»Amuse Portable« zum Abendessen

Wie schaffen es Eltern ihre Prinzessinnen und Prinzen im Zaun zu halten, wenn das Interesse an feinen Happen verflogen is?

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Wie schaffen es Eltern ihre Prinzessinnen und Prinzen im Zaun zu halten, wenn das Interesse an feinen Happen verflogen is?

Wie schaffen es Eltern ihre Prinzessinnen und Prinzen im Zaun zu halten, wenn das Interesse an feinen Happen verflogen is?

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Auch wenn man sich’s kaum mehr vorstellen kann: Es gab eine Zeit, in der Eltern ihre Kinder ins Restaurant mitnahmen, ohne ihnen vorher ein Handy in die Hand zu drücken – und das Unglaubliche dabei: Es gab keine Probleme!

Nicht Touchscreens, sondern andere Gesten zogen damals die Minigourmets in den Bann. Im »Landhaus Bacher« etwa wurden sie mit Überraschungseiern, Büchern und Bastelzeug bei Laune gehalten. Bei »Obauers« in Werfen mit Malzeug. Der »Taubenkobel« verfügte, bevor es dort Biotop und Garten gab, über ein kleines Kinderparadies mit Schaukel, Rutsche, Klettertürmchen – und (dem echten) Hund »Sebi«. Selbst im edlen »Steirer­eck im Stadtpark« wurden bereits zum Amuse-Gueule Buntstifte und Zeichenpapier serviert, damit es zwischen den einzelnen Gängen dem Nachwuchs nicht den Appetit verschlug. Das alles sind keine Einzelbeispiele, und die Genannten handhaben es bis heute so. Denn der kluge Gastronom weiß: Selbst das kleinste fremde Ding hat für den Juniorgast mehr Anziehungskraft als die mitgebrachten, altbekannten Sachen aus der Spieltruhe von daheim.

»Mit dem Smartphone tauchen die Kinder in eine eigene Welt ab und bekommen vermittelt: Wenn die Eltern essen gehen, muss ich still sein«, Martina Rammer-Gmeiner, Jugendpsychologin

Doch wie schaffen es Eltern im Zeitalter des Smartphones, ihre Prinzessinnen und Prinzen noch dann im Zaum zu halten, wenn das Interesse an Gimmicks und feinen Happen verflogen ist? Gut zureden hilft meist nur für kurze Dauer. Diskussionen vor dem Eingang sind sinnlos. Ein Aufbrüllen der Eltern mag zwar in Frankreich oder Italien als normal durchgehen, wird aber bei uns rasch als Verletzung von Persönlichkeitsrechten interpretiert. 

»Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Langeweile Kindern zumutbar ist«, findet die Wiener Psychologin und Erziehungsberaterin Martina Rammer-Gmeiner, wie übrigens auch eine ganze Reihe anderer Experten: »Kinder müssen lernen, dass sie zwei Stunden wo hingehen, wo nicht alles nach ihrem Kopf geht. Es ist o. k., zu vermitteln: ›Das hältst du durch.‹«

Wie ein Hochzeitsessen

So ein kulinarisches Projekt ließe sich leichter bewältigen, wenn man das Ganze den lieben Kleinen als Event verkauft, ist Rammer-Gmeiner überzeugt: »Das signalisiert man am besten schon daheim, indem man ihnen keine löcherigen Jeans, sondern etwas Ordentliches anzieht. Ihnen im Internet Bilder vom Lokal zeigt, die Speisekarte herunterlädt, im Vorfeld ein bisschen gustiert und das Besondere hervorstreicht: ›Wir essen so schön, als ob wir auf einer Hochzeit wären.‹«

Geht es gar nicht ohne Handy, gibt die Expertin zu bedenken, dass Kinder »damit in eine eigene Welt abtauchen«. Das Gemeinsame geht verloren. Kinder bekommen vermittelt: »Wenn die Eltern essen gehen, muss ich still sein.« Deshalb rät sie, vorab festzulegen, was, wann und wie lange mit der Handgurke gespielt werden darf: »Ich würde von interaktiven Games abraten, aus denen man schwer aussteigen kann, weil Freunde mit drinnen hängen.« Ein guter Zeitpunkt für ein Handyintermezzo sei, so Rammer-Gmeiner, »ab dem Dessert«.

So geht es richtig

Um Kinder dafür zu sensibilisieren, dass Essengehen Freude und Genuss bedeutet, besorgt man am besten Spielzeug, das einen Bezug zur Situation herstellt: »Geht man zum Franzosen oder Italiener, würde sich etwa ein Malbuch eignen, bei dem Kinder lernen, was Erbse oder Karotte auf Französisch oder Italienisch heißt.« Oder man bereitet sie darauf vor, dass sie an diesem Tag über ein Thema sprechen dürfen, dem sich alle widmen: »So bekommen sie eine Aufmerksamkeit, die im Alltag nicht immer selbstverständlich ist«, ahnt Rammer-Gmeiner, »… lachen, sich mit den Eltern austauschen. Da hält das Handy nicht mit.«

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 06/2017
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