Autochthone Weine: Bodenständig

Jedem Gebiet sein eigener Wein. Es gilt, die Sorten- und Variantenvielfalt des Friaul zu entdecken.

© Martina Franco

Jedem Gebiet sein eigener Wein. Es gilt, die Sorten- und Variantenvielfalt des Friaul zu entdecken.

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Die Weinbauregion Friaul-Julisch Venetien hat ein ganzes Füllhorn an Weinsorten. Neben bekannten wie Sauvignon Blanc, Pinot Grigio oder Cabernet und Merlot wurden in den vergangenen Jahren zunehmend die Qualitäten der lokalen Sorten wiederentdeckt. Die wichtigste eigenständige Sorte bei den Weißweinen ist Friulano, der Local Hero, bis 2008 jedoch Tocai genannt. Um einer Verwechslung mit dem ungarischen Tokajer vorzubeugen, wurde sein Name in Friulano abgeändert, und der steht nun gleich für das Anbaugebiet. Nach Pinot Grigio ist er der am meisten verbreitete Weiße in Friaul-Julisch Venetien, spätreifend und wuchsstark. Bei entsprechender Ertragsreduzierung kann die Sorte gehaltvolle, anspruchsvolle Weine erbringen. Mit ihren würzigen Noten und dem kraftvollen Gaumen erinnert Friulano mitunter an Grünen Veltliner.

Lange Zeit gering geschätzt wurde Ribolla Gialla – zu wenig Alkohol und zu viel Säure hatten die Weine. Dann entdeckten die »Oslavia Boys« um Joško Gravner sie und beobachteten, dass sich Ribolla auch vorzüglich für den Ausbau auf den Schalen eignete, weshalb heute im italienischen wie im slowenischen Teil des Collio mit Ribolla kräftig mazeriert wird. Aber auch traditionelle Winzer schätzen Ribolla Gialla zunehmend. Was einst ihr Makel war – geringer Alkohol und hohe Säure –, stellt sich in Zeiten der Klimaerwärmung zunehmend als Vorteil heraus. Malvasia Istriana ist eine lokale Variante der im ganzen Mittelmeerraum verbreiteten Malvasier-Familie. Sie ist vor allem im Collio und im Karst verbreitet und generiert feine, leicht aromatische Weine. Vitovska findet man vorwiegend im Karst. Sie hat eine dicke Schale und eignet sich hervorragend für die Vergärung auf den Schalen. Feine Aromen und betont salzige Noten am Gaumen sind das Ergebnis.

Dunkelfarbige Weine mit ausgeprägten Fruchtnoten: Pignolo ist eine Entdeckung in den Colli Orientali.
Dunkelfarbige Weine mit ausgeprägten Fruchtnoten: Pignolo ist eine Entdeckung in den Colli Orientali.

© JDM | Alamy Stock Photo

Eine weitere lokale Sorte ist Verduzzo, woraus in erster Linie Süßweine gewonnen werden. Ihre Trauben bleiben lange am Stock hängen und werden, leicht eingeschrumpelt, in der Zeit von Mitte Oktober bis Mitte November gelesen. Als Ramandolo, einem Gebiet nordöstlich von Udine, hat Verduzzo DOCG-Status. Er gilt als König der Süßweine, der Picolit, und wird vorwiegend in den Colli Orientali angebaut. Die Sorte neigt jedoch zum Verrieseln, die Erträge sind gering, und wohl auch deshalb ist ihr Preis hoch. Leider aber entspricht die Qualität der Weine nicht immer, weshalb man mit Verduzzo häufig besser beraten ist. Nicht zuletzt stammt auch die Glera-Traube, die Grundlage für Prosecco, aus Friaul-Julisch Venetien. Bereits im 18. Jahrhundert wurde sie in der Ortschaft Prosecco bei Triest nachgewiesen, daher auch der Name des beliebten Schäumers.

Unter den Rotweinen ist Refosco die wichtigste Sorte, mit dunklen, relativ dünnen Schalen und wenig Tannin. Dafür haben die Weine meist eine markante Säure und sind vor allem jung zu genießen. Im Karst wird die Sorte Terrano genannt. Schioppettino findet sich vorwiegend in den Colli Orientali, mit den besten Lagen um die Ortschaft Prepotto. Deren bekannteste ist Cialla. Dieser Wein beeindruckt nicht durch Wucht, sondern glänzt mit Feinheit und Eleganz. Pignolo ist sicher die hochwertigste der lokalen Rotweinsorten, wurde aber aufgrund der niedrigen Erträge lange Zeit kaum beachtet. Dabei erbringt die in den Colli Orientali verbreitete Sorte dunkelfarbige Weine mit ausgeprägten Fruchtnoten und samtigem Tannin. Schließlich gibt es noch Tazzelenghe: Auch sie ist vorwiegend in den Colli Orientali verbreitet. Der Name bedeutet so viel wie Zungenschneider, ein Hinweis auf den hohen Tanningehalt der Sorte. Ihr Ergebnis: kräftige, aber recht rustikale Weine.

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