August F. Winkler ist tot

August F. Winkler.

Hintergrund © Shutterstock / Foto © Falstaff

August F. Winkler.

August F. Winkler.

Hintergrund © Shutterstock / Foto © Falstaff

Es gibt wohl kein wichtiges kulinarisches oder önologisches Thema zu dem sich der große Connaisseur August F. Winkler in seinem Leben als »hauptberuflicher Genießer« nicht fachkundig geäußert hat. Und der gebürtige Steirer fand stets geeignete Plattformen, wo er dies in seinem Sinne auch tun konnte. Er verfasste Artikel, Kolumnen, Essays aber auch ganze Bücher die sich mit den wohlschmeckenden Themen des Lebens befassen, sei es der Weingenuss oder die facettenreiche Welt der Gastronomie.

Journalist und gefragter Moderator

Als Moderator von einschlägigen Fernsehbeiträgen wurde Winkler speziell in Deutschland einem breiteren Publikum bekannt, in SAT.1 wurde in den frühen 90erJahren die Serie »Auwi's Spätlese« bei Gourmets populär. Jahrzehntelang war der Publizist als Moderator von unzähligen hochkarätigen Gourmetevents tätig, bei festlichen Menüs war August F. Winkler mit seiner kulinarischen Expertise genauso gefragt wie als Kommentator elitärer Weinproben. Viele große Veranstaltungen wie als Beispiel das »Rheingau Gourmet Festival« griffen mit Freude auf das Wissen und die Kompetenz von August F. Winkler zurück, dessen ebenso philosophischen wie kenntnisreichen Ansprachen vielen Ereignissen erst das gewisse Etwas verliehen.

»Auwi« war nicht nur ein gesuchter Moderator, sondern er liebte seine Materie von ganzem Herzen. In Sachen Champagner und gereiften Bordeaux zählte er mit seiner schier unermesslichen Verkostungserfahrung zu den größten Kennern des deutschen Sprachraumes. Winkler, der lange Zeit in Bonn lebte und in der Hauptsache für deutsche Verlage tätig war, verfasste auch zahlreiche Beiträge für das Falstaff-Magazin und war dem österreichischen Wein stets sehr verbunden.

Qualitätsbotschafter

Bereits in den späten 70er-Jahren hat er sich in Wort und Tat in der deutschen Spitzengastronomie explizit für den Grünen Veltliner stark gemacht. Ihm ist es zu verdanken, dass so mancher Sommelier in deutschen Sternehäusern bereits früh die österreichische Nationalsorte zu schätzen gelernt hat. In den schwierigen Monaten nach dem Weinskandal hat August F. Winkler dem österreichischen Wein nicht nur die Treue gehalten, sondern mit gezielten monatlichen Weinpräsentationen in den besten deutschen Restaurants persönlich die Weine seiner Heimat gezielt in ein positives Licht gesetzt.

Dieses Engagement wurde nicht nur von den Winzern sehr geschätzt. August Winkler war nach den beiden Herausgebern der damals wichtigsten Weinmagazinen des deutschen Raums im Jahr 1988 der erste Fachjournalist der von der Vinea Wachau mit dem »Steinfeder-Preis« ausgezeichnet wurde, ein von vielen Ehrungen, die ihm im Laufe seines Lebens zuteil wurde. Auch bei der Popularisierung der Weine aus seiner steirischen Heimat am deutschen Markt spielte August F. Winkler eine wichtige Rolle als Qualitätsbotschafter. Berühmt waren auch seine zahlreichen internationalen Sorten- und Panelverkostungen, wie jene im bayrischen Aschau in der Residenz seines Namenskollegen Heinz Winkler, wo in Blindverkostung auf Auwi's Einladung führende deutsche Weinjournalisten und Sommeliers österreichische Topweine vorurteilsfrei mit den internationalen Mitbewerbern vergleichen konnten.

Der Nachlass: Die Feinschmeckerey

August F. Winkler hinterlässt dem kulinarisch interessierten Leser ein Werk, in dem sein enzyklopädisches Wissen festgehalten ist, das aber auch durch seinen geschliffenen, unverwechselbaren Sprachstil fesselt. Auf seiner Homepage »Die Feinschmeckerey« (www.die-feinschmeckerey.com) kann man sich dank eines umfangreichen Archives über unzählige Themenbereiche kundig machen. Nun aber soll der Meister selbst in der für ihn typischen Art nochmals sprechen, indem er sein Genußcredo darlegt.

»Der Schafhirte, der zu seinem Käse einen schlichten roten Landwein trinkt, ist glücklicher als ein Protz mit dem 1971er Pétrus aus der Magnum. Dem Göttlichen im Wein, wenn diese Frömmelei gestattet ist, kommt man sowieso nur mit dem Herzen nahe. Selbstverständlich liebe ich große Weine und gehe ihnen weit entgegen, aber ich weiß, daß man auch einfache Weine trinken muß, um die Gloriosen besser zu verstehen. Gleiches gilt für die Küche: Ein Bauernbrot, beschmiert mit bester Almbutter und vielleicht geschmückt mit etwas Schnittlauch, ist nicht weniger delikat – und achtenswert – wie ein im Ganzen gedünsteter Steinbutt mit einer Sauce Béarnaise. Die Andacht dem Kleinen wie dem Großen gegenüber, das ist angewandte Lebensart.

Lebensart ist die Ästhetisierung des Seins, also die Kunst, sich das Leben auf kultivierte Weise mit schönen Dingen zu möblieren, von der Literatur über die Musik und das Theater bis hin zu Reisen sowie das Essen und das Trinken.«

Mit August F. Winkler verstarb am 31. Januar 2018 einer der letzten journalistische Wegbeleiter der Epoche der kulinarischen Weiterentwicklung der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Einer, der es verstand, stilvoll die Geschenke der gehobenen Kulinarik anzunehmen und weiterzuvermitteln ohne die Demut für das große Ganze aus den Augen zu verlieren.

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