Restaurant »Schlosspark Mauerbach« © Werk
Restaurant »Schlosspark Mauerbach« © Werk

Dass die Rapid-Spieler in dieser Saison noch keine Glanztaten vollbracht haben, liegt sicherlich nicht an Robert Letz, der sich vor den Heimspielen um das kulinarische Wohl der Hütteldorfer kümmert. Letz hat voriges Jahr die Küchenleitung des »Schlosspark Mauerbach«, ein Hotel mit Restaurant im Wienerwald vor den Toren Wiens, übernommen. Hauptsächlich kocht er für Hotelgäste, doch ist das Restaurant vor allem im Frühling und im Sommer einen Umweg wert. Besonders, wenn die ebenso lauschige wie großzügige Terrasse zur Verfügung steht. Innen kann das Restaurant, das offensichtlich auch als Frühstücksraum dient, den Seminarhotel-Charakter nicht ganz leugnen. Doch wer das Tavolata Menü mit insgesamt zwölf Gerichten bestellt, der wird von den kulinarischen Kreationen so in Beschlag genommen, dass »alles andere primär ist«, wie Rapid-Legende Hans Krankl zu sagen pflegte.

Verkostungsmenü
Das Menü wird in vier Akten vom Küchenchef persönlich serviert, jeder Gang besteht aus drei Kompositionen. Doch damit nicht genug begann unser kulinarischer Abend mit einem vielversprechenden Gruß aus der Küche, einem knusprigen Backhendl auf Gurkensalat. Der erste Gang bestand aus großartigen Grammelknödeln auf jungem Kraut, einem zarten Lachsforellen-Carpaccio (Quester) und einem etwas gewöhnungsbedürftig marinierten Beef Tartare (Wienerwaldrind von Höllerschmid) mit geeistem Senf.

Der großzügige Schlosspark ist auch willkommene Quelle für Wildkräuter © Schlosspark Mauerbach

Eine Frage der Reife
Der zweite Akt bestand aus einem sehr kernigen Risotto mit Asmontekäse, einer guten, klaren Rindssuppe mit Schnittlauch und einer großartigen Topinamburcremesuppe, die leider mit etwas unansehnlichem Lachskaviar verunstaltet wurde. Der Hauptakt war olfaktorisch von einer reifen Jakobsmuschel auf Blutwurst dominiert. Besser gefallen hat uns aber ein gebratener Lammrücken mit geschmortem Fenchel und Rotweinschalotten. Das Dry Aged Beiried mit gebratenem Senfkohl und Erdäpfelpüree war tadellos, wenngleich das Fleisch ruhig noch länger hätte reifen können.

Robert Letz © privat
Robert Letz © privat

Dessert & Wein
Der vierte Akt stellte einen mehr als versöhnlichen Ausklang dar. Zu den Topfenknödeln muss man nicht viel sagen, aber das Blutorangensorbet geht nicht besser und auch das Walnussparfait mit Cassisfeige war wunderbar geschmackvoll zubereitet. Die Weinkarte ist solide und die Begleitung wurde vom umsichtigen Service sehr stimmig zusammengestellt. Erfreulich ist eine gute Auswahl an offenen Weinen und eine gewisse Jahrgangstiefe.

Börserlschonend
In der Gastronomie ist es ja selten so, dass das beste zum Schluss kommt, zumindest wenn man an die Rechnung denkt. Doch im Schlosspark Mauerbach ist das anders, denn für das zwölfteilige Tavolata-Menü muss man läppische 45 Euro berappen.

Nachsatz: Robert Letz meldete kurzfristig, dass am Montag ein Jäger ein Wildschwein geliefert hat, das er gleich verarbeiten will. Am Donnerstag (11.4.) soll es ein sechsgängiges »Wildsau meets Bärlauch«-Menü geben. Kostenpunkt 69 Euro.

www.schlosspark-mauerbach.at

von Bernhard Degen

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