Hermann Botolen mit Thomas Wohlfarter / Foto beigestellt
Hermann Botolen mit Thomas Wohlfarter / Foto beigestellt

Sonderlich korrekt behandelt dürfte sich Harald Riedl angesichts seiner Ablöse im »Dom Beisl« nicht fühlen. Schließlich erkochte er doch vom Michelin-Stern abwärts allerlei Auszeichnungen für das kleine Restaurant, das »Beisl« im Namen trägt, jedoch zuletzt eher einen nicht unschweren klassisch französischen Kurs fuhr. Das wollte der Investor im Hintergrund ändern und engagierte mit Thomas Wohlfarter einen Mann, der im leider geschlossenen »Amarantis« eine grandiose mediterrane Linie mit österreichischem Einschlag kochte und einst unter Chris­tian Petz im »Coburg« seinen Schliff bekam. Und schon jetzt lässt sich sagen – ein Glück, dass dieser Mann wieder einen adäquaten Herd gefunden hat. Wieder versteht sich Wohlfarter auf das feine Spiel mit Aromen, setzt einen Hauch Säure ein, wenn es Fettiges auszugleichen gilt, schafft geschmackliche Spannungsbögen, wie das nur ganz wenige können. Mit Gerichten wie lauwarm mariniertem Kalbskopf mit Kapern, sauer eingelegten Korinthen und Karfiol oder Milchkalbsravioli auf Rahmkochsalat mit Croutons werden heimische Zutaten neu inszeniert. Ein schwieriges Produkt wie Kaninchenrücken kommt saftig und mit Liebstöckel, Eierschwammerln und Schalotten prächtig umrahmt auf den Tisch. Und so geht’s weiter, etwa mit gefülltem Ochsenschwanz mit Kohlrabi und jungen Erbsen oder gratinierter Marillenpalatschinke mit Vanille. Sommelier und Restaurantleiter Hermann Botolen versteht sich darauf, dazu Weine aus einem der spannendsten Keller Wiens zu empfehlen – diesem Mann kann man sich getrost anvertrauen. Und – das Preisniveau wurde auch noch gesenkt, die Hauptgänge sind unter € 30,– abgeriegelt, das Menü zu € 55,– darf unter Okkasion verbucht werden.

Thomas Wohlfarter schafft geschmackliche Spannungsbögen, die begeistern / Fotos beigestellt
Thomas Wohlfarter schafft geschmackliche Spannungsbögen, die begeistern / Fotos beigestellt


Thomas Wohlfarter schafft geschmackliche Spannungsbögen, die begeistern / Fotos beigestellt

BEWERTUNG

Alexander Bachl © Ingo Pertramer
Alexander Bachl © Ingo Pertramer

Alexander Bachl
Essen 46 von 50
Service 18 von 20
Weinkarte 18 von 20
Ambiente 8 von 10
GESAMT 90 von 100
€€

 

Für diese Besetzung liegt im Falstaff Restaurantguide noch keine Bewertung vor.


Dom Beisl
Schulerstraße 4
1010 Wien
T: +43 1 5120302
www.dombeisl.at



Text von Alexander Bachl
(Vorschau auf das Falstaff Magazin 5/2014)

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