Anton Bauer – Der Winzer des Jahres 2017 im Portrait

© Ian Ehm

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Als der 1971 geborene Toni Bauer gerade 15 Jahre alt ist und die Weinbauschule in Krems besucht, ergibt sich die Gelegenheit, im Zuge eines Schüleraustauschs nach Frankreich zu reisen. Der Zufall will es, dass er in Beaune im Burgund die jährliche Weinauktion zugunsten des Hospices de Beaune miterleben kann. Dass feiner Pinot Noir und Chardonnay langlebige Weine ergeben, wenn man sie richtig behandelt, das ist die Lehre, die der angehende Winzer von dort mitnimmt.

Nach Abschluss der Schule bietet die landwirtschaftliche Nebenerwerbswirtschaft der Eltern keine Perspektive. Man schreibt das Jahr 1988, der Weinskandal steckt den Leuten in der Region noch in den Gliedern. Doch Toni Bauer hatte sich nun einmal für den Weinbau entschieden und nimmt eine Stelle beim Weingut des Stifts Göttweig an, wo er die nächsten fünf Jahre arbeitet. 

Einer, der sein Bild von den Möglichkeiten im Weinbau nachhaltig prägen sollte, war der Innovator Gerald Malat aus Palt. Malat hatte bereits früh begonnen, neben der Weißweinproduktion eine moderne Rotweinvinifikation nach französischem Vorbild aufzunehmen und experimentierte erfolgreich mit Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot.

1992 entscheidet sich Bauer, den elterlichen Weinbaubetrieb zu übernehmen. Drei Hektar Rebfläche hat er zur Verfügung. Erzeugt wird noch fast zur Gänze einfacher weißer Schankwein, der direkt an Wirte verkauft wird. Doch ihm ist klar: Das hat keine Zukunft. Der Jungwinzer investiert seine ersten Erlöse umgehend in eine bessere Kellerausstattung, die alten Holzgebinde müssen Edelstahlfässern weichen. Die Rebfläche wird erweitert. Die Folge: Der engagierte Weinmacher musste sich ein neues Publikum für seine Bouteillenweine suchen. Das dauerte einige Zeit, doch diese Entscheidung hat er bis heute nicht bereut.

Im Jahr 1994 kreiert Toni Bauer seinen ersten eigenen Rotwein, eine Cuvée aus Zweigelt und Blaufränkisch. Diese neue »Cuvée Wagram« findet bei seinen Kunden auf Anhieb Zuspruch. Davor hatte sich der Jungspund im Burgenland schlau gemacht und in Horitschon einigen Rotweinkönnern über die Schulter geschaut. Und hat die gewonnenen Erkenntnisse aus Weingärten und Keller dann konsequent in Feuersbrunn umgesetzt. Als er dann mit seiner »Wagram Reserve« aus dem Spitzenjahrgang 1997 herauskommt, gibt es etliche »Kenner«, die standhaft bezweifeln, dass die Trauben für diese Bordeaux-Cuvée vom Wagram stammen könnten. Anlässlich der Weinmesse Vievinum 2000 lernt Bauer einen gebürtigen Salzburger und Ex-Sommelier kennen, der sich in den USA als Weinimporteur etabliert hatte. Der ist von den Weinen des jungen Wagramer Winzers so begeistert, dass er in der Folge gleich einen Container ordert. »Das waren 17.000 Flaschen auf einen Schlag. Dass ich damals vielleicht 30.000 Flaschen im Jahr erzeugte, das wusste der Mann noch nicht.«

