Anteprima Sagrantino di Montefalco Jahrgang 2017

In dieser Kathedrale ruhen Giampaolo Tabbarinis Sagrantinos.

© Simon Staffler

In dieser Kathedrale ruhen Giampaolo Tabbarinis Sagrantinos.

In dieser Kathedrale ruhen Giampaolo Tabbarinis Sagrantinos.

© Simon Staffler

http://www.falstaff.at/nd/anteprima-sagrantino-di-montefalco-jahrgang-2017/ Anteprima Sagrantino di Montefalco Jahrgang 2017 Vor Kurzem wurde im umbrischen Montefalco der 2017er Jahrgang des autochthonen Sagrantino vorgestellt. Falstaff war vor Ort, um sich ein Bild von diesem mächtigen Rotwein zu machen. http://www.falstaff.at/fileadmin/_processed_/5/a/csm_In-dieser-Kathedrale-ruhen-Giampaolo-Tabbarinis-Sagrantino-2640_98daee8329.jpg

Im beschaulichen Örtchen Montefalco, wunderschön auf einem Hügel gelegen mit atemberaubendem Ausblick, traf sich vor ein paar Wochen die Weinpresse, um den neuen Jahrgang Sagrantino unter die Lupe zu nehmen. Das Konsortium hatte zur Anteprima geladen, verkostet wurde der – so viel sei vorweg schon gesagt - nicht einfache Jahrgang 2017.

Umrahmt wurde die Anteprima von einer mehrtägigen technischen Verkostung, zahlreichen Weingutsbesuchen, sowie die Möglichkeit sich beim Lunch und Dinner bei den Winzern über die aktuellen Entwicklungen des Gebiets auszutauschen. Es war die perfekte Gelegenheit, um kurzzeitig in die Welt des struktur- und vor allem tanninreichen Sagrantino einzutauchen. En vogue vor allem in den 90er und 2000er Jahren, wurde es in letzter Zeit deutlich ruhiger um diesen kraftvollen Rotwein-Riesen, von dem man sagt, dass er viele Jahre Flaschenreife benötigt, um sich endlich trinken zu lassen. Wir bestätigen: es ist immer noch so.

Ein schwieriger Jahrgang

Vom Konsortium erhielt der am Markt einzuführende Jahrgang 2017 drei von fünf Qualitätssternen. Nach dem Austrieb sorgte Ende April starker Frost für erhebliche Produktionsausfälle. Im Spätfrühling gab es durchschnittlichen Niederschlag, während brennende Hitze und besonders Dürre im Juli und August die Böden in den Weingärten stark austrocknen ließ. Kurz vor Erntezeit folgten vereinzelt Niederschläge, die schlussendlich zu einer verfrühten und zum Teil unausgewogenen Ernte führten. Im Keller musste nochmal akribisch selektioniert werden, um die gewünschte Traubenqualität zu erhalten.

2017 war eines der heißesten Jahre in den vergangenen Jahrzehnten, die Arbeitsstunden im Weinberg unzählbar, die Winzer hatten es alles andere als leicht: nicht nur ist der Jahrgang von Wetterkapriolen gezeichnet, sondern vor allem vom Ernteausfall von bis zu 40 Prozent im Vergleich zu 2016. Die deutlich wenigeren Trauben, die den Weg in den Keller gefunden haben, zeigen sich laut Angaben des Konsortiums ausgewogen in den Alkoholwerten, mit guter polyphenolischer Reife und mit Säurewerten, die sich minimal unter dem Durchschnitt befinden.

Trend zu großen Holzfässern

Unsere Verkostung hat allerdings gezeigt, dass wirklich nur jene Winzer hochqualitative Weine erzeugen konnten, die viel Zeit und Geduld im Weinberg und Keller aufgebracht, sowie sauber gearbeitet haben. Gar einige Proben waren von überreifer Frucht und harschem, trocknendem Tannin gezeichnet. Bemerkbar machte sich in einem schwierigen Jahrgang wie 2017 vor allem der Umgang mit großem oder kleinem Holz. Valentino Valentini (Bocale) oder Giampaolo Tabarrini (Tabarrini) bestätigten im Interview, dass im Anbaugebiet vermehrt eine Umkehr vom Barriquefass hin zum großen Holzfass wie Tonneau oder gar Holzbottichen stattfindet.

War man in Montefalco vor ein paar Jahren noch überzeugt, dass das Barriquefass den Sagrantino und sein kraftvolles Tannin zähmen könnte, erkennen die Winzer nach und nach, dass das Holztannin dem Tannin des Weines nur noch mehr Intensität und Präsenz im Trunk verleiht. Wer mit Barrique arbeitet, wie Marco Caprai (Arnaldo Caprai), tut dies mit Bedacht und viel Tüftelei. Mit Michel Rolland hat er den Starönologen par excellance an seiner Seite, sein zehn Jahre im Barrique gereifter Super-Sagrantino „Spinning Beauty“ ist das Paradebeispiel für die Harmonie zwischen Holzeinsatz und Traubentannin.

Umbrien »auf der Brust«

Der Montefalco Sagrantino ist neben dem Torgiano Rosso Riserva eine der beiden einzigen DOCG-Denominationen in Umbrien und stellt somit die weintechnische Qualitätsspitze der mittelitalienischen Region dar. Wichtigste Neuerung erfährt der Wein mit der Möglichkeit die Herkunftsbezeichnung Umbria auf dem Vorderetikett anzuführen. Man erhofft sich dadurch noch mehr Wertschätzung und Wertschöpfung für diese sonst oft in der zweiten Reihe stehenden Weinregion.

Dabei ist es in Montefalco keineswegs ruhig: in den letzten 25 Jahren ist der Rebbestand des Montefalco Sagrantino DOCG von 66 Hektar (1992) auf 760 Hektar (2018) gestiegen. Seit dem Jahr 2000 bis heute hat sich die Flaschenproduktion des Sagrantino fast verdreifacht – von 660.000 auf 1,5 Millionen Flaschen. Exportiert werden knapp 35 Prozent in 40 Länder, Hauptmärkte sind die USA (13 Prozent), gefolgt von Deutschland (5 Prozent), Belgien (5 Prozent), Japan (3 Prozent), und die Schweiz (3 Prozent).

Unsere Top 5

  • Di Filippo »Etnico«
    Duftige Nase, nach Butterkeksen und Schwarzbrot, auch Veilchen und Himbeeren, am Gaumen mit tollem Fruchtschmelz, kernig und druckvoll, schöner Bogen
  • Tenuta Bellafonte »Collenottolo«
    Elegante Nase, rotbeerig, saftig am Gaumen mit schönem Verlauf und Finesse, gefällt gut
  • Arnaldo Caprai »Collepiano«
    Nach edlem Holz, tief, nach Graphit, tolle Frucht, elegant, auch am Gaumen, mit viel Schliff und Eleganz, outstanding
  • Fattoria Colleallodole »Colleallodole«
    Milchschokolade, Waldbeeren, Veilchen, eingelegte Kirschen, am Gaumen mit dichtem Tannin und spannungsvollem Verlauf, in sich stimmig, schöne Länge
  • Tabarrini »Campo alla Cerqua«
    Tolle, einladende Nase, nach Waldbeeren, klarer Frucht und Blume am Gaumen, hervorragend und hervorstechend, toller Wein

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