Ardbeg hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Die 1815 gegründete Destillerie schloss 1981 erstmals ihre Tore, wurde 1989 zwar wiedereröffnet, 1996 aber ein zweites Mal stillgelegt. Als Glenmorangie sie 1997 übernahm, waren die Baulichkeiten in desaströsem Zustand. Mit großem finanziellen Aufwand hauchte Glenmorangie dem verloren geglaubten Teil der Islay-Torf-Trinitas Laphroaig-Lagavulin-Ardbeg wieder Leben ein, bevor Moët Hennessy Louis Vuitton im Jahr 2004 Glenmorangie und damit auch Ardbeg unter seine Fittiche nahm.

Ardbeg produziert mit gerade einmal zwei Brennblasen den am stärksten getorften Whisky auf Islay: Mit rund 55 ppm (parts per million: die Maßeinheit zur Bestimmung des Phenolgehalts des rauchgetrockneten Gerstenmalzes) liegt er etwa deutlich über Laphroaig (42 ppm). Trotzdem weist bereits das Rohdestillat auch fruchtig-zitrushafte Nuancen auf, die das mächtige Aromenkonstrukt in Balance halten. Das Geheimnis dahinter dürfte der ominöse »Purifier« sein: An der Unterseite des Geistrohrs der Spirit Still angebracht, fängt er die schwereren Alkohole auf und leitet sie zur nochmaligen Destillation zurück in die Brennblase. Ähnlich wie durch die sehr hohen Brennblasen Glenmorangies gelangen also auch hier vor allem die leichteren Alkohole in das Destillat.

Neben seinem rührigen Marketingteam ist Ardbeg auch für seine Kühnheit bekannt, Grenzen auszuloten. Entgegen dem (ehemals) ehernen Gesetz, dass Single Malts zumindest zehn bis zwölf Jahre alt sein müssen, um als genussreif zu gelten, veröffentlichte Ardbeg 2004 den »Very Young« mit gerade einmal sechs Jahren Alter – ein sehr umstrittener Schritt. 2006 folgte der »Still Young«, 2007 der »Almost There« und 2008 schließlich der »Renaissance«.

Der »Ardbog« wird am 1. Juni offiziell präsentiert / Foto: beigestellt
Der »Ardbog« wird am 1. Juni offiziell präsentiert / Foto: beigestellt

Im selben Jahr verlieh Jim Murray, Autor der als Standardwerk geltenden »Whisky Bible«, dem Ardbeg Ten sogleich den Titel »World Whisky of the Year. 2009 konnte dieser Titel mit dem Ardbeg Uigeadail verteidigt werden, 2010 wurde der Ardbeg Supernova »Scotch Whisky of the Year«. Und 2013 kürte das »Whisky Magazine« den Ardbeg Galileo zum »World's Best Single Malt Whisky«.

Für das nächste Kaliber müssen sich »peat lovers« nicht mehr lange gedulden: Am 1. Juni präsentiert Ardbeg den »Ardbog«, eine Hommage an die Torfmoore (engl. »bog«) Islays. Zehn Jahre lang in Ex-Bourbon- und seltenen Manzanilla-Fässern gereift, darf man einen komplexen und tiefgründigen Brocken von Single Malt erwarten.

INFO
Ardbeg Distillery
Port Ellen, Isle of Islay, Argyll PA42 7EA
www.ardbeg.com

(Georg Schullian)