664 4312123
winklers-zumposthorn.at

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 07/2020
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