Angelika Kirchschlager / © Nikolaus Karlinsky
Angelika Kirchschlager / © Nikolaus Karlinsky

Angelika Kirchschlager ist eine der vielseitigsten Mezzosopranis­tinnen. Als Opernsängerin wird sie auf den grossen Bühnen dieser Welt – von der Mailänder Scala über die Metropolitan Opera in New York bis zu der Wiener und Münchner Staatsoper – bejubelt.

FALSTAFF Sie sind in Salzburg aufgewachsen. Hat das Ihre kulinarische Identität geprägt?
ANGELIKA KIRCHSCHLAGER Wir waren als Kinder jeden Sonntag bei der Großtante in Morzg zu Schweinsbraten eingeladen. Es handelte sich um ein Schopfstück, gewürzt mit Unmengen von Kümmel und Knoblauch, garniert mit einer dicken Sauce und begleitet von Semmelknödeln. Davon träume ich noch heute, so schmeckt für mich Kindheit.

Kochen Sie auch selbst?
Nein, ich bin nur gut im Zusammenmischen von Gewürzen und Zutaten.

Im Zuge Ihrer Tourneen sind Sie schon fast durch die ganze Welt gereist. Ihre Lieblings­küche?
Die japanische in Japan, die sich doch von dem, was wir sonstwo kredenzt bekommen, erheblich unterscheidet. Das ist alles entweder zu basic und plastic oder zu gestylt.

Ein Essen in Japan, das Sie nie vergessen werden?
Zwei. Ein Sashimi, das dort ultrafrisch auf den Tisch kommt. Dekoriert war es mit der blanken Fischkarkasse samt Kopf und Flosse auf einem vertikal am Teller fixierten Spieß. Als sich das Skelett plötzlich zu bewegen begann, dachte ich erst an eine Sinnestäuschung, was es aber nicht war. Ich bin zwar eine Abenteurerin, aber das war mir dann doch zu viel. Auch bei Spatz am Spieß samt Flügeln, Kopf und Augen habe ich nach einem Anstandsbissen w. o. gegeben.

Welche Restaurants meiden Sie?
Pistaziengrün ausgemalte – das passt nur für den Eissalon; Lokale, wo Musik gespielt wird – das macht mich wahnsinnig und ich sorge auch meist dafür, dass sie abgedreht wird; Restaurants mit Kellnern, die mich ignorieren oder wo der Service so im Vordergrund steht, dass er jede Konversation mit dem Visavis zerstört.

Welche Trends beobachten Sie beim Essen und Trinken?
Die Perfektion bei Privateinladungen. Das beginnt bei den Hightech-Küchen und endet bei den Tellern, auf denen haubenverdächtige Menüs angerichtet sind wie fürs Fotoshooting.

Warum waren Opernsängerinnen früher meist gewichtige Personen und sehen heute aus wie Models?
Es singt sich leichter mit mehr Kilos, man hat mehr Standfestigkeit und ist stärker mit der Erde verbunden. Seit ich viel abgenommen habe, weiß ich aber, dass auch Models gut singen können.

Interview geführt von Johanna Zugmann

Aus Falstaff-Magazin 05/2015

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