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Toni Bauer lernt fleißig, um sein Englisch zu verbessern, und präsentiert auf ausgedehnten Touren durch die Vereinigten Staaten seinen Wein höchstpersönlich. Das in jenen Tagen auch in den USA wachsende Interesse an Grünem Veltliner hilft mit, und Bauer investiert weiter in Flächen und Betrieb. Bereits 2003 gründet der Winzer mit seinem Händler Wittauer von KW Selection aus Virginia eine eigene Wein-Exportfirma, die neben den eigenen Weinen auch ausgewählte Betriebe aus anderen österreichischen Regionen nach Amerika bringt. Darunter Namen wie Leo Hillinger aus Jois, Tegernseerhof aus Unterloiben, Steininger aus Langenlois, Strauss aus Steinbach bei Gamlitz oder Franz Netzl aus Göttlesbrunn, die sich bis heute im Portfolio von KW Selection finden. In der ersten Hälfte der 2000er-Jahre ist das Weingut Anton Bauer wohl in den USA in der Weinszene bekannter als in Österreich, auch Märkte wie England, Deutschland, Schweiz sowie Holland und Belgien öffnen sich alsbald. »In Österreich haben sich eher kleine Vertriebspartner für meine Weine interessiert, und mit diesen arbeite ich auch heute noch eng zusammen. Sie haben mich speziell in den Skigebieten im Westen toll platziert, der Arlberg ist heute ein wichtiges Fenster für meine Weine.«

Sein Sortiment im Hause Bauer ist heute ungemein vielfältig, ein Ausdruck der ungebremsten Qualitätsambition des Winzers. Toni Bauer besitzt heute 29 Hektar, verarbeitet die Trauben von rund 50 Hektar. Zu den unkomplizierten Weinen zählt die sommerliche Cuvée white namens »best of«, zusammengestellt aus Veltliner, Pinot Blanc und Welschriesling. Ein fruchtigstahliger Riesling von der Ried Berg und ein Roter Veltliner aus verschiedenen Feuersbrunner Lagen sind Sortimentsklassiker. Seine aussagestarken Grünen Veltliner – acht verschiedene an der Zahl – kommen von den Toplagen Rosenberg und Spiegel und tragen Zusatzbezeichnungen wie »Alte Reben«, »Grande Reserve« oder »Private Selection«, die leichtfüßigeren Sortenvertreter stammen aus den Rieden Gmörk, Stiegl oder Kirchthal.

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Aber auch für die Weine der Burgundersorten Chardonnay und Pinot Blanc oder den Blaufränkisch Limited Edition kommen die Trauben aus der Feuersbrunner Toplage Rosenberg. Der burgundisch anmutende Chardonnay wird wie der Pinot Blanc zur Hälfte im Betonei und im kleinen Holzfass gereift.

Während heute für die rote Wagram Reserve die volle Sortenbandbreite aus Zweigelt, Blaufränkisch, Cabernet, Merlot gewürzt mit einem Hauch Syrah zum Einsatz kommt, sind es für die limitierte Cuvée »Legendär« mehr als zwei Drittel Cabernet Sauvignon, dazu etwas Merlot und Blaufränkisch.

Ein besonderes Liebkind des Winzers ist der Pinot Noir. Er kommt unter der Bezeichnung »Wagram« aus dem gebrauchten Holz, während die »Reserve – limited Edition« in neuen Barriques aus Allier- und Tronçais-Eiche 20 Monate heranreifen darf. Im neuen Holz reifen auch die rebsortenreinen Rotweine aus Merlot, Cabernet Sauvignon oder Blaufränkisch – Letzterer aus dem tollen Jahr 2013 gleich für drei Jahre lang. Auch Freunde edler Schaumweine kommen nicht zu kurz. Der Vintage Blanc de Blancs wurde aus Pinot Blanc, Chardonnay und Grünem Veltliner zusammengestellt, für den Vintage Rosé wird 85 Prozent Pinot Noir mit einem Schuss Zweigelt gewürzt.

Und wer sich für Großformatflaschen interessiert, für den gibt es auf Anfrage die Wagram Reserve sogar bis hinauf zur 27-Liter-Flasche.

Konzept & Produktion: Florence Wibowo; Location Restaurant »Parlor« im InterContinental Wien

INFO

Weingut Anton Bauer
Neufang 42
3483 Feuersbrunn

www.antonbauer.at

Aus dem Falstaff Magazin Nr. 05/2017

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