Architektur: Modernes Waadtland

Lausanne – die Waadtländer Kleinmetropole – birgt gleich mehrere architektonische Highlights.

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Lausanne – die Waadtländer Kleinmetropole – birgt gleich mehrere architektonische Highlights.

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Im Herzen der Waadtländer Hauptstadt Lausanne wird derzeit gebaut, und das im großen Stil. Auf rund 25.000 Quadratmetern direkt beim Hauptbahnhof entsteht ein neues Kunstquartier – gleich drei Museen sollen hier in zwei atemberaubend modernen Neubauten ein neues Zuhause finden. Eines der beiden Bauwerke steht bereits: Das neue Musée Cantonal des Beaux-Arts (MCB-A) das seine Türen Anfang April 2019 erstmals öffnet und ab Oktober 2019 erste Ausstellungen zeigt. Für eine 140.000-köpfige Stadt ist so ein Projekt eindrücklich – ja schier unglaublich. Es ist der Entwicklung der letzten Jahre in der Stadt zu verdanken.

In Lausanne herrscht nicht nur eine große Offenheit gegenüber der Kultur und gegenüber neuen, bahnbrechenden Bauwerken, hier kooperieren auch Kulturinstitutionen auf eine Art, wie das andernorts nicht denkbar ist. Neben dem Musée Cantonal des Beaux-Arts werden auf dem Areal auch das Musée de desgin et d’arts appliqués contemporains (mudac) sowie das Fotomuseum Musée de l’Elysée in einem gemeinsamen Gebäude Platz finden. Das bereits erbaute MCB-A wurde von dem spanischen Architekturbüro Barozzi/Veiga entworfen. Ein eindrücklicher, langer Bau direkt an den Gleisen, der den Eingang der hier ehemals stehenden Lokomotivenwerkstatt als große, natürliche Lichtquelle im Eingangsbereich integriert.

Ein Bekenntnis für die Kultur

Das Gebäude für das Musée de l’Elysée und das mudac, das im hinteren Teil des Areals zu stehen kommen wird, stammt von Aires Mateus, einem zeitgenössischen Architekten aus Lissabon. Speziell an dem Projekt ist nicht alleine die Strahlkraft der Bauten und die Zusammenarbeit der Institutionen, sondern auch deren Finanzierung. Bernard Fibicher, Direktor des MCB-A, erklärt, dass die private Finanzierung für den Bau seines Museums keine Probleme mit sich brachte. 34 Millionen Franken wurden innert kürzester Zeit bereitgestellt – ein wirkliches Bekenntnis an die Kultur und die zeitgenössische Architektur im Herzen der Stadt am Genfersee. Laut Planung soll das neue Kulturquartier samt seiner drei Museen im Herbst 2021 eröffnet werden.

Doch auch heute schon gibt es für Architekturinteressierte in Lausanne einiges zu sehen. Zu den spektakulärsten Bauten der neueren Zeit gehört das Rolex Learnig Center. Das multifunktionale Gebäude der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) beherbergt eine riesige wissenschaftliche Bibliothek sowie Schulungs-, Verpflegungs- und Ausstellungsräumlichkeiten – das Ganze direkt am Ufer des Genfersees. Seine japanischen Erbauer, die auch das neue MOMA (Museum of Modern Art) in New York konzipierten, gewannen den hierfür ausgeschriebenen, internationalen Architekturwettbewerb im Jahr 2004 einstimmig.

Eine Schule als architektonisches Monument

Die verschiedenen Funktionsbereiche des EFPL wurden auf einer Ebene verteilt. Etwas über die Hälfte der zwei Hektaren großen Nutzfläche besteht aus gewellten, ungenutzten Bereichen – sogenannten »weißen Räumen«, welche die in Japan typischen fliessenden Übergänge in den Häusern schaffen. Tageslicht gelangt mittels vierzehn großen runden Einsparungen in das plattformartige Gebäude. Das Rolex Learning Center ist frei zugänglich, und es werden auch Führungen angeboten. Gleich nebenan befindet sich das nicht minder spektakuläre ArtLab. Es handelt sich um den aktuellsten Neubau im Rahmen umfassender Erweiterungs- und Verdichtungsmaßnahmen auf dem Campus der École polytechnique fédérale. 235 Meter lang erstreckt sich das anthrazitfarbene Schieferdach, das Verbindungsbau und Treffpunkt in einem ist – vom zentralen Esplanadeplatz hinunter zu den Studentenwohnungen. Zwei offene Durchgänge sorgen für die Durchwegung des Campus in Ost-West-Richtung und trennen die drei unterschiedlichen Nutzungen in eigenständige Gebäude unter einem Dach: das Montreux Jazz Café, ein Pavillon für Kunst und Wissenschaft und die Galerie Datasquare für Informationstechnologie.

Aquarium der Superlative

Große Aufmerksamkeit erhielt auch das Aquatis im Herzen von Lausanne – allerdings weniger wegen seiner schillernden Außenhaut, sondern vor allem wegen dem, was sich darin verbirgt. Wie der Name schon andeutet, wurde mit dem Aquatis im Oktober 2017 ein Aquarium in Lausanne eröffnet. Es handelt sich dabei um das größte Süßwasser-Aquarium Europas. Planer war das Lausanner Architekturbüro Richter Dahl Rocha & Associés, die landschaftsarchitektonische Gestaltung stammt von Emch+Berger aus Bern. Auf rund 3500 Quadratmetern beherbergt das komplexe Gebäude rund 10.000 Fische, 100 Reptilien und Amphibien sowie mehr als 300 Pflanzenarten.

Für Architekturfreunde wirklich spektakulär aber ist ein sehr viel kleiner dimensioniertes Gebäude am Genfersee, und zwar die Villa »Le Lac« des legendären Schweizer Architekten und Designers Le Corbusier. Die Villa wurde 1923 erbaut und ist das Ergebnis ergonomischer und zweckbestimmter Forschung seines Erbauers. Mit gerade mal 64 Quadratmetern ein sehr bescheidener Bau, der aber bereits drei der »fünf Punkte einer neuen Architektur« vereint: den freien Grundriss, den Dachgarten und das Langfenster – eines der ersten in der Geschichte. Die Villa an sich war ein eigentliches Versuchsfeld, ein Labor für den Architekten, und gehört zu seinen persönlichsten Schöpfungen überhaupt. Das Gebäude steht übrigens nur vier Meter vom Ufer des Genfersees entfernt, vier Meter hinter der Haustüre geht die Straße vorbei. Ein schier unglaublicher Ort für eine solche architektonische Perle, und doch steht die Villa »Le Lac« Le Corbusier hier genau richtig.

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