Aus alt mach neu! Was Winzerhäuser alles können

Die moderne Haus-Fassade dieses Winzerhauses wird von der ursprünglichen Steinmauer durchbrochen.

Fotos: LEGATarchitekturZT/Oliver Wolf, Martina Legat

Die moderne Haus-Fassade dieses Winzerhauses wird von der ursprünglichen Steinmauer durchbrochen.

Fotos: LEGATarchitekturZT/Oliver Wolf, Martina Legat

Abend im Südburgenland. Die Sonne versinkt hinter den Weinbergen. Es herrscht eine fröhliche Stimmung auf der Terrasse des Kellerstöckls, wie die alten Win­zer­­häuser in dieser Gegend genannt werden. Der stolze Besitzer hat eingeladen, und man trinkt den fruchtigen Uhudler aus dem eigenen, 2000 Quadratmeter großen Weingarten. Die alte westungarische Weinanbautradition im Bezirk Güssing stammt noch aus der Monarchie. Allerdings nicht vom Eigentümer selbst, denn es wäre bei einem Zweitwohnsitz unmöglich, den Weingarten zu bewirtschaften. Jedoch: »Der Deal des Eigentümers mit dem Pächter des Weingartens ist locker und einfach«, meint Makler David Rader von der sReal Immobilienvermittlung in Ober­wart: »Als Pacht ist eine gewisse An-zahl von vollen Uhudlerflaschen pro Jahr vereinbart. So ist das Südburgenland!« Die alten Winzerhäuser zu renovieren und zu erhalten, ist oftmals schon Aufwand genug. Nicht nur im Burgenland. Auch in der Steiermark, in Niederösterreich und selbst in Wien gibt es sie in unterschiedlichen Ausführungen: Sind sie reine Wirtschaftsgebäude, bestehen sie aus einem Jausenraum und Pressraum sowie einem Keller. »Sind sie ausgebaut und dienen nur Wohnzwecken, dann gibt es unterschiedlichste Ausführungen – von einfach bis de luxe«, so Rader.

Gute Objekte sind rar

Ein renovierungsbedürftiges Kellerstöckl wird meistens in einer Bandbreite von 10.000 bis 25.000 Euro angeboten. Stilvolle Gebäude mit guter Ausstattung erzielen in guten Lagen absolute Spitzenpreise. Kaufpreise weit über 100.000 Euro sind keine Seltenheit – die Häuser hingegen schon. »Viele möchten gerne zwischen den Weinbergen wohnen und die Ruhe und Aussicht genießen«, erklärt Silvia Stelzl von Real-Service für steirische Sparkassen Realitätenvermittlungsgesellschaft m.b.H., und speziell in der südlichen Steiermark »werden diese Objekte immer weniger. Die Weinstraße ist nicht erweiterbar«. Wer einmal seine große Liebe gefunden hat, der trennt sich eben nicht von ihr, wie Rader weiß: »Viele Familien besitzen solche wunderschönen Häuser in den Weinanbaugebieten, und die werden gepflegt und gehegt.«

Für Architektin Martina Legat waren »Geborgenheit und doch eine fantastische Aussicht in die Landschaft« Gründe, in den südsteirischen Weinbergen ein sanierungsbedürftiges Haus zu kaufen. Dass dieses Haus eine Menge Arbeit bedeuten würde, war für die Wahlsteirerin von Anfang an klar. »Das Haus optisch und technisch durchlüften, dabei aber möglichst viel Substanz erhalten«, erklärt die Architektin ihre eigenen Vorgaben. »Und keine schlechten Kompromisse eingehen, sondern Lösungen suchen, die Bestand haben.« Der hohe Anspruch und 
die damit verbundenen Herausforderungen waren für die Architektin kein Neuland. Bereits drei Jahre zuvor hatte sie ein imposantes Winzerhaus – ebenfalls in der Südsteiermark gelegen – saniert und erweitert. Die Mühe lohnte: »Haus K« wurde zu ihrem neuen Heim, und »Haus T« bietet den Bauherrn zudem einen unvergleichlichen Blick in die Weinberge.  

»Immer mehr Menschen, die das Alte lieben, kaufen solche Häuser«, meint der Makler Jürgen Mokesch, Immobilien Mag. Waitz & Mokesch GmbH & OG, der seit fast 
20 Jahren im Bezirk Hollabrunn tätig ist. Da wird bei der Renovierung gerne etwas tiefer in die Tasche gegriffen, damit die Häuser »auch so aussehen wie früher«. Bei der Auswahl des Wohnsitzes wird auch Wert darauf gelegt, dass die alten Anwesen nicht in den 70er- und 80er-Jahren »verpfuscht« wurden, sondern ihren Charme beibehalten haben. 

Der Preis hängt von vielen Faktoren ab, etwa Größe, Renovierungskosten, Lage, 
Nahverkehrsanbindung und Infrastruktur. Wer aber überlegt zu kaufen, der sollte es bald tun. Das hat sicherlich auch mit dem kommenden Ausbau der Weinviertler Schnellstraße von Hollabrunn bis zur tschechischen Grenze zu tun. In 45 Minuten wäre das Retzer Land dann von Wien aus erreichbar. Für viele Käufer, die sich hier ihren Zweitwohnsitz verwirklichen wollen, ist die Nähe zur Bundeshauptstadt eine wesentliche Voraussetzung.  

Man sollte sich Zeit nehmen für die Suche nach dem persönlichen Wohntraum. Aber diese wird belohnt – und was gibt es Schöneres, als auf der Terrasse des eigenen Winzerhauses ein Glas Wein zu genießen? Und vielleicht ist es noch dazu der eigene!

Aus Falstaff LIVING 03/2016