Dass der 9. Bezirk boomt und hier vor allem das Servietenviertel und das Grätzel rund um's renommierte Lycée in letzter Zeit eine enorme Aufwertung erfahren haben, ist bekannt. Die Gunst der Stunde haben auch die Betreiber des mittlerweile etablierten »Rochus« im 3. Bezirk genutzt und anstelle eines studentischen Bierlokals eine Filiale ihrer erfolgreichen Konzeptgastronomie eröffnet.

Wo früher im »Centimeter« Schnitzel & Co. in großen Portionen zu Billigstpreisen serviert wurden, betritt man heute ein stylishes Lokal, das ein Konglomerat aus Restaurant, Bar und Lounge sein soll. Schnitzel gibt es hier übrigens immer noch, aber dazu später.

Das »Rochus 1090« erstreckt sich über zwei Etagen. Unten befindet sich eine klassische Bar. / Foto: Rochus 1090
Das »Rochus 1090« erstreckt sich über zwei Etagen. Unten befindet sich eine klassische Bar. / Foto: Rochus 1090




»Als moderner Zeitgeist verbindet das Rochus moderne Architektur kombiniert mit dem klassischem und vor allem einzigartigem Rochus Stil«, liest man auf der Homepage. Von der »Faszination Rochus«, ist da sogar die Rede. Etwas hochgegriffen, wie wir finden. Das Interieur ist designtechnisches Mittelmaß, nichts Besonderes. Der Nichtraucher-Bereich trumpft mit einem Communal Table auf, ganz nett. Apropos Tische: diese sind hier besonders klein geraten. Vor allem die runden Tischchen an der Seite, an denen Gäste dicht gedrängt eher an Ölsardinen erinnern. Kuschelig ist anders. Der Rest erinnert dann doch eher an eine Räuberhöhle, was vor allem den dunkelbraunen Paneelen an der Wand geschuldet ist. Das erste Problem zeichnet sich ab: Wohin mit den Wintermänteln? Garderobe gäbe es keine, teilt uns der Kellner mit - aufgrund der lauten Musik verstehen wir ihn leider erst beim zweiten Mal - und verweist auf »Häkchen« in der Fensternische hinter dem Communal Table. Um dort hin zu gelangen muss man sich allerdings bei gefühlt hundert Gästen vorbeiquetschen (Stichwort: Ölsardinen). Kaum Platz genommen werden wir schon nach unserer Getränkebestellung gefragt. Dazu hätten wir vorher dann doch ganz gerne die Karte gesehen, danke. Die Karte kommt gleichzeitig mit der Frage, ob wir denn schon wissen, was wir trinken wollen. Nein, wie gesagt, wir würden vorher gerne in die Karte schauen. Der Kellner zieht von dannen, um eine Minute später wieder an unserem Tisch zu stehen. Die Frage bleibt die gleiche, nur der Ton wird etwas anders. »Na jetzt wissen'S es aber schon«, tönt der übermotivierte Servicemann. Wir geben uns genervt geschlagen.

Das Essen im »Rochus 1090« ist durchschnittlich gut mit Ausreißern nach oben (Vorspeise) und unten (vegetarischer Wok) / Fotos: Topitschnig
Das Essen im »Rochus 1090« ist durchschnittlich gut mit Ausreißern nach oben (Vorspeise) und unten (vegetarischer Wok) / Fotos: Topitschnig

Zur Karte: Diese beherbergt neben spannenden Vorspeisen und Hauptgerichten auch Asiatisches und Bodenständiges. Von allem etwas. Die Frage ist nur, ob man auf Schinkenfleckerl und Wienerschnitzel nicht verzichten hätte können. Wir starten mit einem sehr guten gebeizten Seesaibling (€ 12,50), der von feinen, süß-säuerlich eingelegten Feldgurken und einer Wasabicreme (hätte ruhig etwas schärfer sein können) begleitet wird. Danach kommt lange nichts, die Wartezeit zwischen Vorspeise und Hauptgang zieht sich, 45 Minuten sind eindeutig zu lange! Zeit, um sich erneut mit den Tischen - die Teller rutschen darauf unangenehm hin und her - und dem Besteck - das kommt in adretten Täschchen, nur leider muss man es dann oben anfassen, um es da raus zu bekommen - zu beschäftigen.

Dann kommt das Lady-Steak (€ 14,–) in einwandfreier Zubereitung mit feinem Thymian aromatisiert, Röstgemüse und Kartoffelspalten. Da gibt es nichts zu meckern. Eine Enttäuschung ist hingegen der Hauptgang meiner Begleitung. Diese hatte »bock auf wok«, wie es in der Karte heißt, und bestellt die vegetarische Variante mit Gemüse (€ 9,–). Serviert wird eine Schüssel Sojasprossen mit Spuren von Karotte und Paprika sowie etwas Frühlingszwiebel. Dazu »Duftreis« der weder duftet noch frisch zubereitet wirkt sondern hart und trocken ist. Das Gericht kann auch die mitgelieferte Sojasauce nicht retten - es bleibt fade und fantasielos. »Hätte ich nicht so viel Hunger gehabt, hätt ich nicht aufgegessen«, entgegnet die Begleitung dem Kellner, als sich dieser erkundigt, ob es denn geschmeckt hätte. Er bedankt sich professionell für die Kritik und will diese gerne weitergeben, »nur so können wir uns verbessern« - das wäre gerade bei diesem Gericht wohl mehr als wünschenswert. Das süße Finale bestreiten wir mit einen »schoko.auflauf.medium zwetschke.rosmarin. vanille«. Abgesehen davon, dass die Portion für wohlfeile 6,50 Euro etwas klein geraten ist, schmeckt sie tadellos, lediglich den Rosmarin können wir uns im besten Fall vorstellen, nicht aber schmecken.

Das Klientel im »Rochus 1090« scheint bunt gemischt wie die Speisekarte. Neben Schicki-Mickis, Bobo-Pärchen und Mädels-Runden trifft man hier auch eine Gruppe Austauschstudenten. Und plötzlich hat das Schnitzel auch wieder seine  Berechtigung, obwohl man es beim »Wickerl« schräg gegenüber vermutlich in besserer Ausführung und authentischerer Atmosphäre bekommen hätte.

Auf Terrasse und Schanigarten darf man sich dank der wunderbaren Lage schon freuen. Dann kann man im »Rochus 1090« gerne mal für einen Kaffee oder Cocktail einkehren, oder zum Frühstück, denn auch das wird hier in großem Variantenreichtum geboten. Von allem eben etwas.


Rochus1090
Liechtensteinstraße 42, 1090 Wien
T: +43/(0)1/962 62 26
Öffnungszeiten (Lokal): Mo bis Sa, 7.30 bis 2 Uhr, So 8.30 bis 2 Uhr
Öffnungszeiten (Küche): Mo bis So, 7.30 bis 23.30 Uhr
www.rochus1090.at



(Marion Topitschnig)

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